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Veröffentlicht: 10.12.2011, 16:40 Uhr

Brandserie in Völklingen Elf sonderbare Brände

In Völklingen wird die Kritik an Polizei und Behörden lauter. Aber nur hinter vorgehaltener Hand – aus Angst vor einem Skandal. Warum wurde weggeschaut?

von und
© rup Einsatz: Nicht nur dieses Haus brannte in der Augustnacht im Jahr 2007

Die Brandnacht von Völklingen begann um 2.57 Uhr in der Früh. Als die Feuerwehr in der Ludweiler Straße im Ortsteil Wehrden eintraf, stand der erste Stock eines Wohnhauses in Flammen. Die 14 aus Italien und der Türkei stammenden Bewohner mussten über Leitern gerettet werden. Keine Stunde später, um 3.47 Uhr, erhielt die Feuerwehr den Hinweis, dass es in der Bismarckstraße brannte. Im Hinterhof eines Einfamilienhauses stieg Rauch aus der Garage.

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Die Flammen drohten auf das Obergeschoss überzugreifen. Die türkischstämmigen Mieter konnten sich selbst in Sicherheit bringen. Bei der Völklinger Feuerwehr herrschte schon Alarmzustand, als ein Anrufer um 3.51 Uhr einen weiteren Brand meldete, nur wenige hundert Meter von der Bismarckstraße entfernt. Am Alten Markt brannte ein Wohnhaus bis auf die Mauern nieder. In letzter Minute konnte die Feuerwehr die türkischen Bewohner retten. Eine Frau, zwei Männer und fünf Kinder waren vor den Flammen auf einen Balkon und einen Fenstervorsprung geflüchtet.

NPD so stark wie die Grünen

So begann in Völklingen, der mit etwa 40.000 Einwohnern viertgrößten Stadt des Saarlands, der 5. August 2007. Für die Polizei stand schnell fest, dass in allen drei Fällen Brandstifter am Werk waren. Besonders heimtückisch ging der Täter am Alten Markt vor. Er nahm Todesopfer zumindest billigend in Kauf, als er mit angezündeten Brettern im Treppenhaus eine Feuerhölle entfachte und so den Fluchtweg versperrte. Zwar fehle eine „belegbare Verbindung“, dass ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen bestehe, sagte damals ein Polizeisprecher der „Saarbrücker Zeitung“ zwei Tage nach dem Inferno.

Doch zumindest im Fall der beiden im Stadtzentrum von türkischen Einwanderern bewohnten Häuser spreche der Minutenabstand zwischen den Bränden für einen gemeinsamen Täter. Hinweise auf ein ausländerfeindliches und rechtsextremes Motiv gebe es jedoch nicht.

Brand AlterMarkt © rup Vergrößern Das Haus am Alten Markt: Eine Frau, zwei Männer und fünf Kinder wurden gerettet

Eine sofort gebildete Sonderkommission „City“ aus elf Kripobeamten stellte ebenfalls keinen rechtsextremen Hintergrund fest. Nur ein Mann, der aus Liebeskummer an der Garage seiner ehemaligen Freundin gezündelt hatte, geriet ins Visier der Ermittler. Doch der Verdächtige hatte ein Alibi, die Ermittlungen wurden nach einigen Monaten eingestellt. Der Leiter der Polizeiinspektion Völklingen, Axel Busch, sagte Ende August 2007, dass sich der „Verdacht einer ausländerfeindlichen Straftat nicht erhärten ließ“. Diesen Verdacht hatten fast ausschließlich die Linkspartei und ein kostenloses Anzeigenblatt geäußert.

Die kategorische Aussage des örtlichen Polizeichefs verwunderte schon damals manchen in der Stadt, in der die rechtsextreme NPD bei der Kommunalwahl 2004 mit mehr als neun Prozent und fünf Abgeordneten in den Stadtrat eingezogen war. Trotz herber Verluste bei der Wahl fünf Jahre später hat die NPD immer noch zwei Vertreter im Stadtparlament. Damit ist sie in Völklingen genauso stark wie die Grünen.

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Quelle: wahlrecht.de
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