Home
http://www.faz.net/-gpg-ve3o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rechtsextremismus Überfall auf Iraker in Magdeburg

27.08.2007 ·  Eine Woche nach den Vorfällen in Sachsen und Rheinland-Pfalz ist abermals ein Ausländer aus rassistischen Motiven verprügelt worden. In Magdeburg wurde ein 36 Jahre alter Iraker misshandelt und mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Eine Woche nach den ausländerfeindlichen Vorfällen in Sachsen und Rheinland-Pfalz ist in Magdeburg ein Iraker aus rassistischen Motiven verprügelt worden. Der 36-Jährige war der Polizei zufolge am Wochenende an einer Straßenbahnhaltestelle mit einem Baseballschläger auf den Kopf geschlagen worden.

Der unbekannte Täter habe seinen Hund auf den Iraker gehetzt und ihn mit ausländerfeindlichen Parolen geschmäht, teilte die Polizei mit. Das Opfer habe eine Platzwunde am Kopf erlitten. Eine Zeugin habe die Polizei gerufen.

„Feige und brutal“

Die Magdeburger Grünen verurteilten den Angriff als „feige und brutal“. „Wir fordern, dass alle Möglichkeiten genutzt werden, den Täter zu identifizieren, ihn festzunehmen und das Strafmaß voll auszuschöpfen“, sagte Stadtrat Sören Herbst, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Magdeburger Stadtrat. Der Vorfall zeige, dass dumpfe Gewaltausbrüche von Rechts nach wie vor ein akutes Problem in der Landeshauptstadt sind. Umso wichtiger sei es, Neonazis und rechten Schlägern mit einer „Null-Toleranz-Strategie“ zu begegnen und konsequent gegen rechtes Gedankengut vorzugehen.

In Magdeburg gebe es dafür genügend Ansatzpunkte. So müsse der braune Szenetreff „Standarte 26“ geschlossen bleiben und die leer stehende Baracke sogar abgerissen werden, wenn das Vorgehen der Stadtverwaltung gegen die rechtswidrige Nutzung durch die rechte Szene gerichtlich bestätigt ist.

Niemand half den Opfern von Mügeln

Erst vor wenigen Tagen hatten zwei Angriffe auf Ausländer mit rassistischem Hintergrund für Aufsehen gesorgt. Im sächsischen Mügeln hetzten dutzende Deutsche acht Inder durch die Kleinstadt. Auf einem Weinfest in Guntersblum bei Mainz verletzten Mitglieder der rechten Szene zwei Afrikaner schwer.

Für den mutmaßlichen Haupttäter des Vorfalls in Rheinland-Pfalz wurde inzwischen wegen Fluchtgefahr Untersuchungshaft angeordnet, wie die Mainzer Staatsanwaltschaft mitteilte. Der zweite Verdächtige im Alter von 26 Jahren befindet sich hingegen wieder auf freiem Fuß. Der Haftbefehl gegen ihn sei unter Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, da keine Fluchtgefahr bestehe. Er sei Im Gegensatz zu dem 29-Jährigen bislang nicht durch Straftaten aufgefallen. Der Vorfall wurde erst am Freitagabend bekannt gegeben, nachdem die Verdächtigen festgenommen worden waren. Als Grund für die späte Veröffentlichung nannten die Sicherheitsbehörden ermittlungstaktische Gründe.

Im Gegensatz zu dem Vorfall in Guntersblum kam den Opfern von Mügeln niemand zu Hilfe. In der rheinland-pfälzischen Kleinstadt sprang ein beherzter Bürger den Afrikanern zur Seite. Einer von ihnen sagte laut „Bild am Sonntag“: „Der Mann hat unser Leben gerettet.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen