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Rheinland-Pfalz : Im Land der Frauen

Die designierte rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit Roger Lewentz, designierter SPD-Landesvorsitzende, auf dem SPD-Landesparteitag Bild: dpa

Morgen tritt Kurt Beck in Rheinland-Pfalz als Ministerpräsident ab. Malu Dreyer wird ihm folgen - und die weibliche Vormacht im Land weiter stärken.

          Für Malu Dreyer war schnell klar. Ein Mann muss künftig ihren Job machen. Die designierte Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und scheidende Sozialministerin konzentrierte sich Ende November bei ihrer Suche nach einem Ersatz für ihr Ressort ganz auf die schmale männliche SPD-Personalreserve zwischen Koblenz, Trier und Speyer. Mitte Dezember stellte Kurt Becks Nachfolgerin ihren Wunschkandidaten Alexander Schweitzer vor, der nun die seit zehn Jahren weiblich betreuten Politikfelder Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie beackern soll. Der bisherige SPD-Generalsekretär Schweitzer ist ein 2,06 Meter großer und kräftiger Pfälzer, der wie ein angriffslustiger Schwergewichtsboxer am liebsten rhetorisch harte linke Haken gegen die CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner schlägt. Nun muss er seine weichere Seite entdecken.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Wenn Schweitzer am 16. Januar nach der Wahl von Malu Dreyer zur Ministerpräsidentin als neuer Sozialminister vereidigt wird, bleiben nach Becks Abgang zumindest Innenminister Roger Lewentz, Finanzminister Carsten Kühl und Justizminister Jochen Hartloff im Kabinett nicht allein unter so viel Frauen. Noch eine Ministerin mehr in der rot-grünen Landesregierung hätte wohl auch den Ruf nach einer Männerquote für politische Führungsämter in Rheinland-Pfalz bewirkt. Fünf Ministerinnen und eine Ministerpräsidentin umrahmen in wenigen Tagen ihre vier Kabinettskollegen. Hinzu kommen drei sozialdemokratische Staatssekretärinnen. Die von Kurt Beck hinterlassene Frauenquote von mehr als 60 Prozent ist einzigartig unter den 16 Bundesländern. Hinzu kommt Regierungssprecherin Monika Fuhr und die von Malu Dreyer aus ihrem Ressort mitgebrachte Staatssekretärin Jaqueline Kraeger als Chefin der Staatskanzlei. Mehr Frauen an der Macht geht nicht.

          Eine Generationenfrage

          Selbst das ebenfalls von einer rot-grünen weiblichen Doppelspitze regierte Nordrhein-Westfalen kommt nicht an das politische Matriarchat in Mainz heran. Mit den drei Ministerinnen Eveline Lemke (stellvertretende Ministerpräsidentin, Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung), Ulrike Höfken (Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und Weinbau) und Irene Alt (Integration, Jugend, Familie und Kinder) kommen die Grünen auf der obersten Führungsebene der Exekutive gar auf eine Frauenquote von 100 Prozent. Immerhin sind dafür zum Ausgleich alle Staatssekretärsposten in den Ministerien der Grünen mit Männern besetzt. Bei der SPD regieren neben der Chefin Dreyer noch Bildungsministerin Doris Ahnen und die für Bundesangelegenheiten zuständige Staatsministerin Margit Conrad mit.

          Durch die vielen Frauen in der ersten Regierungsreihe, die durchweg zehn bis 15 Jahre jünger als der bald 64 Jahre alte Beck sind, dürfte sich wohl auch der politische Stil und die Art der Führung ändern. „Das ist auch eine Generationenfrage. Viele Frauen, die nun regieren, habe auch in ihren Parteien eine andere Sozialisation erfahren als Kurt Beck“, heißt es aus der sozialdemokratischen Frauenriege. Der frühere Bundeswehrsoldat und Elektriker Beck arbeitete sich Anfang der siebziger Jahre über die durch Männerparteifreundschaften mit Rudolf Scharping und anderen Genossen geprägte Ochsentour in der SPD nach oben.

          Vernetzt bis in die kleinsten Vereine

          Nach Scharpings Wechsel als Oppositionsführer 1994 nach Bonn von der Fraktionsführung an die Spitze von Partei und Landesregierung befördert, pflegte Beck wie Helmut Kohl einen paternalistischen Herrschaftsstil. Jovial im Umgang mit Bürgern und Bürgermeistern, vernetzt bis in fast jeden Ortsverein im Westerwald und an der Mosel erwarb sich Beck so in seinen mehr als 18 Amtsjahren den Beinamen „König Kurt“. Schwierige Entscheidungen und politische Vorstöße bereitete Beck im kleinsten Kreis von engen Vertrauten und oft auch ganz mit sich alleine im stillen Kämmerlein vor, wie mancher in der SPD beklagte. Ein Kommunikationsstil, der nach Einschätzung von Weggefährten auch mit zu Becks Schwierigkeiten als SPD-Bundesvorsitzender im Berliner Willy-Brandt-Haus führte.

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