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Rassistische Äußerungen : Gauland bestreitet Beleidigung von Boateng

  • Aktualisiert am

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland im April beim Bundesparteitag in Stuttgart. Bild: dpa

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Gauland will den Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng nie beleidigt haben. „Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten“, teilte er mit. Die Aufzeichnungen der F.A.S.-Korrespondenten beweisen jedoch das Gegenteil.

          Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat den Vorwurf zurückgewiesen, den Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng fremdenfeindlich beleidigt zu haben. „Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten“, teilte Gauland am Sonntag in einer Pressemitteilung mit. Zuvor hatte ihn die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (F.A.S.) mit dem Satz zitiert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Gauland behauptet nun, er habe in einem vertraulichen Hintergrundgespräch die Einstellung mancher Menschen beschrieben, „aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind“.

          Dazu nimmt die Politik-Redaktion der F.A.S. wie folgt Stellung:

          „Die Äußerung von Herrn Gauland zu Jerome Boateng stammt aus einem Gespräch, das Herr Gauland mit den Berliner Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Eckart Lohse und Markus Wehner am Mittwoch in Potsdam geführt hat. Beide Kollegen haben die Passage aufgezeichnet, ihre Aufzeichnungen stimmen überein. Wie in früheren Gesprächen auch bestand Herr Gauland nicht auf einer Autorisierung von Zitaten. Herr Gauland stufte nur den Teil des Gesprächs, in dem er sich über AfD-Führungspolitiker äußerte, als Hintergrund ein und bat, daraus nicht zu zitieren. Daran hat sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gehalten.“

          Schon vorher hatte die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry sich bei Boateng entschuldigt und verwies auf Erinnerungslücken ihres Stellvertreters: „Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist, sagte Petry der „Bild“-Zeitung.

          Auf Twitter schrieb sie dazu noch, Boateng sei „ein Klasse-Fußballer und zu Recht Teil der deutschen Nationalmannschaft“. Sie freue sich auf die Europameisterschaft, so Petry auf dem Kurznachrichtendienst weiter.

          Bundesjustizminister Heiko Maas reagierte auf Twitter auf die Äußerungen von Gauland. Der AfD-Politiker habe sich damit selbst diqualifziert, vor allem als Nachbar, so Maas auf dem Kurznachrichtendienst.

          In die gleiche Kerbe schlug auch Julia Klöckner, die ebenfalls auf Twitter schrieb, sie habe lieber Boateng als Gauland zum Nachbarn. Die Beleidigungen seien das typische Muster, mit dem die AfD vorgehe. Erst beleidige und provoziere sie, um das dann später zu relativieren.

          Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der FC Bayern München verurteilten die Äußerung von Gauland. „Diskriminierungen jeder Art haben im Sport und in unserer Gesellschaft nichts verloren und verdienen die Rote Karte“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Meisters, am Sonntag in einer Stellungnahme auf der Internetseite der Bayern. Boateng sei „ein wunderbarer Mensch und ein vorbildlicher Fußballprofi unseres Vereins. Wir sind stolz, dass er auch für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt“, betonte Rummenigge.

          Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert wurden in einer gemeinsamen Mitteilung unter anderem mit den Worten zitiert: „Jérôme Boateng genießt sportlich und menschlich die volle Unterstützung des gesamten deutschen Profi-Fußballs. Die Aussage, man wolle ihn nicht als Nachbarn haben, ist unverantwortlich.“ Die Äußerungen dienten „vor allem dazu, auf gefährliche Weise gezielt Vorurteile zu bedienen und auf dem Rücken eines prominenten Fußball-Spielers Politik zu machen“, hieß es.

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