http://www.faz.net/-gpf-8cao0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 12.01.2016, 21:44 Uhr

Reker im F.A.Z.-Interview „Ich habe die Herausforderungen der Integration immer gesehen“

Nach den Gewaltexzessen in Köln fordert Oberbürgermeisterin Henriette Reker mehr Polizei in deutschen Städten. Im Gespräch mit der F.A.Z. fordert sie zudem, die Ereignisse der Silvesternacht klar von der Debatte über den Umgang mit Asylbewerbern zu trennen.

von
© Edgar Schoepal Henriette Reker, parteilose Oberbürgermeisterin Kölns

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat als Reaktion auf die Gewaltexzesse in der Silvesternacht in Köln mehr Polizei in deutschen Städten gefordert. „Denn eine sichere Erkenntnis für mich ist, dass so etwas grundsätzlich überall passieren kann“, sagte Reker im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Lesen Sie das gesamte Interview in der Mittwochsausgabe - am Vorabend ab 20 Uhr im E-Paper). „Es ist Aufgabe der Polizei, solche Straftaten zu verhindern.“ Sie glaube nicht, dass die Vorfälle der Silvesternacht etwas mit dem Ort Köln zu tun hätten. „Das hätte in jeder anderen Stadt auch passieren können“, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin.

Alexander Haneke Folgen:

Reker verteidigte sich zudem gegen die Kritik an ihrer Empfehlung an Frauen, sie sollten zu Männergruppen möglichst eine Armlänge Abstand halten. „Diese Äußerung ist leider völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden,“ sagte  Reker. Sie habe lediglich auf die Frage geantwortet, was in dem Konzept der Stadt für Partysicherheit stehe, und dies nicht in Bezug auf die Gewaltexzesse der Silvesternacht gesagt. „Ich weiß doch selbst, dass man durch eine Armlänge Abstand keine Straftaten verhindern kann“, sagte Reker, die im Oktober von einem mutmaßlich rechtsradikalen arbeitslosen Maurer mit einem Messer in den Hals gestochen worden war und nur knapp überlebte.

Mehr zum Thema

F.A.Z. Mehr dazu in der F.A.Z. vom 13.01.2016. Am Vorabend schon in der F.A.Z. -App und als E-Paper.

Zu den Problemen mit der stetigen Zuwanderung von Flüchtlingen sagte Reker, auch sie sehe mit Sorge, dass weiterhin so viele Asylbewerber ohne Beschäftigung in Massenunterkünften ausharren müssten. „Wir müssen den Menschen die Möglichkeit bieten, dass sie sich hier etwas aufbauen können.“ Aber der Umgang mit Asylbewerbern müsse klar von den Ereignissen der Silvesternacht getrennt werden. „Der Umgang mit Asylbewerbern ist das eine, das andere sind die Kriminellen. Natürlich kann es immer sein, dass sich unter so vielen Flüchtlingen auch Kriminelle mitbewegen, das ist ja vollkommen klar! Aber es kann nicht auf den Flüchtlingen ein pauschales Urteil lasten“, sagte Reker.

Die Städte könnten die Integration der Menschen nicht alleine schaffen, dazu seien sie auf Unterstützung von Bund und Land angewiesen, „und natürlich von der Zivilgesellschaft – alleine geht das nicht. Aber Köln ist ja eine Millionenstadt und hat ein Prozent Asylbewerber“, sagte Reker. „Davor dürfen wir doch nicht kapitulieren! Und die Kölner Bürger haben eine ganz große Integrationskraft, die werden weitermachen.“

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Attentat auf Henriette Reker Mentalität des Bösen

Wie sich Frank S. nach seinem Mordanschlag auf die Kölner Oberbürgermeisterin weiter als Opfer präsentiert – und sich nun einen neuen Anwalt suchen will. Mehr Von Reiner Burger, DÜSSELDORF

17.05.2016, 06:34 Uhr | Politik
Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker schildert Messerattacke vor Gericht

Er stach in Sekundenschnelle zu: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht die Messerattacke vom Oktober 2015 geschildert, bei der die damalige OB-Kandidatin schwer verletzt wurde. Im Gerichtssaal begegnete sie erstmals wieder ihrem Angreifer. Mehr

29.04.2016, 16:07 Uhr | Aktuell
Angela Merkel im Interview Ich gebe unsere Prinzipien nicht auf

Vor ihrer Reise nach Istanbul verteidigt die Kanzlerin das EU-Türkei-Abkommen. Im Interview mit der F.A.S. spricht sie zudem über die Polarisierung in der Gesellschaft – und zieht eine klare Grenze nach rechts. Mehr Von Thomas Gutschker und Volker Zastrow

25.05.2016, 08:25 Uhr | Politik
Untersuchungsausschuss NRW-Innenminister sagt zu Kölner Silvester-Vorfällen aus

Der Innenminister Nordrhein-Westfalens, Ralf Jäger, hat vor dem Untersuchungsausschuss zu den Vorfällen in Köln in der Silvesternacht ausgesagt. Die Oppositionsparteien CDU und FDP hatten nach den Vorfällen den Rücktritt von NRW-Innenminister Jäger gefordert. Mehr

09.05.2016, 18:24 Uhr | Politik
Krisenzeiten Der europäische Schlamassel

Erst die Griechen, dann die Flüchtlinge, jetzt der Brexit: Europa hat keine Kraft, Konflikte zu befrieden. Angela Merkels Deal mit Erdogan macht das nur noch schlimmer. Mehr Von Holger Steltzner

22.05.2016, 10:28 Uhr | Wirtschaft

Schlechte Nachbarschaft

Von Richard Wagner

Die Äußerung Gaulands über den Fußballspieler Boateng ist niederträchtig und zeigt, dass eine demokratische Auseinandersetzung mit der AfD ein frommer Wunsch bleibt. Mehr 122