08.12.2006 · Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner will katholischen Schülern die Teilnahme an „multireligiösen Feiern“ in Schulen untersagen. „Abenteuerlich und ärgerlich“ nennen das Politiker, die sich mit Integration befassen.
Von Peter SchilderDer Erlaß des Kölner Erzbischofs, Kardinal Meisner, multireligiöse Feiern in Schulen nicht mehr zuzulassen, sowie seine Aufforderung an die Religionslehrer, diese zu unterbinden, hat in Nordrhein-Westfalen unter Politikern, die sich mit Integration befassen, kein Verständnis gefunden.
„Abenteuerlich und ärgerlich“ nannte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Stahl, das Vorgehen. „Wer stark ist, muß gemeinsames Beten nicht unterbinden.“ Außerdem könne man eigene Identität nicht nur durch Abgrenzung von anderen gewinnen, dann bleibe das eigene Ich diffus. Integrationsminister Laschet (CDU) sagte: „Ich stehe im interreligiösen Miteinander dem Papst näher als Kardinal Meisner. Ich glaube, unsere Zeit braucht nicht weniger, sondern mehr Gemeinsamkeit zwischen den Religionen.“
„Schmeißen Sie die Drei Könige aus dem Dom“
Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Kufen, hält die Äußerungen Meisners für „wenig hilfreich“, zumal doch der Papst „wie kein anderer für den Dialog der Religionen steht“. Weltfremd sei das im Blick auf die Kindertagesstätten und Jugendeinrichtung. Die Kirchenbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Fischbach, sagte, das Verbot Meisners sei „nur schwer nachzuvollziehen“.
Bissig kommentierten die Grünen den Erlaß des Bischofs. „Herr Kardinal, schmeißen Sie endlich die Heiligen Drei Könige aus dem Dom“, verlangten sie. Denn bei den Heiligen Drei Königen handele es sich „vermutlich um persische oder chaldäische Sterndeuter, jedenfalls sicher nicht um katholische Christen“.
„Feiern ohne Beteiligung der katholischen Kirche“
In der umstrittenen „Richtlinie des Erzbischofs“ heißt es: „Das Gottesbild der nichtchristlichen Religionen ist nicht identisch mit dem Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist. Daher sind gemeinsame Gottesdienste nicht möglich. Jede Gemeinschaft kann daher nur allein zu ihrem Gott beten. Geschieht das gemeinschaftlich, muß die jeweils andere Gruppe schweigend dabeistehen.“
Das sei aber für Kinder nicht zumutbar. Da ihr Glaube noch nicht vollständig entfaltet sei, bestehe Anlaß zur Sorge, „daß die für das Verständnis von multireligiösen Feiern notwendige Differenzierung nicht ausreichend gegeben ist“. Die Gefahr einer Verwirrung drohe. „Daher sollen im Erzbistum Köln keine multireligiösen Feiern für Schülerinnen und Schüler an Schulen stattfinden.“
Die katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer „haben Sorge dafür zu tragen, daß etwaige multireligiöse Feiern in jedem Fall ohne Beteiligung der katholischen Kirche stattfinden“. Schulen mit einem multikulturellen Umfeld könnten statt dessen andere Wege beschreiten: Die jeweiligen Glaubensgemeinschaften sollen an getrennten Orten ihren jeweiligen Gottesdienst feiern, „wobei bei katholischen Schulen davon auszugehen ist, daß es sich um einen katholischen Gottesdienst handelt“.
Bei multireligiösen Feiern künftig kritischer
Die Richtlinie steht damit nicht im Einklang mit einer Leitlinie der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2003. Darin heißt es: „In einer zerrissenen und von Konflikten geschüttelten Menschheit können diese von den drei Religionen getragenen multireligiösen Gebetstreffen Frieden schaffende Kraft ausstrahlen.“ Anlässe zu multireligiösen Feiern ergäben sich immer häufiger, obwohl sie nach wie vor Ausnahmecharakter besäßen und „das eigene kirchliche, also das konfessionelle und das ökumenische Gebet nicht ersetzen können“.
Weiter heißt es unter anderem: „Für multireligiöse Feiern ist eine gute Vorbereitung außerordentlich wichtig.“ Sie sind also offenbar vorgesehen. Die Leitlinie der Bischofskonferenz ist derzeit vergriffen und soll überarbeitet werden. Das Sekretariat der Bischofskonferenz wollte die Richtlinie Meisners nicht kommentieren, doch läßt der Hinweis auf eine bevorstehende Überarbeitung die Vermutung zu, daß multireligiöse Feiern künftig kritischer gesehen werden.
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