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Schröder auf SPD-Parteitag : Mehr Größe wagen

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Gedenken an Helmut Schmidt: Der frühere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder redet auf dem SPD-Parteitag in Berlin am 10. Dezember. Bild: dpa

Zum ersten Mal seit acht Jahren sprach Gerhard Schröder wieder auf einem SPD-Parteitag. Und weckte bei den Genossen die Erinnerung an bessere Regierungszeiten. Als sie noch Köche und nicht Kellner waren.

          Gerhard Schröder zum Totengedenken an Günter Grass, Egon Bahr und Helmut Schmidt einzuladen, ist der Anlass gewesen. Ihn auf dem Parteitag in die Reihe großer Sozialdemokraten aufgenommen zu haben, war die Folge.

          Es war Schröders erster Besuch auf einem SPD-Parteitag seit acht Jahren gewesen, und es heißt, Sigmar Gabriel habe ihn gebeten, an die in diesem Jahr verstorbenen Protagonisten deutscher Sozialdemokratie zu erinnern. Gerne habe er zugesagt, rief der bislang letzte SPD-Kanzler. „Eine große, eine besondere Ehre“ sei es für ihn, die drei würdigen zu dürfen. Ziemlich freundlich war er begrüßt worden, von Manuela Schwesig, Sitzungsleiterin, Frauenministerin, stellvertretender SPD-Vorsitzenden.

          Nicht nur Willy Brandt und Helmut Schmidt, auch Gerhard Schröder habe „mit uns Geschichte geschrieben“. Schröder, auch er hat längst die 70 überschritten, sprach getragen und gediegen.

          Länger als 40 Jahre lang habe er Grass, Bahr und Schmidt gekannt. Früher als „Juso“ habe er sie begleitet – „nicht ohne Kritik“. Und, auf seine Karriere seit den Zeiten bei den Jungsozialisten verweisend: „Später haben sie mich begleitet – auch nicht ohne Kritik.“ Es verstand sich, dass Schröder in dieser Hinsicht nicht in Details gehen wollte: über die Toten nur Gutes.

          Zu Grass also: Mit Hingabe und Leidenschaft habe er für Willy Brandt gekämpft. Dem Land habe er den Spiegel vorgehalten. Den Bogen zu „Rot-Grün“ 1998 spannte er. Mehr Demokratie wagen, das Land erneuern, die Energiewende, die Gleichstellung von Homosexuellen – das „Durchlüften einer erstarrten Gesellschaft“.

          Und: „Grass war stolz auf unser Nein zum Irak-Krieg.“ Sodann zu Bahr: Wandel durch Annäherung, Brandts Ostpolitik. „Von ihm konnte man lernen, das zu tun, was richtig und notwendig ist“ – und dieses dann gegen Widerstände durchzusetzen. Wer sich an Bahrs Denken und Handeln orientiere, rief Schröder, müsse Frank-Walter Steinmeier unterstützen.

          Schließlich über Helmut Schmidt: In der Mitte der Gesellschaft habe er die SPD verankert, zwei große Wahlsiege erzielt. „Das ist das, was Sigmar Gabriel jetzt versucht.“ Und wofür er jede Unterstützung brauche. Gedämpfter Beifall.

          „Helmut Schmidt hat in schwierigen Zeiten geführt.“ Richtung und Orientierung habe er gegeben und damit Sicherheit vermittelt. Die Schwierigkeiten mit der SPD („Ich schließe mich dabei ein“) beim Nato-Nachrüstungsbeschluss beschrieb Schröder. Schmidt habe die Belange des Landes über die Interessen der Partei gestellt – eine Sache, „die einsam macht“. Drei große Deutsche seien es gewesen, rief er, die für „Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit“ gestanden hätten.

          Abgang Schröders von der Bühne. Die Leute standen auf. Sigmar Gabriel eilte hinunter. Umarmung zweier Niedersachsen. Schwesig dankte für „Mut und Kraft“, die Schröder gegeben habe. Die Leute standen auf. Steinmeier dankte auch. Nicht jammern und nicht bescheiden sein, rief Schröders früherer Kanzleichef, solle die Partei. „Zwei große sozialdemokratische Kanzler“ habe Schröder erwähnt. „Ein dritter gehört in diese Reihe – Danke, dass du hier bist. Hier gehörst du hin.“

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