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Rechtschreibreform Nicht nur Beifall für Stoiber und Rüttgers

16.07.2005 ·  Hessen, Sachsen und Thüringen reagieren ungerührt auf die Ankündigung Bayerns und Nordrhein-Westfalens, die für den 1. August geplante verbindliche Einführung der Rechtschreibreform nicht mitzumachen.

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Auf den Vorstoß der Ministerpräsidenten Bayerns und Nordrhein-Westfalens, Edmund Stoiber (CSU) und Jürgen Rüttgers (CDU), die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform nicht zum 1. August verbindlich einzuführen, haben die übrigen CDU-regierten Bundesländer am Samstag unterschiedlich reagiert.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, aus „schulpraktischen und pädagogischen Gründen“ sei eine zeitlich befristete Beibehaltung der gegenwärtigen Übergangsregelung besser als die beschlossene Neuregelung. Das niedersächsische Kabinett werde am Dienstag darüber beraten und die niedersächsische Position festlegen.

„Verbindlichkeit statt Beliebigkeit“

„Verbindlichkeit statt Beliebigkeit ist bei der Rechtschreibung von entscheidender Bedeutung“, sagte Wulff. „Den Schulen sollte zu gegebener Zeit eine fertige Regelung und kein Stückwerk präsentiert werden.“ Dafür sei der Rat für deutsche Rechtschreibung die richtige Institution.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, er halte „eine rasche Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten für erforderlich“. Er wolle sich Anfang kommender Woche mit seinen Kollegen Stoiber und Rüttgers sowie anderen Ministerpräsidenten beraten. Hessen, Sachsen und Thüringen wollen hingegen bei dem bleiben, was die Kultusministerkonferenz einstimmig beschlossen hat, und die unstrittigen Teile der Reform zum 1. August einführen. Das sagten Sprecher der drei Landesregierungen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die ehemalige Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD), sagte dem Blatt, sie habe „kein Verständnis für das Vorgehen Bayerns und Nordrhein-Westfalens“.

Bayern und Nordrhein-Westfalen warten, bis der Rat für deutsche Rechtschreibung in den nächsten Monaten seine Empfehlungen für Korrekturen an dem seit Jahren umstrittenen Regelwerk vorlegt. Damit stellen sich die Ministerpräsidenten Stoiber und Rüttgers gegen die Kultusministerkonferenz.

KMK-Präsidentin „verwundert“

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Johanna Wanka (CDU), hat die Ankündigung kritisiert. Sie sei darüber „in höchstem Maße verwundert“, sagte Wanka, Kulturministerin in Brandenburg. Sollten die Länder dabei bleiben, drohe im deutschen Sprachraum ein „Sprachföderalismus“. Wanka unterstrich, die Ministerpräsidenten hätten im vergangenen Jahr einstimmig beschlossen, daß die unstrittigen Teile der Reform zum 1. August in Kraft treten sollen. Dies habe ihr der damalige amtierende Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Klaus Wowereit (SPD), auch schriftlich bestätigt. Dabei hätten die Regierungschefs selbst definiert, daß die Bereiche Interpunktion, Silbentrennung am Satzende und Groß- und Kleinschreibung noch einmal überprüft werden sollen.

Der Rat, ein 39köpfiges Expertengremium, war von der KMK nach heftiger öffentlicher Kritik an dem neuen Regelwerk eingesetzt worden. Für Kernbereiche der Reform hatte der Rat bereits weitreichende Veränderungsvorschläge gemacht oder angekündigt. Sie laufen auf die Revision vieler neuer Regeln hinaus. Deshalb hatte die KMK am 2. Juni beschlossen, die Reform nur teilweise einzuführen. Die vom Rechtschreibrat beanstandeten Bereiche Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und Zeichensetzung sollten erst später in die Neuregelung eingefügt werden. Allerdings hatte der Vorsitzende des Rates, der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU), erheblich mehr Korrekturbedarf angemeldet, beispielsweise bei der Groß- und Kleinschreibung und der Schreibung von Fremdwörtern. Genau diese Teile erklärte die KMK jedoch für unstrittig und ab August für verbindlich. Schulen und Behörden hätten sich dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder umstellen müssen.

Übergangsfrist „bis auf weiteres verlängern“

„Der Spiegel“ berichtete, daß Bayern die bisher geltende Übergangsfrist, in der außer den neuen auch die alten Schreibweisen gültig waren, „bis auf weiteres verlängern“ will. Dieser Entscheidung habe sich auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident angeschlossen. „Wir wollen den Empfehlungen des Rates zum Erfolg verhelfen“, sagte Rüttgers dem Magazin.

Der Rat will bis Sommer 2006 die noch strittigen Reformteile überarbeitet haben. Dabei soll nicht das Regelwerk, sondern der Sprachgebrauch in den Mittelpunkt gerückt werden. „Im Rat ist der Konsens da, daß man dem Volk aufs Maul schauen muß“, sagte der Ratsvorsitzende Zehetmair Anfang Juli.

Quelle: FAZ.NET mit Material von F.A.S., dpa, AFP, ddp
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