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Schleswig-Holstein Die Nachfolge in 001

 ·  Der CDU-Landesvorsitzende Jost de Jager möchte in den Bundestag. Doch den frei werdenden Kandidatenplatz im Wahlkreis Flensburg-Schleswig will nicht nur er. Eine Kampfkandidatur würde de Jager schaden.

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Seit 1987 sitzt Wolfgang Börnsen im Bundestag. Weil in dieser langen Zeit schon mal Verwechslungsgefahr mit anderen Börnsens drohte, steht hinter seinem Namen „Bönstrup“. Börnsen ist als Kulturpolitiker bekannt geworden. Er hat über „Plattdeutsch im Deutschen Bundestag“ geschrieben, außerdem eine Biographie über Gerhard Stoltenberg, zuletzt das Buch „Vom Niedergang zum Neuanfang. Die Reichsregierung in Flensburg und das Ende der NS-Diktatur in Schleswig-Holstein“. Börnsen (Bönstrup) ist inzwischen 71 Jahre alt. Für die Wahl 2013 kandidiert er nicht mehr. Um den frei werdenden Kandidatenplatz im Wahlkreis Flensburg-Schleswig, den Börnsen 2009 direkt geholt hatte, bemüht sich nun der Vorsitzende der CDU in Schleswig-Holstein, der 47 Jahre alte Jost de Jager. Allerdings ist er damit nicht allein. Auch die 54 Jahre alte Juristin Sabine Sütterlin-Waack möchte in dem Wahlkreis antreten, der die Nummer 001 trägt.

De Jagers Ambitionen sind seit gut einer Woche bekannt, Frau Sütterlin-Waack hatte sich schon im Juni gemeldet. De Jager kommt aus Eckernförde, Frau Sütterlin Waack ist Bürgermeisterin von Lürschau im Landkreis Schleswig-Flensburg. Der Vorsitzende eines CDU-Landesverbandes kann sich kaum auf eine Kampfkandidatur einlassen, will er nicht alle Autorität verlieren. Um diesen Konflikt ging es, als am Donnerstag plötzlich das Gerücht aufkam, de Jager erwäge seinen Rückzug aus dem Landesvorsitz. Die Spekulationen schossen ins Kraut, bis am Abend vor der Sitzung des Landesvorstandes de Jager, als wäre nichts gewesen, erklärte, er bleibe im Amt und er werde im November auch wieder für den Vorsitz kandidieren. Er verband das aber auch mit einer Aufforderung an die Partei: „Ich glaube, es ist schon ganz klar, dass wir es nur schaffen, auch politisch stabil zu bleiben, wenn wir dem Landesvorsitzenden die Aussicht auf ein Mandat geben.“ Es müsse „sehr schnell deutlich werden, dass eine breite Mehrheit der Mitglieder in dem Kreisverband Flensburg-Schleswig hinter mir steht, damit auch deutlich wird, dass es keine Verunsicherung gibt“.

Jagers Bundestagskandidatur war eine Überraschung

Der Landesvorstand jedenfalls steht hinter dem Vorsitzenden: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass der Landesvorsitzende auch die Landesliste zur Bundestagswahl anführen wird. Jost de Jager hat den vollen und den uneingeschränkten Rückhalt des Landesvorstandes für seine weitere politische Arbeit an der Spitze unserer Partei und für unser Land.“ Gilt das aber auch für den Kreisverband? Dessen Vorsitzender ist Johannes Callsen, der auch die CDU-Fraktion im Kieler Landtag führt. Callsen sagte, de Jager könne mit der Unterstützung des Kreisverbandes rechnen. Sollte das jedoch nicht gelingen, wäre nicht nur de Jager beschädigt, sondern Callsen gleich mit. Fraktionsvorsitzender wurde Callsen vor einem Jahr, als auch de Jager die Partei übernahm.

Im August 2011 musste der damalige Vorsitzende Christian von Boetticher sein Amt aufgeben, nachdem seine frühere Beziehung zu einem sechzehn Jahre alten Mädchen bekannt geworden war. Sein Amt aufgeben - das betraf nicht nur den Landes-, sondern auch den Fraktionsvorsitz, und es betraf vor allem die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Mai. De Jager, der unter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) zuerst Staatssekretär, dann Wirtschafts- und Wissenschaftsminister war, bekam als Parteivorsitzender die Spitzenkandidatur, war aber nicht über einen Wahlkreis abgesichert. Das rächte sich am Wahlabend, als die CDU zwar knapp abermals stärkste Kraft wurde, die künftige Fraktion jedoch nur aus Gewinnern von Direktmandaten bestand, de Jager also kein Landtagsmandat bekam. Niemand war bereit, ihm ein Mandat abzutreten, offenbar hat de Jager deswegen auch keinerlei Druck ausgeübt.

Er habe Angebote aus der Wirtschaft, hieß es. So gesehen war seine Bundestagskandidatur dann doch eine Überraschung, auch wenn sie politisch einleuchtet: De Jager will auch bei der nächsten Landtagswahl Spitzenkandidat sein, dann vielleicht mit mehr Erfolg. Er kann dabei nicht nur auf seine Nervenstärke setzen, sondern auch darauf, dass er nach all den Krisen der jüngsten Vergangenheit nicht so ohne weiteres zu ersetzen wäre. Die CDU Schleswig-Holstein trifft sich übernächste Woche zum sogenannten Kleinen Parteitag. Bis dahin dürften in Sachen Bundestagskandidatur den Worten Taten gefolgt sein. Die Gerüchte über de Jager bestimmten das Kieler Landeshaus ausgerechnet an dem Tag, als die Koalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) sich für ihre ersten drei Monate öffentlich feiern wollte - und stahl Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Schau.

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Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.

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