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Schavans Doktorarbeit : Unwissenschaftlich

Im Blick des Betrachters: Schwere Zeiten für Bildungsministerin Annette Schavan Bild: dapd

Wie vielen müsste der Doktorgrad ebenfalls aberkannt werden, wenn ihre Dissertation überprüft würde? Darin liegt die Ungerechtigkeit der Plagiatsprüfung in den Dissertationen von Politikern.

          Überraschend kam die Entscheidung des Fakultätsrats der Universität Düsseldorf nicht, die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen. Das entscheidende Gremium der Universität hat den Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat bestätigt, der im Gutachten des Promotionsausschusses erhoben wurde.

          Dass die Arbeit vor 33 Jahren eingereicht wurde und die Ministerin neben ihrer Promotion über keinen anderen Studienabschluss verfügt, hat der Fakultätsrat wohl berücksichtigt. Doch die Verstöße gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis erschienen ihm gewichtiger. Es ging der Universität Düsseldorf um das öffentliche Interesse am „Schutz der Redlichkeit wissenschaftlichen Qualifikationserwerbs“, also um die Wahrung der wissenschaftlichen Grundregeln des Erkenntniserwerbs. Dass sie in Frau Schavans Dissertation verletzt wurden, ist unzweifelhaft.

          Die Universität hat sich mit dem Notwendigen begnügt

          Die Ermessensspielräume der Universität waren daher gering. Es ging ihr in erster Linie um ihren eigenen Ruf - und der ist ohnehin schon angeschlagen. Die Universität hat wenig dafür getan, die Glaubwürdigkeit ihrer Entscheidung zu stützen, sondern sich mit dem aus verwaltungsrechtlicher Sicht Notwendigen begnügt. Weder hat die Universität ein weiteres Fachgutachten eingeholt, noch den Doktorvater angehört. Nicht zu verstehen ist auch, weshalb sie gut zehn Monate für eine Entscheidung gebraucht hat, die andere Universitäten in vergleichbaren Fällen mindestens so begründet binnen drei Monaten zu treffen vermochten.

          Frau Schavan wird vor dem Verwaltungsgericht klagen. Der Rechtsweg steht ihr zu, aber er schützt sie nicht vor der Frage, ob sie ihr Ministeramt behalten kann. Eine Bundesbildungsministerin, die in ihrer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit die Grundregeln wissenschaftlicher Erkenntnisdarstellung missachtet hat, steht unter ständigem Rechtfertigungsdruck. Die Frage ist nur, wie vielen anderen auch der Doktorgrad aberkannt werden müsste, wenn ihre Dissertation überprüft würde. Darin liegt die Ungerechtigkeit der Plagiatsprüfung in den Dissertationen von Politikern. Die Kanzlerin wird über kurz oder lang ausgerechnet im Wahljahr ihr Kabinett umbilden müssen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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