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Muslimische Schüler : Beten in der Pause – Stresstest für die Schulen?

Der Islam als Unterrichtsfach ist vielerorts etabliert. Aber wie präsent darf die Religion abseits des Bekenntnisfaches in der Schule sein? Bild: dpa

Erst der Streit um Kruzifixe in Klassenräumen, jetzt der Zwist um islamische Gebete in der Schule – wie im Falle eines Wuppertaler Gymnasiums. Überfordern solche Konflikte Lehrer, Eltern und Schüler? Wie religiös darf Schule sein?

          Als die paar Zeilen, die eigentlich nur für das Lehrerkollegium gedacht waren, den Weg in die sozialen Netzwerke fanden, brach ein Sturm der Entrüstung über die Wuppertaler Schulleiterin Christiane Genschel los. Fernsehsender standen vor der Tür des Gymnasiums Johannes Rau, Reporter versuchten, Schüler auf dem Schulhof zu interviewen, und es hagelte Zuschriften. Was war geschehen? Die Schulleitung hatte „zunehmend beobachtet, dass muslimische Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude für andere deutlich sichtbar beten, signalisiert durch rituelle Waschungen in den Toiletten, das Ausrollen von Gebetsteppichen, das Einnehmen von entsprechenden Körperhaltungen“.

          In einem Schreiben an die Lehrer schrieb sie: „Das ist nicht gestattet.“ Es endet mit der Aufforderung, betende Schüler freundlich auf das Verbot hinzuweisen, die Namen festzustellen und der Schulleitung zu melden. Für Empörung war gesorgt: Der proislamische Aktivist Martin Lejeune verbreitete die Nachricht im Netz („Lehrer sollen ihre Schüler bespitzeln“), ebenso die regierungsnahe türkische Zeitung „Daily Sabah“ („Deutsches Gymnasium bespitzelt betende Schüler“), der deutsche islamfeindliche Internetblog „Politically Incorrect“ feierte dagegen die Schulleitung mit den Worten: „Wuppertal: Schule verbietet Islam-Kampfbeten.“

          Die Schulleiterin stand unter immensem Druck. „Im Moment wünschen wir uns in erster Linie Ruhe für unsere Schule, um schulintern nachhaltige Klärung zu ermöglichen“, schrieb Genschel damals in einer E-Mail. Seitdem sind Monate vergangen, Gespräche hat es gegeben, aber bislang noch kein Ausweg. Genschel hofft, „dass es im Laufe des Schuljahres 2017/18 eine einvernehmliche Lösung geben wird“, teilte sie am Mittwoch mit. Geklärt werden muss die Frage, ob religiöse Neutralität und der Wunsch, in der Schule zu beten, zusammenpassen. Doch gibt es Lösungen, die alle Beteiligten zufriedenstellen? Und sind die Schulen überhaupt in der Lage, diesen Stresstest zu bestehen, der sich im Falle Wuppertals schon über Monate zieht? 

          „Die Schulleitungen sind zunehmend überfordert“

          „Die Schulleitungen sind zunehmend überfordert“, sagt Margret Rössler, Lehrerin im Ruhestand. Sie arbeitete 18 Jahre als Schulleiterin an einer Düsseldorfer Gesamtschule, an der rund ein Drittel der Schüler muslimisch waren. Mit Sorge sieht sie eine „Überfrachtung“ der Schulen mit Herausforderungen, die eine gestiegene religiöse Vielfalt in der Schülerschaft zwangsläufig mit sich bringt. „Mir liegt vor allem die religiöse Neutralität der Schule am Herzen“, sagt sie, eine Neutralität, die durch offensichtlich betende Schüler in Frage gestellt werde.

          Heißt neutral aber, dass die Schule ein religionsfreier Raum ist? Eine Ansicht, die der Rechts- und Islamwissenschaftler Mathias Rohe von der Universität Erlangen-Nürnberg so nicht stehenlassen möchte: „Die Sichtbarkeit von Religion entspricht durchaus unserer religionsoffenen Säkularität.“ Das gelte auch für Schulen. Ein Betverbot sei „grundsätzlich nur bei konkreter Gefährdung des Schulfriedens zulässig. Eine solche Gefährdung kann in einer demonstrativen Inanspruchnahme öffentlichen Raumes (in der Schule) zu Lasten des freien Umgangs liegen“.

          Schulfrieden – das wollen vermutlich alle. Bleibt nur die Frage: Wie stellt man ihn her?
          Schulfrieden – das wollen vermutlich alle. Bleibt nur die Frage: Wie stellt man ihn her? : Bild: dpa

          Das zu beurteilen bleibt an der Schulleitung hängen. Denn ob und wann der Schulfrieden gestört ist, müssen die Rektoren, die das Hausrecht haben, beurteilen. Die Ermessensentscheidung bietet reichlich Raum für Ärger – mit Schülern, Eltern, Behörden und gelegentlich sogar vor Gericht: Welches Gebet ist erlaubt, welches verboten? Ist das Sich-Bekreuzigen erlaubt? Und der Gebetsteppich verboten? Was ist, wenn fromme Muslime ihre rituellen Fußwaschungen auf der Schultoilette vornehmen?

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