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Saarland So populär wie Lafontaine: Peter Müller

31.08.2004 ·  Der CDU-Ministerpräsident Peter Müller hat in der Einschätzung durch die Saarländer die Stellung eingenommen, die bis Ende der neunziger Jahre der frühere Ministerpräsident Oskar Lafontaine behauptet hatte. 70 Prozent sind mit ihm zufrieden.

Von Eckhart Kauntz
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Wenn der Saarländer nicht mehr weiterweiß, sagt er: "Ei, joh." Dann verfällt er in Schweigen, um nachzudenken. Peter Müller, ein Eppelborner und deshalb eigentlich auch ein Hiesiger, ist anders.

Der christlich-demokratische Ministerpräsident in Saarbrücken, der vor vierzehn Jahren vom Richteramt in die Politik wechselte, schweigt nur selten. Auf dem nur schütter beschickten Wochenmarkt der Kreisstadt Merzig wartet außer einem Häuflein örtlicher CDU-Granden kaum jemand auf ihn, und es ist doch Wahlkampf. Müller läßt es sich nicht verdrießen. "Ach, was für ein Bahnhof. Ist das für mich?" fragt Müller mit Ironie und einem lauten Lachen in die Leere hinein. Wer ihm zu dieser morgendlichen Stunde dennoch begegnet, kann sich auf ein weithin schallendes "Guten Morgen, Hallo!" und auf einen festen Händedruck gefaßt machen. Peter Müller geht auf jeden zu, der sich ihm nähert. "Persönliche Ansprache" nennt sich das - und die beherrscht der bald 49 Jahre alte Peter Müller.

Müller hat im Saarland die frühere Popularität Lafontaines erreicht

Er kommt an. "Sie sehen in Wirklichkeit anders aus als im Fernsehen", stellt eine ältere Merziger Dame fest. "Besser oder schlechter", fragt der so Gelobte. "Besser." "Das müssen Sie mir schriftlich geben." Die Stimmung ist gelöst und heiter. Müller schreitet voran, hat schon den nächsten Wochenmarktbesucher erspäht und bestätigt mit seiner ungebrochenen Freude am Small talk in seiner saarländischen Variante den Befund, den ein später an diesem Tag veröffentlichtes Umfrageergebnis des Saarländischen Rundfunks bestätigt. Bei einer Direktwahl würden derzeit 62 Prozent der Saarländer für Peter Müllers Verbleib in der Saarbrücker Staatskanzlei votieren. Der Herausforderer von der SPD. Heiko Maas, käme nur auf 27 Prozent. Zufrieden mit Müller zeigen sich gar siebzig Prozent der Befragten. Der CDU-Politiker hat in der Einschätzung durch die Saarländer die Stellung eingenommen, die bis Ende der neunziger Jahre der vormalige Ministerpräsident Oskar Lafontaine behauptet hatte. Der kommt nur noch auf die Hälfte der siebzig Prozent von Müller und rangiert noch hinter dem Oppositionsführer Heiko Maas.

Der als Nothelfer einer desorientierten CDU einst vom damaligen Kanzler Kohl an die Saar entsandte und dort als Landespolitiker gescheiterte Klaus Töpfer hatte den Menschen im kleinsten deutschen Flächenland seinerzeit ein "gouvernementales Denken" bescheinigt. Übersetzt bedeutet dies den Hang, einer einmal mit einer Amtsautorität ausgestatteten Person eine gehörige Menge Kredit zu geben. Beim Verkaufsstand von Familie Hammes aus Perl-Oberleuken, wo Müller zu seiner Freude auf einen aus Mespilus germanica gebrannten und wegen des Beharrens des Blütenstandes an der Mispelfrucht und ihrer dadurch bedingten visuellen Ähnlichkeit mit einem bestimmten tierischen Hinterteil als "Hundsärrsch" bekannten Schnaps stößt, ist die Bestätigung dieser Denkweise zu vernehmen. "Unser Chef kommt", so hatte es dort über den bevorstehenden hohen Besuch geheißen. In Merzig fliegen keine Steine, und die Eier am Stande der Familie Hammes bleiben, wo sie sind.

Eine absolute Mehrheit für die CDU?

Selbst für den Fall, daß nicht nur (höchstwahrscheinlich) die Grünen, sondern auch die FDP, die seit 1994 nicht mehr den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat, wieder in den Landtag einziehen, sagen die Demoskopen für die CDU wieder eine absolute Mehrheit voraus. "Im Moment sieht es nicht schlecht aus", sagt Müller. Aber die gute Aussicht vermittelt auch das Gefühl einer trügerischen Sicherheit. Der waren vor fünf Jahren die saarländischen Sozialdemokraten unter ihrem damaligen Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Klimmt zum Opfer gefallen. Der SPD fehlten gut sechstausend Stimmen zur Behauptung als stärkste Kraft. "Wir brauchen jede Stimme, um ein Spitzenergebnis für die CDU einzufahren", sagt Müller jetzt. "Das ist unser Ziel."

Das Gezerre um Hartz IV, an dem er sich durch seine Forderungen nach weiteren Verbesserungen beteiligt, spielt bei seinen Kontakten mit der Bevölkerung, so sagt der Wahlkämpfer, eher eine untergeordnete Rolle. Die Bürger im kleinen Saarland bedrückt anderes und sind schon deshalb davon beeindruckt, wie Müller seine Rolle als Sprachrohr der Saarländer im großen Deutschland einsetzt. Wo immer die Berliner Opposition sich festlegen will, ertönt die Stimme aus dem Saarland, nicht immer als Beitrag zur Harmonie. Das gefällt seinen Landsleuten. "Es gibt ein neues Selbstbewußtsein der Saarländer und das ist unser größter Erfolg", hatte Müller schon zur Halbzeit seiner Regierungszeit verkündet. Daß im nächsten Jahr, nach dem Auslaufen der Teilentschuldung, eine Finanzierungslücke von einer halben Milliarde im gut drei Milliarden Euro umfassenden Landeshaushalt droht, mag die Opposition thematisieren. "Alles klar?" fragt der Wahlkämpfer Müller, und er gibt auch gleich die Antwort: "Alles klar."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2004, Nr. 200 / Seite 4
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