30.08.2007 · Die Kultusminister der unionsregierten Länder erwägen erste Schritte auf dem Weg zu einem bundeseinheitlichen Zentralabitur. Ziel sei es zunächst, die Prüfungen in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen besser vergleichen zu können.
Die Kultusminister der unionsregierten Bundesländer sind am Donnerstag in Magdeburg zusammengekommen, um über Pläne für ein bundesweites Zentralabitur zu beraten.
Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bahnt sich eine Einigung auf die baldige Einführung deutschlandweit einheitlicher Prüfungen an: Die Länderminister wollten der Kultusministerkonferenz am 18. Oktober ein Konzept zur Abstimmung vorlegen, nach dem bereits zum Schuljahr 2012/13 ein Zentralabitur umgesetzt werden solle, hieß es in dem Bericht.
„Aufgaben auf gleichem Niveau“
Die Sprecherin der hessischen Kultusministerin Karin Wolff, Daniela Bruse, sagte, die Einführung eines bundesweiten Zentralabiturs sei aus hessischer Sicht der übernächste Schritt. Zunächst müssten im deutschen Bildungssystem vergleichbare Standards geschaffen werden. Der sächsische Kultusminister Steffen Flath sprach sich für ein bundesweites Zentralabitur ab dem Jahr 2013 aus. Erstes Ziel sei es, in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen an allen deutschen Gymnasien Aufgaben auf gleichem Niveau zu stellen, sagte der CDU-Politiker im MDR.
Dies fördere den Wettbewerb zwischen den Bundesländern. Die Kultusminister forderte er auf, sich kurzfristig auf dieses Ziel zu einigen. Anschließend könnten in einem Übergangszeitraum von etwa fünf Jahren die Niveaus zwischen den Ländern angeglichen werden. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hatte schon Anfang des Monats ein Zentralabitur gefordert. Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte am Donnerstag, Ziel sei eine bessere Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen in Deutsch, Mathematik und im Bereich Fremdsprache.
Vergleichsstudie zum Deutsch-Abitur
Bundesbildungsministerin Annette Schavan schlägt vor, dass zunächst Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen 2011 an einem Testlauf für länderübergreifende Abituraufgaben in den Kernfächern teilnehmen könnten. Es gehe um ein vergleichbares Bildungssystem aller 16 Länder.
Sie habe den Bundesländern angeboten, eine Vergleichsstudie zum Deutsch-Abitur in Auftrag zu geben. Dabei solle geklärt werden, „wo es Gemeinsamkeiten gibt, worauf kann man aufbauen“. Verglichen werden sollen unter anderem Texte, Aufgabenstellungen und Bewertungsmaßstäbe. Auf der Kultusministerkonferenz im Oktober solle dazu ein Antrag gestellt werden, sagte die hessische Kultusministerin Karin Wolff. Die Studie könnte dann bis 2008 fertig gestellt werden.
Bayerisches Niveau
Widerstand gegen die Pläne kam dagegen aus Bayern: „Ein zentrales Abitur mit einheitlichen Aufgaben an einem Tag in ganz Deutschland lehnt Bayern ab“, sagte der Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, Ludwig Unger. Bildungspolitik sei Ländersache, fügte er hinzu. Der Freistaat befürworte aber einheitliche Standards in Kompetenzen, die für das Abitur erworben werden müssten. Diese Standards müssten überprüft werden und sich an dem hohen bayerischen Niveau orientieren. Er sagte dazu: „ Sie dürfen sich nicht an den schwächsten Ländern orientieren, sondern es muss die hohe Messlatte Bayerns gelten“.
Vorstellbar sei etwa, dass das Institut zur Sicherung der Qualität im Bildungswesen Muster-Prüfungsaufgaben für zentrale Fächer wie Deutsch und Mathematik erarbeite. Diese Aufgaben könnten den Ländern in einem Pool zur Verfügung gestellt werden, aus dem frei gewählt werden könne.
Die Begeisterung hält sich in Grenzen
Auch der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz, bezeichnete einen solchen Pool als denkbar. Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner lehnt den Plan für ein bundesweites Zentralabitur ab. Eine Zusammenarbeit zwischen einzelnen Ländern unterstützt er dagegen. Berlin und Brandenburg sind bereits dabei, schrittweise ein gemeinsames Zentralabitur einzuführen.
Das SPD-regierte Rheinland-Pfalz steht einem bundesweiten Zentralabitur ablehnend gegenüber. Es komme nicht auf einheitliche Aufgaben an, sondern darauf, dass einheitliche Bildungsstandards erfüllt würden, sagte der Sprecher des dortigen Bildungsministeriums. Skeptische Stimmen kamen auch aus den Kultusministerien von Bremen und Thüringen. Schleswig-Holstein sieht nach den Worten von Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) noch große organisatorische Probleme.