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Böhmermann und Co. : Pubertär statt politisch

  • -Aktualisiert am

Inszenierung des Guten: Im Schwarz-Weiß-Bild der deutschen Satire sind die Rollen klar verteilt. Bild: dpa

Heute-Show, extra3, Neo-Royale: Immer mehr Menschen verstehen Politik nur noch als das, was Satire-Shows davon zeigen. Aber was passiert, wenn diese Vermittlung nicht mehr hintergründig ist?

          Politische Satire soll den Blick schärfen, nicht trüben. Ob das gelingt, hängt von zwei Dingen ab: von der Satire und vom Blick. Es gibt Leute, die nur sich selbst sehen wollen; ihnen nützt es, wenn alles andere trüb erscheint. Ihr Blick auf Politiker ist voller Hohn; und sie triumphieren, wenn Satire sich geschlagen gibt, indem sie mithöhnt. Das ist das Problem, das Deutschland dieser Tage mit politischer Fernsehsatire hat.

          Mehrere satirische Sendungen haben Beiträge über den türkischen Präsidenten Erdogan produziert; dazu später. Bedeutung hat es, weil politische Satire im Fernsehen für viele Leute in Deutschland nicht mehr nur Ergänzung, sondern Grundlage ihrer Beschäftigung mit Politik ist. In Amerika beobachten Wissenschaftler schon seit einigen Jahren, dass satirische Shows für manche Bürger die einzige politische Informationsquelle sind. Vor allem für die jungen.

          Einige Politiker haben daraus Konsequenzen gezogen, etwa der Präsident: Barack Obama war mehrfach zu Gast in der Politsatire „The Daily Show“. Auch empfing er den Komiker Jerry Seinfeld im Weißen Haus; der drehte mit ihm eine Folge seiner Web-Serie „Comedians In Cars Getting Coffee“. Die größten Zeitungen des Landes berichteten darüber; die Amerikaner waren jedes Mal begeistert. Und Obama bekam, was er wollte: Aufmerksamkeit von denen, die er sonst nicht mehr erreichen würde.

          Auch in Deutschland gibt es diese Tendenz. Alles, was auf -show endet, trendet. Talkshows sind ein Beispiel dafür; ein weiteres ist die „heute-show“, eine Nachrichten-Satire. Sie ging 2009 im ZDF auf Sendung; zunächst bloß mitten in der Woche um elf Uhr abends. Heute bringt der Sender sie freitags um halb elf. Die Zuschauerzahl hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt; inzwischen schalten jedes Mal dreieinhalb Millionen Deutsche ein. In der ZDF-Mediathek im Internet ist die „heute-show“ das beliebteste regelmäßige Format. Es gibt, im ZDF und bei der Konkurrenz, noch eine ganze Reihe anderer Shows, sie heißen etwa „Die Anstalt“, „Neo Magazin Royale“ und „extra 3“. Man kann darüber streiten, ob die Witze in diesen Shows gut oder schlecht sind; für ihre Existenzberechtigung ist das egal. Satire darf so gut oder schlecht sein, wie sie will, solange sie Satire bleibt; ob das der Fall ist, klärt notfalls das Gesetz. Interessant ist, was für ein Bild von Politik Menschen bekommen, die keinen anderen Zugang mehr zu Politik haben wollen als diese Shows und das, was auf deren Kanälen im Internet an Sprüchen und Bildern dazukommt.

          Forderte mit seiner Satire nicht nur den türkischen Präsidenten Erdogan heraus, sondern auch Bundeskanzlerin Merkel: Wie geht sie mit der Affäre um, wie definiert sie die Grenze von Satire und Meinungsfreiheit?

          Ein Format wie „The Daily Show“ gibt es in Deutschland nicht; dass Kanzlerin Merkel im deutschen Fernsehen in einer Satire-Sendung auftritt, erscheint undenkbar. Nicht, weil sie keinen Humor hätte, sondern weil ihr Humor zu fein ist für die Sendungen, die zur Auswahl stehen. In die „heute-show“ wagen sich gelegentlich Politiker mit Show-Neigung, etwa Wolfgang Bosbach, Wolfgang Kubicki und Gregor Gysi. Sie präsentieren sich unterhaltsam; über ihre Eignung zum Politiker sagt das nichts. Politiker, die sich selbst für spröde halten oder sich bloß nicht derart beim Zuschauer ankumpeln wollen, gehen gar nicht erst in solche Sendungen. Vielleicht bleiben sie stattdessen zwei Stunden länger im Büro und arbeiten an einem Gesetzentwurf. Ein Zuschauer, der nur sieht, was lustig und laut ist, weiß gar nicht, dass es sie gibt. Oder er weiß es und argwöhnt, sie versteckten sich.

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