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Gedenkveranstaltung in Berlin : Merkel: Sie stehen nicht länger allein mit Ihrer Trauer

Die Bundeskanzlerin auf der Gedenkveranstaltung im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin Bild: dpa

Bundeskanzlerin Merkel hat den Familien der Opfer der Zwickauer Terrorzelle Aufklärung versprochen. Die Morde seien „eine Schande für unser Land“, sagte sie auf der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des rechtsextremistischen Terrors in Berlin.

          Als eine „Schande für Deutschland“ und einen „Anschlag auf unser Land“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Morde und Attentate der rechtsextremistischen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ bezeichnet. Mitglieder der Terrorgruppe hatten zwischen September 2000 und April 2007 neun Einwanderer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin getötet. Bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin versprach Frau Merkel den Opfern und Hinterbliebenen am Donnerstag, die Verbrechen aufzuklären und die Täter und Mittäter zu bestrafen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Bundeskanzlerin rief alle Menschen in Deutschland dazu auf, sich gemeinsam gegen Rechtsextremismus zu wehren. Sie sagte: „Überall dort, wo an den Grundfesten der Menschlichkeit gerüttelt wird, ist Toleranz fehl am Platz.“ Mit Worten des Philosophen Edmund Burke fügte die Kanzlerin hinzu: „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“

          Mit einer Schweigeminute gedachten am Donnerstag um zwölf Uhr mittags Bürgerinnen und Bürger in vielen Städten der Opfer rechtsextremer Gewalt. Für eine Minute ruhte auf vielen Straßen der Verkehr; in Betrieben, Verwaltungen, Schulen und Universitäten wurde innegehalten.

          Im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt hatten zuvor Politiker, Familienangehörige und geladene Gäste der Opfer des Terrors gedacht. Frau Merkel entschuldigte sich bei Opfern und Hinterbliebenen für falsche Verdächtigungen gegen sie und versprach: „Sie stehen nicht länger allein mit ihrer Trauer.“

          „Gefährlich sind nicht nur Extremisten“: Angela Merkel spricht auf der Gedenkveranstaltung im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Bilderstrecke
          „Gefährlich sind nicht nur Extremisten“: Angela Merkel spricht auf der Gedenkveranstaltung im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. :

          Nach ihr redeten Semiya Simsek und Gamze Kubasik, deren Väter von Mitgliedern der Zwickauer Terrorzelle ermordet worden sind, sowie Ismail Yozgat, dessen Sohn Halit die Neonazis 2006 getötet hatten. Frau Simsek sagte: „Elf Jahre durften wir nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein. Immer lag auf uns die Last, dass vielleicht einer aus unserer Familie verantwortlich sein könnte für den Tod des Vaters.“ Auch habe der Verdacht das Leben bestimmt, der Vater selbst könne ein Krimineller gewesen sein. Nichts davon sei wahr gewesen. Jetzt gehe es auch darum aufzuklären und gegen den Rechtsextremismus vorzugehen: „Wir alle gemeinsam, zusammen – nur das kann die Lösung sein“, sagten die Töchter unter dem Beifall der Versammelten.

          Gemeinsam trugen die beiden Frauen zum Ende der Veranstaltung eine „Kerze der Hoffnung“ aus dem Saal. 

          „Unser Glaube an die deutsche Justiz ist groß“

          Ismail Yozgat, dessen Sohn am 6. April 2006 in seinen Armen gestorben war, sagte, er wolle vom Staat kein Geld, er habe nur drei Wünsche. Der erste sei, dass die Mörder und ihre Hinterleute gefunden würden. „Unser Glaube an die deutsche Justiz ist groß.“ Sein zweiter Wunsch sei, dass die Holländische Straße in Kassel, in der sein Sohn Halit geboren wurde und in der er starb, in Halit-Straße umbenannt werde. Im Namen der zehn Ermordeten solle, drittens, ein Preis ausgelobt und eine Stiftung gegründet werden, die sich um krebskranke Menschen kümmern solle, sagte Ismail Yozgat. Kanzlerin Merkel versprach: „Wir nehmen nicht hin, das Menschen Hass, Gewalt und Verachtung ausgesetzt werden.“ Sie habe sich das Video der Zwickauer Terrorzelle vorführen lassen, „etwas menschenverachtenderes, perfideres und infameres“ habe sie in ihrer Arbeit noch nicht gesehen.

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