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Fehler bei der NSU-Fahndung Das Wer-ist-Wer des Terrorismus

Eine Liste mit Adressen aus der Garage von Beate Zschäpe hätte die Ermittler auf die Spur des NSU führen können - wenn sie im Jahr 1998 beachtet worden wäre.

© dpa Die Zeugenbefragung im NSU-Untersuchungsausschuss offenbart folgenschwere Fehler bei der Fahndung nach den NSU-Terroristen

Kurz nach sechs Uhr morgens rücken Thüringer Schutzpolizisten und Kriminalisten am 26. Januar in einer Jenaer Garagenanlage an, um zwei Objekte zu durchsuchen. Es handelt sich um Nummer 5 und Nummer 6 im „Garagenverein an der Kläranlage e.V.“ im Stadtteil Lobeda. Die Beamten hoffen an diesem Wintermorgen im Jahre 1998 Sprengstoff zu finden, sowie Zünder und Kabel, die zum Bau von Rohr- und Kofferbomben verwendet wurden. Solche funktionstüchtigen, aber nicht gezündeten Vorrichtungen halten Jena zu diesem Zeitpunkt seit einigen Monaten in Atem.

Peter Carstens Folgen:

In den beiden Garagen gehen drei stadtbekannte Neonazis aus und ein, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Es gibt Indizien, die besagen, das sich hier die Bombenwerkstatt befindet. Das Schloss von Nummer 5 geht nicht auf. Die Feuerwehr muss gerufen werden. Auch die Garage Nummer 6 wird durchsucht. Darin hat Böhnhardt sein Auto geparkt und fährt es bereitwillig heraus. Böhnhardt ist bei der Durchsuchung anfangs anwesend. Aber er weiß auch, was die Beamten finden werden, sobald sie erst das Schloss von Nummer 5 überwunden haben: Vier fertige Rohrbomben, 1,3 Kilo TNT-Sprengstoff, Kabel und allerlei Nazi-Propaganda.

Der junge Neonazi, vorbestraft und vor dem Vollzug einer Gefängnisstrafe, nutzt die allgemeine Warterei, um sich irgendwann zwischen 8.30 und 9.00 Uhr mit seinem Auto aus dem Staub zu machen. Niemand erinnert sich später genau, keiner hält ihn auf, keiner folgt ihm. Es ist das letzte Mal, das einer der drei mutmaßlichen Terroristen vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) gesehen wird. 13 Jahre später, am 4. November 2011, sterben Böhnhardt und sein Komplize Mundlos nach einem Bankraub bei Eisenach in einem Wohnmobil, mutmaßlich durch Selbstmord. Beate Zschäpe, über deren Konto 1998 die Garagenmiete überwiesen wurde, stellt sich ein paar Tage später.

Als der braune Terror Deutschland schockte: Ein Jahr nach dem Auffliegen des NSU Fahndungsbilder aus dem Jahre 1998: Das NSU-Terrortrio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos © dapd Bilderstrecke 

Bei der Suche nach den drei mutmaßlichen Rechtsterroristen sind viele Fehler passiert. Einer der folgenschweren unterlief nicht den vielgescholtenen Verfassungsschützern, sondern der Polizei, wie die SPD-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss, Eva Högl, sagt. Es geht um das Asservat 23.6.1 und den Inhalt eine Plastiktüte mit der Asservatennummer „20 A 3“. Gefunden, angeschaut und ohne weitere Nachforschungen aussortiert wurden sie im Februar 1998 von Mitarbeitern des Landeskriminalamtes Thüringen und Spezialisten des Bundeskriminalamtes (BKA), die eigens nach Thüringen gereist waren, um die Fahndung nach den „Drillingen“ zu unterstützen.

Die Schriftstücke, die von der Ermittlungsgruppe „TEX“ unter ihrem Einsatzleiter Jürgen Dressler im „Garagenverein e.V.“ beschlagnahmt wurden, wären die „Blaupause für die Fahndung“ gewesen. Sie läsen sich wie „eine Art Landkarte der späteren Tat- und Fluchtorte“, glaubt der Unions-Obmann und frühere Polizist Clemens Binninger.

Doch das sah Michael B., Kriminalhauptkommissar beim BKA, seinerzeit anders. Vielleicht war er auch bloß in Eile. Oder er dachte, ein Kollege werde sich darum kümmern. B., damals 43 Jahre alt und seit sechs Jahren im Referat ST 24 mit Rechtsextremismus befasst, war ein erfahrener Ermittler. Im Wechsel mit zwei Wiesbadener Kollegen reiste er Anfang 1998 für zwei Wochen nach Erfurt, um die dortigen Kriminalisten im Landeskriminalamt zu unterstützen. Am 16. Februar, drei Wochen nach der Flucht des Trios, schaut er sich, offenbar als erster Bearbeiter, eine Adressliste an. Er findet sie uninteressant.

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