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Rüstungsgeschäfte Begehrter Leopard

 ·  Die neueste Ausführung des Leopard-Panzers ist für den Häuserkampf gemacht. Autokraten vor allem im Nahen Osten wollen Hunderte davon. Die Bundesregierung schweigt.

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© dapd Vergrößern Die Bundeswehr hat den „Leopard 2“ zwar mit entwickelt, aber kein Geld für seinen Kauf. Saudi-Arabien soll allerdings an weiteren 600 bis 800 Panzern interessiert sein.

Mit quietschenden Ketten rollt der Panzer um die Ecke. Hinter ihm, in den Häusern, sind Soldaten in Deckung. Vor ihm sind Barrikaden aus Autowracks, Stahlträgern und Schutt. Aufständische feuern mit Gewehren auf den Panzer. Sie wollen ihn anlocken. Er soll sich von den Soldaten entfernen: Dann ist er ein einzelnes, ein leichteres Ziel. In Misrata, Benghasi, Homs oder Aleppo, den Schlachtfeldern des urbanen Guerrillakampfes unserer Tage, hat das immer wieder funktioniert. Auch in den Straßen der irakischen Städte wurden Panzer gestoppt, durch eine Mine fahruntüchtig gebombt, ausgebrannt nach einem Angriff mit Molotow-cocktails, implodiert nach einem Treffer durch ein Panzerabwehrgeschoss in den Munitionsvorrat im Inneren.

Der Panzer, ein Koloss von knapp 70 Tonnen Gewicht, fährt auf die Barrikaden zu. Der Fahrer lässt den am Bug befestigten Räumschild herab, schiebt die Autowracks zur Seite. Die Aufständischen verschanzen sich in den Häusern entlang der Straße und visieren das Fahrzeug mit schultergestützten Panzerabwehrwaffen an. Wenn nur ein Geschoss in den Innenraum dringt, sind Panzer und Besatzung so gut wie erledigt. Doch Millisekunden bevor die Granaten auf die Stahlhülle treffen können, schießen ihnen aus dem Panzer Sprengstoffhülsen entgegen und explodieren. Ein „Hardkill“-System. Der Detonationsdruck der Sprengstoffhülsen wirft die Granaten aus der Bahn, sie fallen auf den Boden. Die Aufständischen greifen wieder an, diesmal von hinten. Sie postieren sich auf der Straße, im sicheren Gefühl, dass Panzerbesatzungen nur nach vorn sehen können. Eine Maschinengewehrgarbe tötet die Männer. Anschließend bestreicht das Gewehr die Häuserwände bis hinauf zum Dach. Die Aufständischen ziehen sich zurück.

Regierungen und Armeen verfolgen das Geschehen in Syrien

Ein Kampfpanzer, der die gefürchteten Panzerabwehrgeschosse (RPG-7) abwehrt, dessen Besatzung sieht, was hinter dem Fahrzeug geschieht, und der ein Maschinengewehr an Bord hat, das in steilem Winkel nach oben schießen kann. Das zusammen hat es bisher nicht gegeben.

Das Szenario ist fiktiv, aber realistisch. Bilder vom syrischen Bürgerkrieg zeigen immer wieder ausgebrannte und zerstörte Kampfpanzer russischer Bauart. Die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad setzt die Waffen in großer Anzahl gegen die Rebellen ein. Doch die kennen die Schwächen der veralteten T-72 und T-55 und nutzen das im Kampf um Straßen und Häuser erfolgreich.

Regierungen und Armeen weltweit verfolgen das Geschehen aufmerksam. Vor allem jene, die ebenso militanten Widerstand in ihrem Land fürchten wie die Diktatoren in Libyen und Syrien. Aufständische, die den Kampf in die Städte tragen, das zeigt sich in den aktuellen Kriegen, sind, wenn überhaupt, nur unter erheblichen Verlusten und begleitet von großen Zerstörungen und Opfern unter der Bevölkerung zu besiegen. Da könnte ein Panzer hilfreich sein, der nur schwer verwundbar und zugleich im Nahkampf höchst wirksam ist.

Mit dem Prinzip deutscher Zurückhaltung gebrochen

Seine Bezeichnung lautet „Leopard 2 PSO“. PSO steht für „Peace Support Operations“, ein Annex, den der Hersteller Kraus-Maffei Wegmann (KMW) gewählt hat. Die Bundeswehr nennt ihn „Leopard 2A7+“ oder „Panzer für Operationen im urbanen Umfeld“. Er ist einer der modernsten, teuersten und begehrtesten Kampfpanzer der Welt. Und es ist der Panzer, den Saudi-Arabien und Qatar jetzt angeblich von Deutschland kaufen wollen. Für den sie bereit sind, Milliarden zu bezahlen. Der die deutsche Panzerindustrie aus ihrem Auftragstief holen würde, dessen Stückpreis Rüstungsexperten auf acht bis neun Millionen Euro schätzen. Und der offenbar dem neuen Verständnis deutscher Sicherheitspolitik entspricht: keine Soldaten mehr in fremde Konfliktgebiete, sondern moderne Waffen für diejenigen, die dort für Stabilität sorgen könnten.

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12.08.2012, 12:06 Uhr

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