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Terrorzelle NSU Geld, Unterschlupf, Waffen

 ·  Das Umfeld der Terrorzelle NSU zeichnet sich ab: Es gab weitere Wohnungen in Sachsen, die Tatorte wurden vor den Morden ausgespäht. Nach F.A.S.-Informationen hatte der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben bis zuletzt engen Kontakt zu der Gruppe.

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© dapd Waffen, die im Wohnhaus der Täter in Zwickau sichergestellt wurden

Das Umfeld der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) nimmt Konturen an. Ermittler gehen davon aus, dass der Thüringer Kameradschaftsaktivist und ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben bis in jüngste Zeit engen Kontakt zu Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hatte.

“Er war bis zuletzt nah an den dreien dran“, hieß es in Sicherheitskreisen gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Wohlleben, der in Untersuchungshaft ist, soll dem Trio 2001 oder 2002 eine Waffe besorgt haben, die der inhaftierte Holger G. nach Zwickau gebracht haben soll. Die Ermittlungen gegen Wohlleben gestalteten sich schwierig, seine Computerdateien seien aufwendig verschlüsselt.

Mittlerweile haben Ermittler weitere Wohnungen gefunden, die das Trio genutzt haben soll. So sei eine dritte Wohnung in Zwickau entdeckt worden, die von ihnen bewohnt worden sei. Außerdem geht es um eine Zweizimmerwohnung in Chemnitz in einem Plattenbau in der Wolgograder Allee.

Gemietet haben soll sie der inhaftierte Andre E., der mit der Herstellung der „Bekenner-DVD“ in Verbindung gebracht wird. In Chemnitz haben sich die Mitglieder der Terrorzelle von 1999 bis 2001 aufgehalten. Auf dem Ordnungsamt Chemnitz hatte sich das Trio über einen Unterstützer einen echten Pass besorgt.

Pamphlet der Gruppe gefunden

Das Antragsformular wurde mittlerweile gefunden, der zuständige Mitarbeiter soll nicht darauf geachtet haben, dass Foto und Antragsteller übereinstimmten. Am 6. Oktober und am 27. Oktober 1999 hatten Mundlos und Böhnhardt mutmaßlich die ersten zwei Überfälle auf Postfilialen in Chemnitz begangen. Das Trio hatte bei 14 Bankrauben 600.000 Euro erbeutet und soll mit dem Geld auch Mitglieder der rechtsextremen Szene unterstützt haben.

In der Wohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau, die Frau Zschäpe mutmaßlich am 4. November nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos in Brand setzte, wurde ein Pamphlet der Gruppe mit der Aufschrift NSU gefunden, das möglicherweise zusammen mit Spenden verschickt wurde.

Bei neun Morden in den Jahren 2000 bis 2007 an türkischen und einem griechischen Migranten haben die Täter die Tatorte sorgfältig ausgekundschaftet oder auskundschaften lassen. So wurden Fluchtwege und Gewohnheiten der potentiellen Opfer notiert. Inzwischen hat sich ein Mitglied der rechtsextremistischen Szene bei der Polizei gemeldet, das 2001 beim Auskundschaften möglicher Tatorte dabei gewesen sein will, aber vor der Festlegung des Anschlagsziels abgesprungen sei. Kurze Zeit später sei ein Mord an einem Türken begangen worden. Der Mann soll in den neunziger Jahren Asylbewerberheime für die rechtsextremistische Szene ausgekundschaftet haben.

Unklar bleibt weiter die Rolle, die der Thüringer NPD-Funktionär Patrick Wieschke für das Trio gespielt hat. Nach Angaben eines Beschuldigten soll Wieschke, der in Eisenach lebt, in der Nacht zum 3. November, einen Tag vor dem letzten Banküberfall von Mundlos und Böhnhardt in Eisenach, Frau Zschäpe beherbergt haben.

Zschäpe schweigt weiter

Wieschke, der zu Wohlleben regelmäßigen Kontakt hatte, bestreitet das und sagt, es habe sich um seine Freundin gehandelt. Ermittler, so heißt es in Sicherheitskreisen, haben Polizeihunde zu Wieschkes Wohnung geführt, die dort angeschlagen hätten. Das gilt als Hinweis, dass Frau Zschäpe dort gewesen ist, reicht aber als Beweis nicht aus.

Beate Zschäpe schweigt weiter zu den Vorwürfen. Wenn man ihr nur die Brandstiftung in Zwickau und die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung nachweisen könnte, müsste sie mit einer Strafe von maximal zehn Jahren rechnen. Eine terroristische Vereinigung muss einen Täterkreis von mindestens drei Personen umfassen. Sollte der Generalbundesanwalt ihr die Mitgliedschaft nicht nachweisen können, wäre eine terroristische Vereinigung nicht gegeben - es sei denn, einer der engsten Unterstützer würde als Mitglied geführt.

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Jahrgang 1963, politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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