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Rainer Brüderle Halb zog er ihn, er sank nicht hin

Nach endlosen Querelen bleibt Philipp Rösler Vorsitzender der FDP. Brüderle habe das Amt auch nie gewollt, heißt es nun. Doch es gibt noch andere Versionen der Geschichte.

© dapd Vergrößern Gesicht und Kopf: Als „Spitzenmann“ soll Rainer Brüderle die FDP in den Wahlkampf führen.

Einen Tag nach der Neuverteilung politischer Gewichte und Aufgaben in der Parteiführung bemüht sich die FDP darum, den Eindruck zu vermitteln, die Personaldebatten seien beendet. Zugleich werden in der Partei Folgerungen aus der Niedersachsen-Wahl erörtert, die das Verhältnis zur Union betreffen.

Peter Carstens Folgen:  

Der FDP-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, sagte der „Westdeutschen Zeitung“ am Dienstag: „Wir haben eine überraschende personelle Verstärkung beschlossen.“ Rainer Brüderle werde neben Rösler „der zentrale Botschafter unseres Programms sein“.Jetzt konzentriere sich die FDP auf Sachthemen. Der Vorsitzende der Sachsen-FDP, Holger Zastrow, sagte der Chemnitzer „Freien Presse“, er sei gegen einen vorgezogenen Parteitag gewesen.

Aber die Kritiker seien auch nach dem Wahlerfolg der Rösler-Anhänger in Niedersachsen nicht verstummt. Da sei es nun besser, den Parteitag vorzuziehen, „um die Reihen zu schließen“. Röslers Angebot an Brüderle sei eine „ehrenvolle Geste“ gewesen und zeige, dass er „nicht von Eitelkeit zerfressen“ sei. Die nun angestrebte Lösung sei die beste, es sei „gut, wenn sich verschiedene Talente addieren“, sagte Zastrow.

„Spitzenmann“ für den Wahlkampf

Der Parteivorsitzende Rösler hatte am Montag die Führungsgremien mit dem Angebot an den Fraktionsvorsitzenden Brüderle überrascht, dieser könne den Parteivorsitz übernehmen, wenn er wolle. Brüderle hatte das abgelehnt und war dann von Rösler und den Parteigremien zum „Spitzenmann“ für den Wahlkampf vorgeschlagen worden.

Brüderle beendete durch seine unerwartete Reaktion Spekulationen und Pläne, die eine rasche Ablösung des in der Partei umstrittenen und in der Öffentlichkeit geringgeschätzten Parteivorsitzenden vorsahen. Die Überraschung derer, die Brüderle in den vergangenen Monaten als ihren Kandidaten für den Vorsitz ins Gespräch gebracht hatten, rührte möglicherweise von einer andauernden Missdeutung der Motive des Fraktionsvorsitzenden her.

Jedenfalls hatte Brüderle Rösler geantwortet, sein Bemühen habe einer Beendigung der Führungsdebatte gegolten, nicht einem eigenen Bestreben, Rösler abzulösen. Dennoch war der FDP-Politiker in den vergangenen Wochen offenbar so verstanden worden, als stehe er bereit.

Gute Gründe gegen Kandidatur

Diesen Eindruck hatte er selbst durch ein Fernsehinterview, zwei Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen, verstärkt. Darin hatte er von einer „neuen Führung“ und dem „amtierenden Parteivorsitzenden“ gesprochen. Das Interview, das für helle Aufregung in der Partei gesorgt hatte, war als weiterer Schritt auf eine bevorstehende Ablösung Röslers hin verstanden worden.

Zugleich hat Brüderle selbst nie öffentlich oder in Hintergrundgesprächen seine Kandidatur in Aussicht gestellt. Im Gegenteil, hatte es auch in seiner Umgebung seit langem geheißen, Brüderle wolle das nicht und habe dafür gute Gründe, politische und auch private. Dass andere, nur möglicherweise Wohlmeinende ihn ins Gespräch gebracht hätten, sei deren Sache gewesen.

Der seit Jahrzehnten in der Politik agierende Fraktionsvorsitzende habe vorausgesehen, wie gering der öffentliche Kredit für ihn als neuen Parteivorsitzenden sein würde, wenn er im Amt wäre. Das habe ihn seine Erfahrung aus den ersten Monaten als Wirtschaftsminister gelehrt. Dort war er zunächst mit großer Geringschätzung bedacht worden, ehe er durch die entschlossene und ordnungspolitisch fundierte Ablehnung von staatlichen Hilfen für Opel an Respekt und Ansehen gewann.

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