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Schröder-Porträt : Die Hängung des Kanzlers

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Schröder wie früher, Merkel wie immer: Immendorff-Gemälde im Kanzleramt Bild: ddp

Ganz in Gold hängt nun auch Gerhard Schröder in der Kanzlergalerie. Bei der Präsentation in Berlin spricht er, als handle es sich um eine Amtsübergabe. „Irgendwann werden Sie neben mir hängen“, sagt Schröder zu Angela Merkel. Günter Bannas hat ihn beobachtet.

          Weil nichts dem Zufall überlassen bleiben sollte, hatten die Helfer einige Sektgläser in der zweitdunkelsten Ecke im Bundeskanzleramt aufgestellt - für Eingeweihte: Vor dem Pressekonferenzensaal dortselbst und neben den dazugehörigen Garderoben für nur mittelmäßig willkommene Gäste. Um zehn Minuten nach elf Uhr sagt ein Organisator zu den Journalisten, sie sollten jetzt ihre „Handys“ ausstellen, und zu den Fotografen, sie sollten auf Position bleiben und nicht herumlaufen wie sonst. Zum Abschluss werde das Pult, von dem aus gerade er spreche, später weggeräumt, und dann könne es gemeinsame Fotos geben, von wem auch immer, der Bundeskanzlerin und dem Bundeskanzler „a.D.“ und dem Außenminister Steinmeier.

          Dem Gemälde gegenüber waren die Fotografen und Kamera-Leute (sie heißen Bild-Presse) aufgestellt worden, links davon standen einige Mitarbeiter des Hauses und rechts davon die anderen berufsweise Neugierigen („Schriftpresse“). Hinter denen tropfte von draußen der Regen ins Kanzleramt herunter. Undichte Scheiben sind in Berlin keine Seltenheit.

          Merkel wie immer und Schröder wie früher

          Um Viertel nach elf Uhr hätte die Zeremonie beginnen sollen, weshalb Zuspätkommer im Dauerlauf an der Galerie der Kanzlerinahnen (von Adenauer bis nun Schröder) vorbeieilten. Andere machten Scherze, ob Helmut Kohl besonders gut getroffen sei (von Albrecht Gehse) oder ob dereinst Oskar Lafontaine doch noch zu der Ehre kommen werde, dort zu hängen. Um zwanzig nach elf Uhr kamen noch mehr - offenbar gut informierte Kanzleramtsmitarbeiter. Um zwei Minuten vor halb zwölf gab es ein Zeichen für die Fotografen.

          Gerhard Schröder im Porträt

          Vorneweg Angela Merkel und Gerhard Schröder, die Bundeskanzlerin wie immer gestikulierend, wenn sie anderen den Weg weisen will, und Schröder wie früher, wenn er partout freundlich und höflich wirken will. Dahinter bekannte Gesichter, der Hausherr, Kanzleramtsminister Thomas de Maizière, Außenminister Steinmeier und Vizekanzler Müntefering, und dann auch noch weniger bekannte Gesichter, die als „Gäste“ angekündigt waren: Die junge Witwe des Malers Jörg Immendorf, Oda Jaune, in einer Rede später auch Jaune Immendorf geheißen, der Galerist Michael Werner, Martin Krug (Ehemann von Veronica Ferres), Kai Diekmann (Chefredakteur der Bild-Zeitung) und Bela Anda (früher Regierungssprecher Schröders und davor auch Bild-Zeitung). Tilman Spengler, ein Autor und auch ein Freund Schröders, der öfters auf dessen Auslandsreisen mit dabei war, war bloß angekündigt, aber nicht erschienen.

          Die übrigen taten so, als hätten sie das Bild das erste Mal gesehen - je prominenter um so heftiger. Sie taten es für die Fotografen und natürlich auch für die „Schriftpresse“. Diekmann schaute ernst, Müntefering streng, Steinmeier amüsiert.

          „Dafür hast Du meinen Respekt“

          „Es wird das ungewöhnlichste Bild in der berühmten Ahnengalerie ehemaliger Bundeskanzler im Berliner Kanzleramt!“, hatte Diekmann im Januar geschrieben, als Schröder den Maler in seinem Atelier in Düsseldorf besuchte und Diekmann dabei war. Das Bild - der Kanzler „GANZ IN GOLD“ (so Diekmann) - war fertig. „Du bist der erste Kanzler gewesen, der sich um die Künstler gekümmert hat. Damit hast Du ein Zeichen gesetzt, welchen Stellenwert die Kunst in der Gesellschaft hat. Dafür hast Du meinen Respekt“, hatte damals - so Diekmann - Immendorf zu Schröder gesagt. Und Schröder über das Bild: „Eine ganz eigene Arbeit, ganz anders als die anderen Porträts im Bundeskanzleramt.“

          Spengler war damals auch dabei gewesen und hatte in der „Zeit“ berichtet. „Wenns nach mir gegangen wäre, hätte das Bild auch noch später entstehen können“, schrieb Spengler, habe Schröder gesagt. Immendorf habe zu Schröder gesagt: „Dieses Bild ist mein ganz privates Geschenk an Dich.“ Da habe Schröder geantwortet: „Ich werde es als Dauerleihgabe dem Kanzleramt geben.“

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