10.03.2010 · Christa Müller hat in ihrer Funktion als familienpolitische Sprecherin der Linken vom „Hausfrauenethos“ geschwärmt. Damit ging sie auf Konfrontationskurs zur eigenen Bundespartei. Der Sprecherposten bleibt nun trotz Bewerbung Müllers vorerst unbesetzt.
Die Linkspartei im Saarland verzichtet vorerst darauf, Oskar Lafontaines Ehefrau Christa Müller wieder zu ihrer familienpolitischen Sprecherin zu berufen. Landesgeschäftsführer Thomas Lutze sagte der Zeitung „Tagesspiegel“, auf einer Klausur der Landespartei am Wochenende in Wallerfangen sei verabredet worden, dass Müller zunächst Mitte April dem Landesvorstand ihre Thesen zum Thema erläutern solle, bevor über die Besetzung des Amtes entschieden werde. Müller selbst habe sich beworben, die Sprecherposition abermals einzunehmen.
Die Saar-Linken vertreten in der Familienpolitik eine Außenseiterposition, seit Müller das Thema in ihre Regie genommen hat. Zuletzt veröffentlichte Müller vor der saarländischen Landtagswahl im September 2009 unter der Überschrift „Ja zu Kindern“ ein Konzept für eine bezahlte Erziehungsarbeit. In Interviews schwärmte sie vom „Hausfrauenethos“ früherer Zeiten, mit dem auch gesellschaftliche Anerkennung verbunden gewesen sei.
Müller ging so auf Konfrontationskurs nicht nur zur damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), sondern auch zur eigenen Bundespartei. Der Linke-Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi sagte, Müller habe „ein anderes Familienbild als meine Partei“. Formal ist die Position der familienpolitischen Sprecherin der Saar-Linken vakant, seit im November ein neuer Vorstand gewählt worden war. In Wallerfangen wurden nun die meisten Sprecherposten besetzt, die Zugehörigkeit zum Landesvorstand ist dafür nicht Bedingung. Landesgeschäftsführer Lutze versicherte, in der Saar-Linken vertrete Müller eine Mehrheitsmeinung. Dennoch sei die Klausur übereingekommen, mit der Genossin noch einmal „über aktuelle politische Fragen zu diskutieren“.