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Schröder bei Stoiber Das Lächeln der Veteranen

17.09.2007 ·  Es gibt Politiker, die drehen nach dem Abschied aus Amt und Würden nochmal richtig auf. Edmund Stoiber schickt sich schon jetzt an, neue Maßstäbe zu setzen. Ein Treffen mit Altkanzler Gerhard Schröder lehrt seine Nachfolger das Fürchten.

Von Berthold Kohler
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Die Psychologie des Abschieds am Beispiel von Berufspolitikern, die ein liebgewonnenes Amt aufgeben müssen, ist bisher nur unzureichend erforscht worden - obwohl es reichlich Studienmaterial gäbe. Man denke nur an Heide Simonis' herzzerreißende Schlussfrage: „Und wo bleibe ich dabei?“ Andere traten so klag- und seufzerlos von der Bühne, dass man sich kaum noch ihrer erinnert.

Bei einer dritten Gruppe aber zeigen sich auffallende Symptome der Erleichterung, verbunden mit neuen Aktivitätsschüben. Zu diesem Kreis scheint Edmund Stoiber zu zählen, der auch im von der eigenen Partei erzwungenen Ruhestand bleiben will, was er schon immer war: Primus. Künftig also der fleißigste, fitteste und bescheidenste Polit-Rentner, den die Republik je sah. Ein bisschen wie Putin also. Und so entspannt, dass seine Erben, die ihn ins Austragshäusl abschieben wollten, jeden Tag mehr verkrampfen.

Mittagessen unter Pensionären

Stoibers jüngster Coup war wieder für so eine Schrecksekunde gut. Abermals eine Brotzeit! In Wolfratshausen! Wieder mit einem Großkopferten! Beim letzten Mahl dortselbst hatte der CSU-Chef der CDU-Vorsitzenden derart den Obatzten vom Brot genommen, dass sie ihm auch noch die Kanzlerkandidatur überließ. Doch diesmal war keine Gefahr in Verzug. Es ging nur um ein Veteranentreffen. Stoiber bat seinen alten Widersacher Schröder zu Leberkäs und Weißbier, weil man ein ähnliches Schicksal teilt und der Altkanzler ohnehin schon in der Stadt war; der SPD-Ortsverein (ja, den gibt's) ist hundert Jahre alt geworden.

Nun mag man sich fragen, welch enge Beziehung Schröder zu dieser Ortsgruppe und überhaupt zu seiner Partei hat, dass er dafür die ertragreiche Arbeit für einen ausländischen Energiekonzern liegenließ. Dann auch noch der Einladung der Familie Stoiber zu folgen war für ihn aber eine Selbstverständlichkeit: „Wann kommt unsereiner Pensionär schon mal umsonst zu einem warmen Mittagessen?“

Nach ihm nur noch Kreisliga

Vergessen, jedenfalls aber vergeben die alten Streitereien und Beschimpfungen wie auch Stoibers Niederlage gegen Schröder Anno Domini 2002. Dem Vernehmen nach soll der Hausherr dem Gast nicht einmal dessen Angebot nachgetragen haben, EU-Kommissionspräsident zu werden. Wo sich jetzt doch noch alles zum Guten fügt und Stoiber als - dieser Seitenhieb musste sein - unbezahlter Entbürokratisierungsberater nach Brüssel darf: ein Traumjob für einen Aktenfresser wie ihn.

Schröder bedankte sich für Stoibers grenzüberschreitende Versöhnungsbereitschaft mit dem artigen Kompliment, dass nach ihm in der CSU nur noch die Kreisliga spiele. Das musste Stoiber dann aber doch zurückweisen - mit einem Lächeln im Gesicht, das seinen Nachfolgern viel mehr zu schaffen machen wird als all die Jahre der wölfischen Ironie Schröders.

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Jahrgang 1961, Herausgeber.

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