Home
http://www.faz.net/-gpg-76ccq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Schavans Doktorgrad aberkannt Die Erklärung der Universität Düsseldorf im Wortlaut

Der Vorsitzende des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Bruno Bleckmann, hat zum Entzug des Doktorgrades von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) eine Presseerklärung abgegeben. FAZ.NET dokumentiert die wesentlichen Passagen.

Universität Düsseldorf erkennt Annette Schavan Doktorgrad ab Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters, Reuters Vergrößern Plagiatsvorwürfe: Universität Düsseldorf erkennt Annette Schavan Doktorgrad ab

„Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat heute die Entscheidung getroffen, die schriftliche Promotionsleistung von Frau Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen. (...)

Der Fakultätsrat lehnt es ab, für diese spezielle Dissertation ein Plagiatsverständnis anzuwenden, das von der allgemeinen, auch Anfang der achtziger Jahre gültigen Meinung abweicht. Dies schien ihm auch vor dem Hintergrund einschlägiger Erfahrungen aus dem alltäglichen akademischen Prüfungsbetrieb nicht verantwortet werden zu können.

Der Fakultätsrat hat sich nach dieser grundsätzlichen Klärung in seinen Beratungen nach gründlicher Prüfung und Diskussion abschließend die Bewertung des Promotionsausschusses zu eigen gemacht, dass in der Dissertation von Frau Schavan in bedeutendem Umfang nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte zu finden sind. Die Häufung und Konstruktion dieser wörtlichen Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis ergeben der Überzeugung des Fakultätsrats nach das Gesamtbild, dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte.

Die Entgegnungen von Frau Schavan konnten dieses Bild nicht entkräften. Daher hat der Fakultätsrat Tatbestand einer vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat festgestellt. Diese Entscheidung wurde mit 13 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen gefällt. Anschließend hat der Fakultätsrat alle Argumente gründlich gewürdigt, die zugunsten der Betroffenen anzuführen sind.

Insbesondere gehören hierzu der lange Zeitabstand, der seit der Anfertigung der Arbeit verstrichen ist, sowie der Umstand, dass die Betroffene neben ihrer Promotion über keinen anderen Studienabschluss verfügt.

Auf der Gegenseite waren dagegen insbesondere festzuhalten, die Qualität sowie der Umfang der festgestellten Plagiatsstellen und das öffentliche Interesse am Schutz der Redlichkeit wissenschaftlichen Qualifikationserwerbs. Unter pflichtgemäßer Ausübung seines durch Promotionsordnung eingeräumten Ermessens hat der Fakultätsrat mit zwölf Ja-Stimmen zu zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung in geheimer Abstimmung abschließend entschieden, die schriftliche Promotionsleistung von Frau Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen.“

Mehr zum Thema

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Düsseldorfer Islamistenprozess Ein Richter für extreme Fälle

Frank Schreiber führt den Prozess gegen die mutmaßlichen Bombenleger vom Bonner Hauptbahnhof. Dass er somit zum Gesicht des Rechtsstaates geworden ist, war kaum abzusehen. Mehr

20.09.2014, 19:22 Uhr | Politik
Richterin verwirft Mordvorwurf

Im Prozess gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius hat die Richterin Thokozile Masipa einen vorsätzlichen Mord ausgeschlossen. Mehr

11.09.2014, 14:35 Uhr | Gesellschaft
Mordserie in Kanzleien Lebenslange Strafe nach Rachefeldzug an Anwälten

Yanging T. fühlte sich von seinen Anwälten schlecht beraten und startete deshalb einen grausamen Rachefeldzug. Am Ende gab es drei Tote. Ein Gericht verurteilte ihn nun zu lebenslanger Haft. Mehr

23.09.2014, 13:30 Uhr | Gesellschaft
Weißer Polizist schießt auf unbewaffneten Schwarzen

Eine nun veröffentlichte Videoaufnahme zeigt einen weiteren Zwischenfall zwischen einem weißen Polizisten und einem unbewaffneten Schwarzen in Amerika. Der 31 Jahre alte Polizist wurde inzwischen aus dem Dienst entlassen und wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung angeklagt. Mehr

26.09.2014, 12:49 Uhr | Aktuell
Law Clinics Jurastudenten machen sich nützlich

Jahrzehntelang war es verboten, doch jetzt dürfen Studenten juristische Beratung leisten. Das krempelt das Jurastudium um. Und kommt armen Menschen zugute. Mehr

17.09.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 14:22 Uhr