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Schulen in Deutschland „Dann steigt der Lehrermangel ins Unermessliche“

07.08.2008 ·  An deutschen Schulen fehlen nach Ansicht des Philologenverbandes in den kommenden Jahren Zehntausende Lehrer. 20.000 sollen es in diesem Herbst sein. Die Hochschulreform könnte den Mangel verschärfen.

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Die Schulen in Deutschland kämpfen mit einem sich dramatisch verschärfenden Lehrermangel. Nach Angaben des Deutschen Philologenverbands fehlen im neuen Schuljahr 20.000 Pädagogen an den Schulen. Grund sei die Überalterung der Kollegien und das Fehlen einer ausreichenden Zahl von Nachwuchskräften. Nach Einschätzung des Bildungsforschers Klaus Klemm könnten die aktuellen Hochschulreformen den sich seit Jahren abzeichnenden Lehrermangel sogar noch verschärfen.

Schon seit langem ist das Problem bekannt, dass wegen der früheren Einstellungspolitik die Kollegien vieler Schulen überaltert sind. Der Pensionierungswelle stehen aber nicht genügend Nachwuchslehrer gegenüber. Bereits vor fünf Jahren hatte die Kultusministerkonferenz in ihrer Vorausberechnung des Lehrerbedarfs von 2002 bis 2015 vorgerechnet, dass jährlich rund 3.200 Lehrkräfte fehlen werden.

Der Vorsitzende des Philologenverbands Heinz-Peter Meidinger sagte der „Bild“-Zeitung, in den nächsten fünf Jahren gingen rund 150.000 der 800.000 Lehrkräfte in den Ruhestand. Bis 2013 könnten bis zu 40.000 Lehrer fehlen. Um gegenzusteuern müssten nicht nur das Image des Lehrerberufs verbessert, sondern auch höheres Gehalt und bessere Karrierechancen geboten werden. „Der Lehrermangel ist das Hauptproblem der Bildungsmisere“, sagte Meidinger. „Wir müssen Lehrern daher mehr Gehalt und bessere Karrierechancen bieten.“

Gesucht: Mathematiker, Informatiker und Naturwissenschaftler

Laut Meidinger werden derzeit vor allem Lehrkräfte für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften gesucht. Ihr Anteil an den fehlenden Lehrern betrage rund 50 Prozent, er könnte bis 2013 auf bis zu 80 Prozent steigen. „Viele Lehramtreferendare wechseln direkt aus dem Referendariat in die Wirtschaft, weil sie dort besser verdienen“, sagte der Verbandsvorsitzende (Mathematik studiert – und dann?). Um zumindest einen Teil der freien Stellen zu besetzen, griffen viele Schulen auch auf fachfremde Arbeitnehmer zurück. Unter anderem würden Förster, Dolmetscher und auch Studenten an Schulen unterrichten.

Der Bildungsforscher Klemm warnte vor den Auswirkungen der derzeitigen Hochschulreformen auf die Lehrerzahlen. Man wisse noch nicht, wie sich die Umstellung des Lehramtsstudiums auf Bachelor (BA) und Master (MA) auswirken werde. Generell wollten die Hochschulen nach dem BA-Studium möglichst wenig Studenten beim MA weitermachen lassen, um leistungsstarke kleine Gruppen zu haben. „Wenn sie das bei der Lehrerbildung auch machen, dann steigt der Lehrermangel ins Unermessliche.“ Generell herrsche bei der Umstellung der Lehrerausbildung auf BA und MA momentan „ein ziemliches Chaos“, weil die Bundesländer unterschiedlich weit seien und unterschiedliche Modelle hätten, kritisierte Klemm. Da sich zudem inzwischen viele zukünftige Lehrer in BA-Studiengänge einschrieben und nicht mehr in Lehramtsstudiengänge, könne man noch schlechter als bisher eine Prognose über die künftigen Lehrerzahlen anstellen, sagte Klemm, der 30 Jahre lang Inhaber des Lehrstuhls für Bildungsforschung und Bildungsplanung an der Universität Duisburg-Essen war.

Lehrerbesoldung zentral regeln

Beim Thema Lehrerbesoldung forderte Klemm zentrale Regelungen. Er kritisierte scharf die derzeitige Werbekampagne Hessens, das Lehrer aus anderen Bundesländern abwirbt. „Ich halte es für unglaublich, dass Lehrer abgeworben werden, die dann in anderen Ländern fehlen, weil Hessen ihnen etwas mehr bezahlt oder sie etwas schneller verbeamtet“, sagte Klemm. „Es kann nicht sein, dass wir in einer Situation, in der in manchen Bereichen bereits Lehrer fehlen, einen bundesweiten Wettlauf um Lehrer bekommen. Das geht auch zulasten der Schüler, deren Lehrer weggehen.“

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