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Veröffentlicht: 22.12.2013, 08:40 Uhr

Randale in Hamburg Autonome verletzen 120 Polizisten

Eine Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ in Hamburg ist eskaliert. 120 Polizisten wurden verletzt, 19 von ihnen schwer.

© dpa Die Fahne hoch: Kurz vor den Ausschreitungen Ende Dezember vor dem Kulturzentrum „Rote Flora“

Bei den Krawallen nach der Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ in Hamburg sind 120 Polizisten verletzt worden. Wie ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen mitteilte, erlitten 19 Beamte schwere Verletzungen. Die Polizei nahm insgesamt 21 Demonstranten fest. 320 Demonstranten seien während der Kundgebung vorläufig in Gewahrsam genommen und dann wieder freigelassen worden. Über das Ausmaß der angerichteten Sachschäden konnte der Sprecher zunächst keine detaillierten Angaben machen. Es sei damit zu rechnen, dass Anwohner im Laufe des Tages weitere Schäden meldeten.

Nach einer Kundgebung für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ hatten sich Demonstranten und Polizisten Straßenschlachten geliefert. Die Polizei sperrte zeitweilig die Reeperbahn und räumte den gesamten Kiez. Bis zum Abend waren nach Polizei-Angaben mehr als 80 Polizisten verletzt, auch Aktivisten trugen Verletzungen davon, mehrere wurden festgenommen.

„Solche Gewaltausbrüche hatten wir schon lange nicht mehr“, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Das Besondere: Es habe keinerlei Rücksicht auf die Gesundheit von Polizisten und Unbeteiligten gegeben. „Das ist ungewöhnlich und neu.“

Demonstranten: Polizei ist Schuld

Die Organisatoren der Demonstration gaben der Polizei die Schuld. „Die  Eskalation war offenbar politisch gewollt, um die Durchführung der Bündnisdemonstration gänzlich zu unterbinden“, schrieben sie in einer Stellungnahme. „Das Agieren der Polizei hingegen stellt den skandalösen politischen Versuch dar, das Versammlungsrecht auszuhebeln.“ Demonstranten klagten auch über das Vorgehen der mehr als 2000 Beamten, die teilweise  Pfefferspray einsetzten. „Die Polizei war sehr aggressiv und hat übertrieben“, sagte einer der Demonstranten. „Das Auftreten der Polizei ist schon sehr krass. So unkontrolliert und nervös haben wir es nicht erwartet“, sagt ein anderer.

Ausschreitungen nach Demonstration im Schanzenviertel © dpa Vergrößern Ein Polizist hat einen Farbbeutel abbekommen.

Am späten Nachmittag hatten die Randale begonnen. Böller und Rauchbomben regneten auf Polizisten nieder, als Reaktion setzten die Beamten Wasserwerfer ein. Die Ouvertüre eines hochexplosiven Tages in Hamburg, an dessen Ende die Straße rund um das linke Kulturzentrum „Rote Flora“ schlimmer als nach einer Silvesternacht aussah.

Die Straße war mit Scherben übersät, Straßenschilder sind umgeknickt, Dutzende Steine aus dem Pflaster gerissen, Biertischgarnituren demoliert und die Scheiben eines Drogeriemarktes zerstört. Und als die Polizei den Protestzug auflöste, versprach einer der Redner auf dem Demonstrationswagen der aufgebrachten Menge: „Das heute ist nicht das Ende, das ist erst der Anfang.“

Es geht nicht nur um die Zukunft der „Roten Flora“

Gleich mehrere Konfliktthemen, die seit Wochen in der Hansestadt leidenschaftlich diskutiert werden, standen im Mittelpunkt des Protesttages: Es ging um die Zukunft der „Roten Flora“, den Erhalt der Esso-Häuser, den allgemeinen Wohnungsmangel und die Lage der Lampedusa-Flüchtlinge. „Die Stadt gehört allen“, war eines der Leitmotive der rund 7300 überwiegend aus dem linken politischen Spektrum stammenden Teilnehmer.

Als sich die ersten Demonstranten am frühen Nachmittag vor der „Roten Flora“ versammelten, war die Stimmung noch friedlich. Anwohner ließen Konfetti auf die Menge rieseln, Familien mit kleinen Kindern mischten sich unter die Protestierenden, es dröhnte Musik vom Demonstrationswagen. Doch als sich dann kurz vor 15 Uhr vermummte Linksautonome im Schwarzen Block an der Spitze des Demonstrationszugs versammelten, kippte die Stimmung. Kurz danach herrschte Ausnahmezustand im gesamtem Schanzenviertel. Wer nicht die direkte Konfrontation suchte, rettete sich in Hauseingänge und Kneipen oder sucht das Weite.

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Quelle: wahlrecht.de
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