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Beate Zschäpe Die Frau und der Terror

Es gab eine Zeit, in der Beate Zschäpe nicht existierte. Nun wird sie als einzige Überlebende des NSU angeklagt - Sie ist das Gesicht des Terrors. Doch wer ist diese Frau, die sich bald vor Gericht verantworten muss?

© dapd Vergrößern Der NSU: Die rechtsextremistischen Terroristen Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt (von links) im Jahr 2004

Bis zum 8. November 2011, als sie sich der Polizei in Jena stellte, ist Beate Zschäpe eine Person gewesen, die es in der Öffentlichkeit nicht gab. In den Jahren, in denen sie mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt abgetaucht war, gab es in der Öffentlichkeit nur Lisa Dienelt, Susann Dienelt und die anderen Tarnidentitäten, unter denen sie auftrat.

Albert Schäffer Folgen:    

Schärfer könnte der Kontrast nicht sein zu der Zeit nach dem 8. November: Seither wird jeder Facette ihrer Biographie nachgespürt, wird versucht, jeden Winkel ihres Lebens auszuleuchten. Sie ist eine öffentliche Person geworden - das Gesicht der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, den Neonazis, die aus Hass mutmaßlich zehn Menschen ermordeten.

Infografik / NSU / Mutmaßliche Straftaten 1997 bis 2004 © F.A.Z. Vergrößern

Die deutlichsten Konturen haben die Kinder- und Jugendjahre von Beate Zschäpe in Jena. Christian Fuchs und John Goetz, die Autoren des Buches „Die Zelle“, kommen ihr in dieser Zeit recht nahe; die Quellenlage ist mit Berichten von Freunden und Weggefährten, mit Aktenauszügen und Bilddokumenten relativ gut. Die Bedingungen, unter denen ihr Leben begann, sind beklemmend: Ihre Mutter, eine 22 Jahre alte Studentin der Zahnmedizin, wurde am 2. Januar 1975 mit Verdacht auf eine Nierenkolik in Jena ins Krankenhaus eingeliefert.

Eine familiäre Odyssee

Schnell stellte sich heraus, dass Annerose A. in den Wehen lag; das Kind Beate wurde an diesem Tag geboren. Bald ging Annerose A. wieder nach Rumänien, nach Bukarest, wo sie studierte. Ob ein rumänischer Kommilitone Beate Zschäpes Vater war, wurde nie richtig geklärt; dass später ihre Triebfeder der Hass auf Ausländer wurde, ist eine der vielen bestürzenden Facetten ihrer Biographie.

Der Säugling wurde von der Großmutter in Jena betreut, kam im Alter von zwölf Wochen in die Kinderkrippe. Noch im gleichen Jahr heiratete Annerose A. einen Jugendfreund aus der Nachbarschaft, der schon vor der Hochzeit das Kleinkind zu sich holte und zusammen mit seiner Mutter betreute.

Im Sommer 1976 beendete Annerose A. das Studium in Bukarest und kam nach Jena zurück. Die Ehe zerbrach. Für das Kleinkind setzte sich die familiäre Odyssee fort. Die Mutter heiratete wieder, das Kind erhielt den Namen des neuen Mannes; auch diese Ehe scheiterte. Es war eine Kindheit ohne emotionale Sicherheit, bis auf die Bindung zur Großmutter.

Autoritäten und Werte implodierten

Sie sei ein „Omakind“ gewesen, soll Beate Zschäpe, nachdem sie sich der Polizei gestellt hatte, gesagt haben. In der Untersuchungshaft wurde sie von der Kölner JVA, in der sie untergebracht ist, für kurze Zeit in eine Haftanstalt in der Nähe der greisen Großmutter verlegt, damit sich die beiden Frauen noch einmal sehen konnten.

Beate Zschäpe war ein Teenager, als die DDR unterging und die bis dahin geltenden Autoritäten und Werte implodierten. Die Mutter, die trotz ihrer Ausbildung als Zahnärztin als Buchhalterin beim VEB Carl Zeiss Jena beschäftigt war, verlor ihre Arbeit.

In ihrem Buch schildern Goetz und Fuchs, dass sich Beate Zschäpe im letzten Jahr der DDR zunächst einer Gruppe anschloss, die sich „Die Zecken“ nannte und sich politisch links verstand - links mehr als Ausdruck jugendlichen Aufbegehrens denn als ideologische Orientierung. Später lernte sie Uwe Mundlos kennen - und ihr Weg in die Wahnwelt des Rechtsextremismus, des Hasses und des Mordens begann.

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