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Schavans Dissertation Schlacht um Doktorgrad

Am 22. Januar entscheidet der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf, ob ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels gegen Bildungsministerin Schavan eröffnet wird. Dafür könnte noch ein externes Gutachten eingeholt werden.

© dapd Person und Gewissen: Bundesbildungsministerin Annette Schavan

Kurz vor Weihnachten war in das Plagiatsverfahren der Universität Düsseldorf gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) Bewegung gekommen. Denn alle sieben Mitglieder des Promotionsausschusses der Philosophischen Fakultät hatten der Empfehlung an den Fakultätsrat zugestimmt, das Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades zu eröffnen. Einige davon gehören auch dem Fakultätsrat an. Dieser muss in seiner Sitzung am 22. Januar unter Vorsitz des Althistorikers Bruno Bleckmann darüber entscheiden, ob er der Empfehlung des Promotionsausschusses folgt. Damit wäre das Verfahren zur Aberkennung offiziell eröffnet. Der Fakultätsrat könnte aber auch zu dem Schluss kommen, noch ein externes Gutachten über die Dissertation der Ministerin einzuholen, die sie 1980 an der Universität Düsseldorf eingereicht hatte.

Heike Schmoll Folgen:

Offenkundig hat der Promotionsausschuss seiner Empfehlung nur das Gutachten des Düsseldorfer Judaisten Stefan Rohrbacher, des Vorsitzenden des Promotionsausschusses, zugrunde gelegt, das auf 75 Seiten unsaubere Zitate und fehlende Quellen nachweist und Frau Schavan vor allem eine „leitende Täuschungsabsicht“ vorwirft, die unausweichlich zum Entzug des Doktorgrades führt. Dieses Gutachten war durch eine Indiskretion im Oktober bekannt geworden und hatte die Kritik von Vertretern der Wissenschaft provoziert. Frau Schavan hatte mit einem von ihr eingeholten Gegengutachten und einer 15 Seiten umfassenden Stellungnahme auf die Vorwürfe reagiert.

„Fakultätsrecht gilt ohne Ansehen der Person“

Ein weiteres Gutachten wurde wohl nicht eingeholt, obwohl der Rektor der Universität, der Mediziner Michael Piper diese Möglichkeit gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ im Oktober ausdrücklich erwogen hatte. Piper sagte darin, es handele sich „bei dem Bericht der Kommission nicht um ein Gutachten, sondern um die Zusammenstellung der Fakten in einem sehr frühen Stadium“. Im weiteren Verfahren könnten „jederzeit weitere Expertisen und Gutachten eingeholt werden“. Schon damals hatte Pipers Stellungnahme zu Verwunderung unter denjenigen geführt, die wertende Passagen des Gutachtens kennen, die weit über eine Faktensammlung hinausreichen. Es wurden Vermutungen angestellt, ob aus Pipers Stellungnahme zu schließen sei, dass die Ermittlungen des Promotionsausschusses nach Monaten noch nicht über das frühe Stadium des Faktensammelns hinausgelangt seien.

Die Kritik an der Universität Düsseldorf durch führende Wissenschaftsorganisationen und Wissenschaftsvertreter - von denen nur die allerwenigsten die Dissertation „Person und Gewissen“ tatsächlich gelesen und mit den Quellen verglichen haben - scheint unterdessen zu einer Solidarisierung des Promotionsausschusses mit seinem Vorsitzenden in Düsseldorf geführt zu haben.

Blick gilt der damaligen Doktorandin

Der Rektor versucht weiter, den beschädigten Ruf seiner Universität zu retten und verteidigte das Verfahren auch noch in der Weihnachtswoche gegen den Verdacht, es gebe eine Vorverurteilung oder eine besonders schonende Behandlung der Ministerin. Die Ministerin habe „ein Recht auf ein ordentliches Verfahren, und die Philosophische Fakultät stellt genau dies sicher“, sagte Piper. Es gehe um die Frage, wie die junge Doktorandin vor 33 Jahren ihre Arbeit geschrieben habe, also „um die damalige Doktorandin, nicht die heutige Ministerin“. Für die Fakultät sei es „unausweichlich“, weiter zu prüfen. „Das Recht, auch Fakultätsrecht, gilt ohne Ansehen der Person. Alles andere wäre inakzeptabel.“ Zu den Details äußerte sich der Rektor nicht, auch die Ministerin schwieg weiter zu den Vorwürfen, bekräftigte allerdings, auch nach der Bundestagswahl in diesem Jahr Wissenschaftsministerin bleiben zu wollen.

Der Fakultätsrat wird den Promotionsausschuss und seinen Vorsitzenden kaum im Stich lassen wollen. Allerdings wird sich aufgrund der Äußerungen des Rektors die Frage stellen, auf welcher Grundlage weitere Entscheidungen fallen. Wenn Rohrbachers Stellungnahme tatsächlich nur als „Faktensammlung“ gilt, wird der Fakultätsrat wohl ein Gutachten in Auftrag geben. Im Fall Guttenberg hatte die Universität Bayreuth nicht auf externe Blicke verzichtet und den heutigen Ombudsman für die Wissenschaft, den Bonner Wissenschaftsrechtler Wolfgang Löwer, gleich zu ihren Beratungen über Guttenbergs Dissertation hinzugezogen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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