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Religion : Kuriosum Rabbiner

Erste Rabbinerordination in Deutschland seit 1942 Bild: dpa

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland muß sich ihre Rabbiner immer noch importieren. Zwar wurden nun die ersten drei Studenten in Dresden zu Rabbinern geweiht, doch weil sie zu liberal sind, haben sie keine Chance, größere Gemeinden zu leiten.

          Im ersten Moment war die Frankfurter Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grüne) verblüfft, wenn nicht gar erschrocken. Freundlich hatte sie bei einer Veranstaltung im Jüdischen Gemeindezentrum Menachem Halevi Klein die Hand zum Gruß entgegengestreckt, doch der Mann mit dem schwarzen Hut machte keine Regung, diese Hand zu ergreifen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er lächelte die mittlerweile zur Bürgermeisterin Frankfurts aufgestiegene Stadträtin nur freundlich an und murmelte einen Gruß. Etwas verlegen klärte eine alte Freundin aus der Jüdischen Gemeinde Ebeling auf: Rabbiner Klein sei streng orthodox, er dürfe außer seiner eigenen keine andere Frau berühren.

          Orthodoxer Lebensstil größtenteils fremd

          Menachem Halevi Klein ist im ultraorthodoxen Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim aufgewachsen, aus dem Haus gegangen ist er als Jugendlicher nur zum Beten und zum Unterricht. Vor mehr als zwölf Jahren hat ihn Ignatz Bubis, der damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, nach Frankfurt geholt in eine Gemeinde, die religiös orthodox geprägt ist, deren Mitgliedern aber ein dezidiert orthodoxer Lebensstil größtenteils fremd ist: Ein Rabbiner, der meiner Frau nicht die Hand geben darf, das empfinden fast alle als Kuriosum.

          Menachem Halevi Klein wird dennoch geachtet wie man einen Rabbiner eben achtet. Aber als geistigen Führer der jüdischen Gemeinschaft betrachten ihn nur die wenigsten. Diese Rolle nehmen andere ein, moderne, eher einer intellektuellen, westlichen Tradition verbundene Persönlichkeiten wie der Gemeindevorsitzende Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats Dieter Graumann oder der Historiker und Holocaust-Überlebende Arno Lustiger.

          Die Rabbiner-Tradition ist ausgelöscht worden

          In den jüdischen Gemeinden Deutschlands gab und gibt es viele Kleins aus Israel oder Amerika importierte Rabbiner, die geholt worden sind, weil es keine einheimischen Gelehrten gibt, die ein solches Amt übernehmen könnten. Denn im Holocaust ist auch die berühmte deutsche Rabbiner-Tradition ausgelöscht worden.

          Leo Baeck, der letzte Rektor der 1942 von den nationalsozialistischen Machthabern aufgelösten Berliner „Hochschule für die Wissenschaft vom Judentum“, einem führenden Zentrum der Rabbiner-Ausbildung, überlebte zwar Theresienstadt, ging aber nach dem Krieg nach London womit Deutschland seinen damals wohl angesehensten jüdischen Religionsgelehrten verloren hatte.

          Mit der Importpraxis unzufrieden

          Zwar kehrten nach 1945 einige Rabbiner zurück, doch nach deren Tod oder Auswanderung fehlte der Nachwuchs. Die Gemeinden waren gezwungen, sich im Ausland umzusehen. Doch welcher hochangesehene Rabbiner wollte schon nach Deutschland kommen? Die hiesigen Gemeindevorstände mußten sich notgedrungen meistens mit Männern der zweiten und dritten Garde begnügen.

          Es erscheint deshalb als ein Wendepunkt, daß am Donnerstag in der Neuen Synagoge in Dresden drei Studenten zu Rabbinern geweiht werden die ersten nach dem Krieg wieder in Deutschland ordinierten Rabbiner.

          Bundestagspräsident Lammert spricht denn auch von einem „Ereignis von historischer Bedeutung“. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland ist angetan: „Das ist ein Anlaß zur Freude“, sagt Salomon Korn. Der Vizepräsident des Zentralrats läßt keinen Zweifel daran, daß er mit der Importpraxis unzufrieden ist, denn die jüdischen Gemeinden brauchten Rabbiner aus dem deutschen Kulturkreis, Persönlichkeiten, welche mit der hiesigen Mentalität vertraut seien.

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