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Salafismus Die Krieger aus dem Ruhrgebiet

Zwei Jungs aus Bochum gehen gemeinsam zur Schule, in Vereine und in dieselbe Moschee. Sie kommen in Kontakt mit Salafisten. Einige Zeit später ist der eine tot, gestorben im „Heiligen Krieg“. Der andere steht vor Gericht, weil er einen Bombenanschlag in Deutschland vorbereitet haben soll. Die Geschichte einer Radikalisierung.

© dpa Hinter Panzerglas: Die Angeklagten Amid C., Jamil S. und Abdeladim El-K. (von links) im Gespräch mit den Verteidigern im Gerichtssaal

In dem Internetvideo sieht Said Ballout sehr glücklich aus. Er ist mal beim Wandern zu sehen und auch beim Beten mit Kameraden. „Glückwunsch zur Schahada eines Muhadschirs aus Deutschland“, sagt der Sprecher. Es ist der Glückwunsch zum Selbstmordanschlag eines aus Deutschland Ausgewanderten. Der Sprecher Yassin Chouka ist in Bonn aufgewachsen. Er preist den Selbstmord von Said Ballout, den er Farouk al Almani nennt. Farouk den Deutschen.

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Ballout ist in Bochum aufgewachsen. Im Juli 2010 verübte er mit drei Kampfgenossen einen Anschlag in Kundus. Mit Bomben und Gewehren stürmten sie mehrere Büros einer amerikanischen Hilfsorganisation. Sie töteten fünf Personen, darunter ein ehemaliger deutscher Soldat. 22 Menschen wurden verletzt. Auch alle Attentäter starben bei dem Anschlag. Von Ballout hatten die deutschen Sicherheitsbehörden bis dahin noch nie gehört.

Erst lange nach seinem Tod begannen die Behörden zu ermitteln. Es fiel ihnen auf, dass er angeblich eng befreundet gewesen sein soll mit einem mutmaßlichen Terroristen in Deutschland: Amid C., einem jungen Mann aus Ballouts Nachbarschaft in Bochum. C. wurde im April 2011 zusammen mit anderen Mitgliedern der „Düsseldorfer Zelle“ verhaftet. Sie sollen im Auftrag von Al Qaida versucht haben, einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorzubereiten. Momentan läuft das Gerichtsverfahren gegen sie. Der Ausgang ist offen.

Streben nach einem Scharia-Staat

Sowohl Ballout als auch die vier Angeklagten hatten Kontakt zur salafistischen Szene. Salafisten predigen einen archaisch anmutenden Islam. Sie ahmen den Propheten Mohammed in Lebensstil und Kleidung nach und streben nach einem Scharia-Staat. Ihnen wird vorgeworfen, ideologischen Nährboden für Radikalisierung und letztlich islamistischen Terrorismus zu bieten. Die Männer, die in der vergangenen Woche am Bonner Hauptbahnhof angeblich versucht haben, eine Bombe zu zünden, sollen auch Teil der Szene sein. Doch was für ein Weg führt aus Wohnungen und Schulen deutscher Städte in den Terror?

22584411 © Archiv Vergrößern Foto aus einem Video: Chouka preist Ballout

Im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf sitzen die vier Angeklagten der Düsseldorfer Zelle hinter Panzerglas. Halil S., 28 Jahre alt, in Gelsenkirchen geboren, Studium in Bochum, deutsche Staatsbürgerschaft; Amid C. mit 21 Jahren der jüngste der Angeklagten, in Bochum geboren und aufgewachsen, deutsch-iranische Staatsbürgerschaft; Jamil S., 32 Jahre alt, im Rheinland geboren und aufgewachsen, Deutschmarokkaner; Abdeladim El-K., 31 Jahre alt, in Marokko geboren, Studium in Bochum, marokkanische Staatsbürgerschaft. Der Prozess läuft seit Ende Juli, 35 Sitzungen sind bis Ende März angesetzt. Die Angeklagten sehen müde aus. Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Bei ihrer Verhaftung fand man im Badezimmer Utensilien, mit denen sich angeblich auch Bomben bauen lassen. Aus Grillanzündern hätten sie versucht, die Zünder zu extrahieren, heißt es. Aber die Bombe hätte nicht explodieren können. „Das war ein rein technisches Scheitern“, sagt ein Beobachter. Es sei nicht leicht, so einen Sprengsatz zu bauen. Vermutlich hätten sie es irgendwann hinbekommen. Bisher schweigen die Angeklagten zu den Vorwürfen.

Vor Gericht geht es an diesem Tag um die Einbindung der Zelle in die Strukturen von Al Qaida. Ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) erläutert als Zeuge die „Kommunikationsstränge“ der Angeklagten. Das BKA scheint alle erdenklichen Daten zu besitzen: Banküberweisungen, den Kilometerstand gemieteter Fahrzeuge, Chat-Protokolle aus Callshops, Inhalte von Laptops und Logdaten der Handynutzung. Ein leichtes Spiel für die Beamten.

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