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NPD : Neu verpackt

Fremdenhass im seriösen Gewand: Frank Franz, NPD-Vorsitzender Bild: dpa

Vor der Entscheidung im Verbotsverfahren will die NPD lieber nichts riskieren. Deshalb tritt sie neuerdings mit Hemd und Designerbrille auf. Am rassistischen Gedankengut ändert sich nichts.

          Es gibt eine neue Partei am rechten Rand: die NPD. Natürlich ist sie nicht wirklich neu. Aber sie hat sich so dick Schminke aufgetragen, dass man sie kaum wiedererkennt.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kürzlich stellte sich ihr Vorsitzender Frank Franz mit einem Video für den Bundesparteitag in Weinheim vor. Der Film zeigt Franz beim Joggen durch Herbstlaub; Franz in einem Café, Hemdkragen geöffnet, einen Tabletcomputer auf dem Schoß; Franz bei einer Besprechung, hinter sich ein Flipchart mit verheißungsvollen Zahlen. Man habe den „rückläufigen Trend bei den Mitgliederzahlen“ stoppen können, sagt er.

          Es gebe „deutlich zunehmende“ Interessentenanfragen. „Gerade weil die NPD nicht die rassistische und antidemokratische Partei ist, als die sie von den Medien immer dargestellt wird, sondern sich für mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzt, kann ich mein Amt auch aus voller Überzeugung ausfüllen.“ Am Ende steht Franz an einem Infostand, gekleidet wie ein BWL-Student. Das Ganze wirkt braver als ein Werbespot der CSU.

          Auch die Position der NPD zur Flüchtlingskrise klingt, als stamme sie von Horst Seehofer. Selbstverständlich gebe es Flüchtlinge, die vor Krieg und Terror flöhen, sagte Franz auf dem Parteitag. Ihnen müsse man Asyl gewähren. Aber es gebe auch viele, die im Windschatten dieser Menschen kämen, weil sie sich in Europa ein besseres Leben erhofften. „Wir halten es da mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán: Es gibt kein Grundrecht auf ein besseres Leben.“

          Ein Rechter und Lieblingsschwiegersohn

          Der Wahlspruch der NPD dazu lautet: Deutschland ist nicht das Sozialamt der Welt. Diesen Satz hatte Horst Seehofer so ähnlich schon 2010 gesagt, auf dem Deutschlandtag der Jungen Union. Auch die AfD hatte ihn auf ihre Wahlplakate gedruckt. Liegt diese Zurückhaltung am neuen Verbotsverfahren, oder ist die NPD womöglich gar keine rechtsextreme Partei mehr? Steht sie neuerdings nur noch am rechten Rand des bürgerlichen Parteienspektrums?

          Das hätte man denken können, wenn man Franz in Weinheim über den Niederländer und Rechtspopulisten Geert Wilders sprechen hörte: „Ich halte ihn in vielen Bereichen seiner Ausführungen für überzogen, sogar für populistisch. Wir sind ja auch keine Islam-Basher, um das mal ganz flapsig zu sagen. Wenn sich aber jemand auf die Religion beruft, dann muss klar sein, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung und das Grundgesetz über allem stehen.“ Das würden selbst Mitglieder der Grünen und Linken unterschreiben.

          Franz ist seit einem Jahr im Amt. Er bekam den Posten nur, weil sein Vorgänger Udo Pastörs nicht mehr antrat. Noch heute sind manche in der Partei über seine Wahl unzufrieden. Franz ist ihnen zu glatt, ein Rechter und Lieblingsschwiegersohn. Auf dem Parteitag sagte er zum Beispiel: „Die NPD muss die Partei der Normalität sein.“ Das heiße zwar nicht, sie solle eine normale Partei sein. „Aber man muss nicht auf jede Aussage ein radikales i-Tüpfelchen draufsetzen.“

          Hauptsache Aufmerksamkeit

          Franz forderte eine bessere Außendarstellung der NPD: Die Parteimitglieder sollen sympathischer wirken, sollen nicht auf jeder Demonstration mit dem Parteilogo herumfuchteln und damit potentielle Wähler verschrecken, und sie sollen sich eine anständige Frisur zulegen. Wer mit einem Parteimitglied geredet hat, müsse sagen können: „Die haben Zähne im Mund und können zwei Sätze geradeaus sagen.“ Franz will die NPD zurückholen in die öffentliche Arena. Er will auch, dass die Medien anders über die NPD berichten. Dass sie überhaupt berichten. Als nach dem Parteitag ein kritischer Text in einem Blog erschien, stellte Franz ihn augenzwinkernd auf seine Facebook-Seite. Hauptsache, Aufmerksamkeit.

          Darüber redete in Weinheim auch Baldur Landogart, Typ Trachtenjacke, Designerbrille, Glatze (keine Nazi-Glatze, eher feine Glatze). Landogart ist seit neuestem Mitglied des Parteivorstands und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Eigentlich heißt er Tobias Schulz – als Grafiker wollte er wohl einen Künstlernamen. Baldur stammt aus der germanischen Mythologie, „Landogar“ soll so viel heißen wie: Einsatz für das Volk; das t steht hintendran, damit da „art“ steht, also das englische Wort für Kunst.

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