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Rudolf-Vogel-Medaille Durch dick und dünn mit Adolf Hitler

Die Südosteuropa-Gesellschaft hat wieder ihren Journalistenpreis verliehen. Bis vor kurzem hieß er Rudolf-Vogel-Medaille. Jetzt nicht mehr.

© picture-alliance/dpa Vergrößern Bereits seit 2005 weist Rudolf Vogels Wikipedia-Eintrag auf dessen Zeit als NS-Propagandist hin

Bochum kann ganz anders sein als bei Grönemeyer. Im großen Saal des deutschen Bergbau-Museums geht es an diesem Samstag mondän zu. Diplomaten haben sich versammelt, Professoren, Bundestagsabgeordnete, Staatssekretäre. Anlass ist die Jahreshauptversammlung der Südosteuropa-Gesellschaft (SOG), die laut Eigendarstellung seit ihrer Gründung 1952 „zu den wichtigen Trägern der deutschen auswärtigen Kulturpolitik“ gehört. Den Löwenanteil des SOG-Budgets trägt seit Jahrzehnten das Auswärtige Amt. Von „enger Kooperation“ zwischen dem Amt und der SOG spricht der stellvertretende Chef der SPD-Fraktion im Bundestag, Gernot Erler. Er muss es wissen, denn er war Staatsminister im Auswärtigen Amt. Und er ist Präsident der SOG.

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Zu den Höhepunkten der SOG-Jahresnabelschau gehört die Verleihung der „Rudolf-Vogel-Medaille“. Der undotierte Journalistenpreis „in Anerkennung der Verdienste um die Erweiterung der Kenntnisse über Südosteuropa“ wird seit mehr als zwei Jahrzehnten vergeben. Erster Preisträger war 1992 Johannes Grotzky, damals Leiter des ARD-Hörfunkstudios Wien, heute Direktor des Bayerischen Rundfunks. Andere Vogelmedaillengewinner sind der ehemalige Springer-Journalist und spätere griechische Regierungssprecher Evangelos Antonaros, die einstige Belgrader „Spiegel“-Korrespondentin Renate Flottau und der schwedische Schriftsteller Richard Swartz, langjähriger Osteuropakorrespondent des „Svenska Dagbladet“. Je dreimal wurden Autoren der „Süddeutschen Zeitung“ und der F.A.Z. mit der Rudolf-Vogel-Medaille ausgezeichnet, auch Journalisten von WDR, dpa, „Frankfurter Rundschau“ sowie des Wiener „Standard“ erhielten die Ehrung.

Eine auffällig beiläufige Distanzierung

In diesem Jahr war der Schweizer Journalist Andreas Ernst für die Medaille nominiert, für die „gekonnte Vermittlung wissenschaftlichen Denkens und Forschens mit journalistischen Mitteln“, wie es in der Laudatio hieß. Ernsts kluge Texte in der „Neuen Zürcher Zeitung“ gehören tatsächlich seit Jahren zum Besten, was über den Balkan geschrieben wird. Genau deshalb weigerte Ernst sich auch, die Rudolf-Vogel-Medaille anzunehmen. Denn der Preis ist keine Auszeichnung, sondern eine Schmach.

Rudolf Vogel - Bremer Nachrichten © F.A.S. Vergrößern Die Meldung aus den „Bremer Nachrichten“, die 1954 dazu führte, dass Vogel versuchte, einen Korrespondenten, der auf seine braune Vergangenheit hingewiesen hatte, bei einem Vorgesetzten anzuschwärzen. Die Sache flog aber auf, weil der „Spiegel“ davon Wind bekam.

Vogel, der von 1906 bis 1991 lebte, war nicht nur Mitbegründer, Präsident und Ehrenmitglied der Gesellschaft, sondern auch lange Jahre Journalist. Walter Althammer, Vorgänger Erlers als Präsident der SOG und einst stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, zeichnete 1991 in einem Nachruf auf Vogel in den von der SOG herausgegebenen „Südosteuropa-Mitteilungen“ ein beeindruckendes Bild des Verstorbenen. Vogel sei nicht nur ein Mann von „unermüdlicher Arbeitsenergie und Durchsetzungskraft“ gewesen, sondern habe sich auch durch „wache Menschenkenntnis“ sowie „tiefe Abneigung gegen Falschheit und Intrigen“ hervorgetan. Außerdem habe er in dunklen Zeiten Rückgrat gezeigt: „Als überzeugter Katholik und Demokrat wurde er nie Mitglied der NSDAP und verzichtete so im Dritten Reich auf eine Karriere, die ihm unter anderen politischen Bedingungen aufgrund seines Wissens und seines Könnens offengestanden hätte. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er als Soldat.“

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