Home
http://www.faz.net/-gpg-75yaq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Rainer Brüderle Halb zog er ihn, er sank nicht hin

Nach endlosen Querelen bleibt Philipp Rösler Vorsitzender der FDP. Brüderle habe das Amt auch nie gewollt, heißt es nun. Doch es gibt noch andere Versionen der Geschichte.

© dapd Vergrößern Gesicht und Kopf: Als „Spitzenmann“ soll Rainer Brüderle die FDP in den Wahlkampf führen.

Einen Tag nach der Neuverteilung politischer Gewichte und Aufgaben in der Parteiführung bemüht sich die FDP darum, den Eindruck zu vermitteln, die Personaldebatten seien beendet. Zugleich werden in der Partei Folgerungen aus der Niedersachsen-Wahl erörtert, die das Verhältnis zur Union betreffen.

Peter Carstens Folgen:  

Der FDP-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, sagte der „Westdeutschen Zeitung“ am Dienstag: „Wir haben eine überraschende personelle Verstärkung beschlossen.“ Rainer Brüderle werde neben Rösler „der zentrale Botschafter unseres Programms sein“.Jetzt konzentriere sich die FDP auf Sachthemen. Der Vorsitzende der Sachsen-FDP, Holger Zastrow, sagte der Chemnitzer „Freien Presse“, er sei gegen einen vorgezogenen Parteitag gewesen.

Aber die Kritiker seien auch nach dem Wahlerfolg der Rösler-Anhänger in Niedersachsen nicht verstummt. Da sei es nun besser, den Parteitag vorzuziehen, „um die Reihen zu schließen“. Röslers Angebot an Brüderle sei eine „ehrenvolle Geste“ gewesen und zeige, dass er „nicht von Eitelkeit zerfressen“ sei. Die nun angestrebte Lösung sei die beste, es sei „gut, wenn sich verschiedene Talente addieren“, sagte Zastrow.

„Spitzenmann“ für den Wahlkampf

Der Parteivorsitzende Rösler hatte am Montag die Führungsgremien mit dem Angebot an den Fraktionsvorsitzenden Brüderle überrascht, dieser könne den Parteivorsitz übernehmen, wenn er wolle. Brüderle hatte das abgelehnt und war dann von Rösler und den Parteigremien zum „Spitzenmann“ für den Wahlkampf vorgeschlagen worden.

Brüderle beendete durch seine unerwartete Reaktion Spekulationen und Pläne, die eine rasche Ablösung des in der Partei umstrittenen und in der Öffentlichkeit geringgeschätzten Parteivorsitzenden vorsahen. Die Überraschung derer, die Brüderle in den vergangenen Monaten als ihren Kandidaten für den Vorsitz ins Gespräch gebracht hatten, rührte möglicherweise von einer andauernden Missdeutung der Motive des Fraktionsvorsitzenden her.

Jedenfalls hatte Brüderle Rösler geantwortet, sein Bemühen habe einer Beendigung der Führungsdebatte gegolten, nicht einem eigenen Bestreben, Rösler abzulösen. Dennoch war der FDP-Politiker in den vergangenen Wochen offenbar so verstanden worden, als stehe er bereit.

Gute Gründe gegen Kandidatur

Diesen Eindruck hatte er selbst durch ein Fernsehinterview, zwei Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen, verstärkt. Darin hatte er von einer „neuen Führung“ und dem „amtierenden Parteivorsitzenden“ gesprochen. Das Interview, das für helle Aufregung in der Partei gesorgt hatte, war als weiterer Schritt auf eine bevorstehende Ablösung Röslers hin verstanden worden.

Zugleich hat Brüderle selbst nie öffentlich oder in Hintergrundgesprächen seine Kandidatur in Aussicht gestellt. Im Gegenteil, hatte es auch in seiner Umgebung seit langem geheißen, Brüderle wolle das nicht und habe dafür gute Gründe, politische und auch private. Dass andere, nur möglicherweise Wohlmeinende ihn ins Gespräch gebracht hätten, sei deren Sache gewesen.

Der seit Jahrzehnten in der Politik agierende Fraktionsvorsitzende habe vorausgesehen, wie gering der öffentliche Kredit für ihn als neuen Parteivorsitzenden sein würde, wenn er im Amt wäre. Das habe ihn seine Erfahrung aus den ersten Monaten als Wirtschaftsminister gelehrt. Dort war er zunächst mit großer Geringschätzung bedacht worden, ehe er durch die entschlossene und ordnungspolitisch fundierte Ablehnung von staatlichen Hilfen für Opel an Respekt und Ansehen gewann.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vor dem CDU-Parteitag Eine Dame ohne Unterleib

Auf dem CDU-Parteitag in Köln entscheidet sich, ob die Partei einen Generationenwechsel wagt – und ob Angela Merkel noch in allen Details die Parteilinie bestimmt. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

08.12.2014, 10:34 Uhr | Politik
AfD und FDP wollen den Sprung schaffen

Sowohl der Spitzenkandidat der Liberalen, Holger Zastrow, als auch Frauke Petry von der AfD zeigen sich vor der Landtagswahl am Sonntag zuversichtlich. Umfragen sehen die AfD in Sachsen zwischen sechs und acht Prozent. Mehr

27.08.2014, 17:50 Uhr | Politik
Entlastung bis 2017 geplant CDU findet Kompromiss im Steuerstreit

Die CDU-Spitze hat sich darauf geeinigt, noch vor 2017 mit einem Abbau der sogenannten kalten Progression zu beginnen. Eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag konnte Angela Merkel damit abwenden. Der Plan steht allerdings unter einem Vorbehalt. Mehr

08.12.2014, 17:52 Uhr | Wirtschaft
Rainer Maria Rilke: Todeserfahrung

Caroline Peters rezitiert Todeserfahrung von Rainer Maria Rilke. Mehr

10.10.2014, 16:08 Uhr | Feuilleton
CDU-Bundesparteitag Ein Augenblick des Triumphs

Bundeskanzlerin Merkel und ihre CDU sind auf dem Parteitag einander so innig verbunden wie nie. Da stellt sich prompt die Frage, wie die Partei wohl ohne sie aussähe. Mehr Von Johannes Leithäuser

09.12.2014, 17:36 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.01.2013, 19:08 Uhr