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Schavans Karriere : Die Weiterentwicklung der Annette S.

Bild: Greser & Lenz

Ihr Ehrgeiz war legendär. „Annette Makellos“ forderte als Landespolitikerin Gesetze, die sie als Bundesministerin in Berlin bekämpfte. Die Bologna-Reform verteidigte sie hartnäckig bis zur Realitätsverweigerung. Große Debatten hat sie nicht angestoßen.

          Die letzten Monate ihrer langen Amtszeit dürften für Annette Schavan die quälendsten gewesen sein. Äußerlich hat sie die Ruhe bewahrt und entschlossen in die Kameras gelächelt - wurde dabei aber immer blasser und grauer. Die Aberkennung ihres Doktorgrades aufgrund systematischer und vorsätzlicher Täuschung ist die größtmögliche Demütigung für Schavan, die ihr Leben der Bildungspolitik gewidmet hat. Nach zehn Jahren als Kultusministerin in Baden-Württemberg war sie so lange Bundesbildungsministerin wie keiner ihrer Vorgänger. Sieben Jahre lang verantwortete sie die Bildungspolitik des Bundes und erreichte trotz Finanzkrise und Sparrunden eine Erhöhung des Forschungsetats auf 13,8 Milliarden Euro im Jahr 2012, das sind 40 Prozent mehr als noch 2005. Noch nie stand der Forschung in Deutschland so viel Geld zur Verfügung. Auch deshalb war sie eher Forschungs- als Bildungsministerin. Während viel Geld in herausragende Forschungsprojekte floss, änderte sich nicht daran, dass Universitäten unterfinanziert sind und wegen der schwachbrüstigen Grundfinanzierung nicht mehr wissen, wie es nach dem Auslaufen der Hochschul- und Solidarpakte weitergehen soll.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Doch selbst wenn Schavan gewollt hätte, sie hätte daran nichts ändern können. Als Kultusministerin in Baden-Württemberg hat sie selbst dafür gekämpft, dass die Bildungshoheit der Länder erhalten bleibt, und das Kooperationsverbot herbeigeführt. Ihre Amtsvorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD) konnte sich der giftigen Pfeile der Kultusministerin aus Baden-Württemberg gewiss sein, wenn sie das Wort „Ganztagsschule“ nur in den Mund nahm. Die vom Bund 2003 angebotenen Milliarden für Ganztagsschulen verspottete Frau Schavan damals als „Suppenküchenprogramm“. Nach ihrem Seitenwechsel in das Bundeskabinett sah sie sich selbst mit der Forderung der Länder nach mehr Bundesgeld für Ganztagsschulen konfrontiert.

          Vorreiterrolle mit überstürzten Reformen

          Der unbändige Ehrgeiz der „Annette Makellos“, wie sie im Südwesten genannt wurde, ist legendär. Ob es der Umbau der Oberstufe, die flexible frühe Einschulung, das Fremdsprachenlernen von der ersten Klasse an, zwei Fremdsprachen in der fünften Klasse des Gymnasiums, die Einführung landeseigener Bildungsstandards oder das Turboabitur waren, Annette Schavan war geradezu besessen davon, die Vorreiterrolle Baden-Württembergs mit überstürzten Reformen zu festigen. Die Sympathien vieler Bürger - denen die rhetorisch nicht Verlegene aus dem Rheinland ohnehin nicht ganz geheuer war - hatte sie sich spätestens am Ende ihrer zweiten Amtsperiode verscherzt. Auch den Unmut vieler Lehrer, deren Schulen sich durch die Reformen in einem Zustand permanenter Überforderung befanden, zog die Ministerin auf sich.

          Inzwischen haben sich  manche ihrer Reformen als Fehlentscheidungen erwiesen, andere als vorausschauend. Das frühe Fremdsprachenlernen etwa scheitert vielerorts an mangelhaft fort- und ausgebildeten Grundschullehrern. Bildungsforscher halten es für vergeudete Zeit und Kraft, die im Deutschunterricht besser investiert wären. Auch die verfrühte Einschulung ist bei Eltern nicht mehr populär. Den Rat des Münchner Begabungsforschers Klaus Heller, das achtjährige Gymnasium nicht flächendeckend einzuführen, weil es durchschnittlich begabte Kinder überfordert, schlug Annette Schavan in den Wind und begründete die Einführung des achtjährigen Gymnasiums mit einem Satz, der heutigen G8-Eltern die Zornesröte ins Gesicht treiben dürfte: „Acht Schuljahre im Gymnasium bedeuten nicht Qualitätsverlust, sondern einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Lebenszeit junger Menschen“. Es werde nicht über ein Schuljahr weniger gesprochen, sondern über die „Weiterentwicklung des Gymnasiums“, sagte Schavan im Jahre 2001.

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