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Linke Sammlungsbewegung : Ein bisschen retro

Sahra Wagenknecht versucht bei der Abschlusswahlkampfveranstaltung im September 2017 in Berlin ihre Zuhörer zu überzeugen. Bild: Stefan Boness/Ipon

Sahra Wagenknecht hat die linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ vorgestellt. Doch prominente Unterstützer fehlen noch. Und Kritiker vermuten, dass jemand anderes das Projekt antreibt.

          In den achtziger Jahren machte eine niederländische Rockgruppe im Rahmen der Friedensbewegung auch in Deutschland von sich reden. Einer der Hits der Gruppe „Bots“ war ein Lied, das sich „an alle“ richtete. Genau er gesagt an alle, die nicht gerne Instant-Brühe trinken und die nicht schon im Hirn nach Deo-Spray stinken. So lauteten die ersten Zeilen des Liedes. Es wandte sich zudem an alle, für die Geldverdienen nicht das ganze Leben ist und an alle Lohnempfänger, die den Bund nicht länger enger schnallen wollten, so weitere Zeilen des Textes, zwischen denen auch Worte wie „Revolution“ und „Morgenrot“ auftauchten. Letztlich wandten sich die auf Deutsch singenden Niederländer an „alle Menschen, die ein besseres Leben wünschen“. Sie sollten, so der Titel des Liedes: Aufstehen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Ob der Gedanke an die friedensbewegte Zeit vor bald vierzig Jahren für Sahra Wagenknecht und ihren damals friedenspolitisch engagierten Ehemann Oskar Lafontaine eine Rolle spielte? Jedenfalls wird die linke Sammlungsbewegung, die Wagenknecht am 4. September aus der Taufe heben will, ebenfalls „Aufstehen“ heißen. Der ursprünglich einmal erwogene Name „Fairland“ klang möglicherweise doch zu globalisierungsfreundlich, um nicht zu sagen neoliberal.

          Unprätentiös und ansprechend

          Nach Wochen der Geheimnistuerei hat Wagenknecht nun die Sommerzeit genutzt und ist einen Monat vor dem Start des Projekts in die Offensive gegangen. Eine Internetseite wurde freigeschaltet, auf der sich anderthalb Dutzend Bürger in Videos kritisch über diese oder jene Zustände in der Deutschland äußern. Die Bürger reichen von der Gewerkschaftsfrau Susi Neumann, die einst mit Sigmar Gabriel auf offener Bühne stritt, über den Pastor, der sich dagegen wendet, dass immer mehr „gegen den Islam“ emotionalisiert wird, bis hin zum Bürgermeister eines Dorfes, der beklagt, dass die jungen Leute keine Lust mehr auf die Kommunalpolitik haben. Das alles ist unprätentiös und ansprechend gemacht. Sahra Wagenknecht, der vorgeworfen wurde, ein Ego-Projekt zu starten, kommt auf der Seite noch gar nicht vor.

          Allerdings hat sie sich nun ganz im Sinne der „An alle“-Rhetorik zum Projekt geäußert. Es gehe gar nicht um eine linke Volkspartei, die sie und Lafontaine zunächst gefordert hatten, sondern um „ein Angebot für alle, die mit der herrschenden Politik unzufrieden sind und sich eine Erneuerung des Sozialstaats und eine friedliche Außenpolitik wünschen“. Natürlich wolle sie auch andere politische Mehrheiten erreichen. Mit wem sie diese hinbekommen will, bleibt allerdings unklar. Jedenfalls nicht mit den gegenwärtigen Sozialdemokraten und Grünen. Solange SPD und Grünen gar nichts wesentlich anders machen wollten als Angela Merkel, werde Rot-Rot-Grün „keine Mehrheit haben“. Schon vor Monaten hatte Wagenknecht, die sich selbst nie besonders für ein rot-rot-grünes Bündnis engagiert hatte, öffentlich gesagt, dass sie diese Regierungsoption als mausetot betrachte.

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