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Rheinland-Pfalz : Landesregierung schickt Suchtrupp für Flughafen-Käufer nach China

Flugzeuge auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt-Hahn Bild: dapd

Rheinland-Pfalz droht der Käufer für den Regionalflughafen Hahn abhanden zu kommen. Nach Informationen der F.A.Z. ist eine Delegation der Landesregierung heute nach Schanghai geflogen und will sich dort ein eigenes Bild vom Käufer machen.

          Am Montag hat sich der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Randolf Stich mit Vertretern der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auf den Weg nach Schanghai gemacht. Nach Informationen der F.A.Z. wollen sie sich dort ein eingehenderes Bild machen vom Unternehmen SYT, das den Flughafen Hahn kaufen möchte, zuletzt aber eine vereinbarte Teilzahlung für Grundstücke schuldig geblieben war.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Die Mainzer Regierungssprecherin sagte am Montag im Gespräch mit der F.A.Z., Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) habe im Zuge des Verkaufsprozesses keinen Kontakt zu Vertretern der SYT oder ihren Geldgebern gehabt. Derweil mehren sich die Zweifel, ob der Auftrag, den die Regierung an KPMG erteilt hat, um die Reputation und Bonität der Käufer zu überprüfen, dafür wirklich geeignet war. KPMG hat in einem Schreiben an das Innenministerium mitgeteilt, dass der Prüfauftrag der Regierung in einem „limited research“ auf „Basis öffentlich zugänglicher Quellen“ bestanden habe, der die Suche in Datenbanken nach möglichen „Gesetzesverstößen und Bonitätsrisiken“ der SYT einschließe. 

          Dies sei aber „keine Wirtschaftsprüfung im eigentlichen Sinne“, sagte der F.A.Z. Paul Gillis, Professor für Wirtschaftsprüfung an der renommierten Peking Universität. Vielmehr handele es sich um eine „einfache Risikoprüfung“ (Due Diligence) auf sehr niedriger Stufe. „Im Grunde ist das nicht mehr, als die Namen einmal durch Baidu zu jagen.“ Baidu ist die chinesische Variante der Suchmaschine Google.

          SYT will vertragstreu bleiben

          KMPG hatte jüngst mitgeteilt, entgegen den Vermutungen habe sich durchaus „ein Mitarbeiter von KPMG“ das Büro der SYT „vor Ort“ angesehen – „zusätzlich zu unserem Auftrag“. Eine solche Bemerkung könnte laut Gillis darauf hindeuten, dass das Land die hohen Kosten einer umfassenden Prüfung gescheut habe. Genauere Erkenntnisse könnte eine Veröffentlichung des kompletten Prüfauftrags bringen. Aus dem Innenministerium verlautete, am Minister werde das nicht scheitern. Der Ball liegt also im Feld von KPMG.

          Laut ihrem Frankfurter Anwalt will die SYT vertragstreu bleiben und zahlen. Projektmanager Kyle Wang hatte zuvor der F.A.Z. gesagt, der Kaufprozess sei „zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen“. Allerdings hatte der Investor Angaben über sein Geschäft gemacht, die Fachleute als unglaubwürdig einschätzen. So beschäftige die hinter der SYT stehende Baufirma für einzelne Projekte schon mal bis zu 200.000 Mitarbeiter. Auch winke ein Auftrag über umgerechnet 1,3 Milliarden Euro von Thyssen-Krupp. In Essen hingegen weiß man dem Vernehmen nach davon nichts.

          Bankbestätigungen häufig gefälscht

          Das Innenministerium hat den Verkauf des Flughafens Hahn damit verteidigt, dass die chinesischen Investoren eine Bankbestätigung über ihre Zahlungsfähigkeit der Bank of China vorgelegt hätten. „Ich traue chinesischen Bankbestätigungen überhaupt nicht“, sagt dazu Gillis. Abgesehen vom konkreten Fall, den er nicht kenne, würden in China Bankbestätigungen oft gefälscht. Wirtschaftsprüfer fragten deshalb meist noch einmal bei der Bank nach.

          Es habe in der Vergangenheit jedoch viele Fälle gegeben, in denen das Unternehmen, das eigentlich überprüft werden sollte, mit der Bank „freundschaftliche Beziehungen“ unterhalten habe, woraufhin korrupte Bankmanager die Solvenz der Firma den Prüfern wider besseres Wissens bestätigt hätten. Fehlerhafte Risikoprüfungen eines chinesischen Unternehmens gebe es oft, sagt Gillis. „Die Überprüfung von Informationen ist sehr schwierig in China. Wie verlässlich das Prüfergebnis sein soll, hängt davon ab, was der Auftraggeber bereit ist zu zahlen.“

          Quelle: FAZ.NET

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