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Salafisten in Deutschland : Hammerfett wird es erst im Paradies

  • -Aktualisiert am

Von Sicherheitsbehörden beobachtet: Islamisten auf dem Potsdamer Platz in Berlin Bild: dpa

Sie verteilen den Koran und sind offen für alle, die sich spirituell verarmt fühlen. Verfassungsschützer schätzen, dass etwa 3800 Salafisten hierzulande leben. Wer sich auf sie einlässt, reist vielleicht irgendwann nach Pakistan.

          Vor knapp vier Jahren schrieb ein Teenager aus einem beschaulichen Dorf tief in der Provinz, er habe im Traum den Krieg zwischen Gläubigen, also den Muslimen, und Ungläubigen, also Christen und Juden, erlebt. Er selbst habe nur zugeschaut. Dann sei neben ihm ein Muslim erschossen worden.

          Als der Angreifer auch ihn erschießen wollte, habe er das islamische Glaubensbekenntnis gesprochen, was er eigentlich noch gar nicht auswendig gekannt habe. Mit dem Islam habe er sich schon länger beschäftigt, schrieb der Junge. Der Traum habe ihn überzeugt, so schnell wie möglich zu konvertieren.

          Im Netz fragte er, ob ihm jemand Tipps geben könne, er wollte lernen, wie man die religiösen Formeln verwendet. Er bekam Zuspruch, wurde ermutigt. Er schrieb, dass er vorher noch nie so richtig gläubig gewesen sei und hoffe, dass Gott ihm das vergeben möge. Er fand sich viel reifer im Kopf als die anderen in seinem Alter. Er sagte es seiner Mutter und tauschte seinen deutschen Namen gegen einen arabischen Namen. Es dauerte nicht einmal ein Jahr, da tauchte er in einem anderen Internetforum auf. Er wollte nach Pakistan und eine Koranschule besuchen. Er halte es nicht mehr aus in Deutschland, schrieb er in unbeholfenem Englisch.

          „Mutter bleibe standhaft. Dein Sohn ist im Dschihad“

          Fälle wie dieser sind der Grund, aus welchem Islamismusfachleute in den Sicherheitsbehörden das Treiben der Salafisten in Deutschland schon seit vielen Jahren mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Sie weisen immer wieder darauf hin, der Weg zum Terrorismus führe über den Salafismus, der den ideologischen Nährboden für Radikalisierung und letztlich islamistischen Terrorismus lege. Auch Arid U., der im vergangenen Jahr zwei amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen erschoss, hatte sich über das Internet radikalisiert. Er hatte Kontakt zu deutschen Salafisten, berauschte sich an ihrer Propaganda, hörte Hymnen in denen es etwa heißt: „Die Umma (Gemeinschaft der Muslime) ist geblendet, doch ich wurde geehrt. Mutter, bleibe standhaft, Dein Sohn ist im Dschihad.“

          Ibrahim Abu-Nagie Bilderstrecke

          Die Salafisten predigen einen archaisch anmutenden Islam. Sie berufen sich auf die ehrenhaften Altvordern, die Gefährten des Propheten Mohammed (as Salaf as Salih) und die ersten beiden Generationen seiner Anhänger. Ihre Hosen dürfen daher nicht die Knöchel bedecken, sie benutzen keine Zahnbürsten, sondern trockene Zweige des Miswak-Baumes. Doch solche Manierismen allein wären harmlos. Die Probleme sind der missionarische Eifer und die rückwärtsgewandten, holzschnittartigen Lehren der Salafisten. Nach ihrer Auffassung sollen auch in diesen Tagen die Regeln einer Wüstengesellschaft auf der arabischen Halbinsel des 7. Jahrhunderts gelten. Sie wollen einen Scharia-Staat, in dem jede „Neuerung“ verworfen wird, die in Jahrhunderten islamischer Geschichte hervorgebracht wurde. Vielfalt als islamische Tugend ist ihnen fremd. Es gibt nur eine Wahrheit, ihre Lehre, die den Islam zu alter Stärke zurückführen könne.

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