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Roland Koch Auferstanden aus den Ruinen Ypsilantis

04.11.2008 ·  Die Umzugskisten in der Staatskanzlei waren schon gepackt. Doch Andrea Ypsilantis Kreuzzug zur Befreiung Hessens, der im Debakel endete, verschaffte Roland Koch die Chance für ein Comeback, an das selbst in der hessischen CDU, die ihn verehrt, nicht mehr allzu viele geglaubt hatten.

Von Berthold Kohler
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Seit Jahren zieht Roland Koch an einem Sonntag im Oktober in den Weinberg der Winzerfamilie Jung, um dort bei der Lese des Rieslings zu helfen. Davon hat ihn vor zehn Tagen auch nicht der Gedanke abhalten können, es könnte das letzte Mal sein, dass er als hessischer Ministerpräsident die Butte schultere.

Dem ob der grimmigen Entschlossenheit Andrea Ypsilantis und ihrer Gefolgschaft nahe scheinenden Ende seiner Amtszeit blickte Koch mit Gelassenheit entgegen. Dazu mag beigetragen haben, dass schon an jenem sonnigen Tag im Rheingau die Spatzen von den Rebstöcken pfiffen, was Frau Ypsilanti bis gestern nie gehört haben will: dass wahrscheinlich nicht nur Frau Metzger sie nicht wählen werde.

Ein unerwartetes Comeback

Koch packte dennoch in der folgenden Woche seine Umzugskisten. Am Montagmittag, lange bevor Frau Ypsilanti fassen konnte, dass sie nicht ihn, sondern sich selbst zur Strecke gebracht hatte, packte er die Ordner wieder aus. Die SPD-Vorsitzende, deren Koch-muss-weg-Kampagne mehr und mehr Züge eines Kreuzzuges zur Befreiung Hessens aus den Klauen der (für das Evangelium der „sozialen Moderne“ tauben) Ungläubigen angenommen hatte, verschaffte dem von ihr Verteufelten die Chance für ein Comeback, an das selbst in der hessischen CDU, die ihn verehrt, nicht mehr allzu viele geglaubt hatten.

Koch hatte im Januar an den Abschied von der aktiven Politik gedacht; eine solche Wahlniederlage und die Diffamierung, die ihr vorausgegangen war, stecken auch Politiker nicht einfach weg, die so hart im Austeilen und Nehmen sind wie er.

Grün als die Farbe der Hoffnung

Dann aber scheiterte Frau Ypsilantis erster Anlauf, das Amt des Regierungschefs zu übernehmen. Das wirkte auf Koch wie die Zufuhr von Sauerstoff. Unter seiner Anleitung entwickelte die hessische CDU im Frühjahr 2008 erstmals Verständnis dafür, warum Grün als die Farbe der Hoffnung angesehen wird.

Ausgerechnet in Hessen, wo die Christlichen Demokraten und die Grünen einander seit Joseph Fischers Zeiten wie Bürgerkriegsparteien befehden, eine „Jamaika“-Koalition zu konstruieren – das wäre eine Herausforderung gewesen, die den auch in bundespolitischen Angelegenheiten strategisch denkenden Koch gereizt hätte. Sogar bei den Grünen war einigen klar, dass man an dieses ohnehin tollkühne Unterfangen nur dann denken könne, wenn auf Seiten der CDU Koch weiter die Zügel in der Hand habe. Aber die Grünen vermochten es nicht, über ihren Schatten zu springen. Daher könnten für sie nun weitere Jahre in der Opposition folgen.

Koch, auferstanden aus den Ruinen, die Frau Ypsilanti hinterlassen hat, will es noch einmal wissen. Es ist leicht zu erraten, dass er am liebsten wieder gegen sie antreten würde. Die Spekulationen darüber, ob der fünfzigjährige Jurist und Bannerträger des Wirtschaftsflügels in der CDU ins Bundeskabinett eintreten oder nach Brüssel gehen würde, haben sich erledigt.

Ganz und gar falsch ist die Behauptung, der Ministerpräsident habe am Montagabend die Champagnerkorken knallen lassen. Im Hause Koch trank man Spätburgunder, natürlich aus dem Rheingau.

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Jahrgang 1961, Herausgeber.

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