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„Regretting Parenthood“ : Die schizophrene Kinderliebe

Job und Familie vereinen: Kinder in einer Berliner Kita. Bild: dpa

Fast alle Eltern lieben ihren Nachwuchs. Das kam bei einer Umfrage heraus. Trotzdem würde fast ein Fünftel nicht noch einmal Kinder bekommen wollen. Wie passt das zusammen? Ein Kommentar.

          Diese Woche wurde eine Studie veröffentlicht, deren Inhalt kaum zu glauben ist. Das Marktforschungsunternehmen YouGov hatte Mütter und Väter gefragt, ob sie ihre Kinder lieben. 97 Prozent sagten ja. Aber ein Fünftel dieser angeblich liebenden Eltern sagte auch: „Wenn ich mich heute noch einmal entscheiden könnte, würde ich keine Kinder mehr bekommen wollen.“

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das scheint etwas mit zu wenig Betreuungsmöglichkeiten und Karriereknicken zu tun zu haben, wie die Studie zeigt. Und mit dem Gefühl, sich in manchen Momenten persönlich weniger entfalten zu können als ohne Kinder. Über diese Dinge jammern auch manche Eltern, die wieder welche werden würden, wenn sie sich noch einmal entscheiden dürften. Aber es sind nicht so viele wie bei denen, die ihre Elternschaft bereuen.

          Unglaublich ist das Ergebnis der Studie, weil es so schizophren erscheint. Wie kann man sich, und wenn auch nur theoretisch, ein Leben ohne die Menschen wünschen, auch nur bereitwillig vorstellen, die man liebt?

          Dinge sagen, die man anders meint

          Zwei Vermutungen drängen sich auf, und es wäre schöner, wenn die zweite zuträfe. Die erste Vermutung lautet: Die Kinder von einem Fünftel der deutschen Eltern werden in Wahrheit gar nicht geliebt, denn ihre Eltern träumen von einem Leben ohne sie. Die zweite, stärkere Vermutung: Manche Eltern werden im wilden Vereinbarkeits-, Geschlechtergerechtigkeits- und Betreuungstrubel halt ein bisschen wirr. Verstärkt wird die Wirrnis durch diese unstillbare Sehnsucht nach einem Abend ganz allein mit dem Partner und einem Bierglas Wein auf der Yogamatte bei Freunden.

          Hinzu kommt das Regretting-Geschwätz, dessen Gehirnwaschkraft offenbar stärker ist als anfangs gedacht. Zusammen mit erheblichem Schlafmangel kann das alles schon etwas weich in der Birne machen, und dann sagen Leute in Umfragen vielleicht auch mal etwas, das sie eigentlich gar nicht meinen.

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