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RAF-Prozess Begründete Mutmaßungen

Der Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker hat bisher nicht die absolute Wahrheit zutage gefördert, an die Michael Buback glaubt. Sie hat bisher geschwiegen, ob sie am Ende noch aussagen wird, ist unklar.

© dpa Vergrößern 7. April 1977: Der Tag, an dem Siegfried Bubacks Leben gewaltsam beendet und das seines Sohnes radikal geändert wurde

„Ich bringe sie dir alle.“ Diesen Satz soll Horst Herold gesagt haben, am 13. April 1977, an dem Tag des Staatsbegräbnisses und des Trauerakts für Siegfried Buback in Karlsruhe. Das Versprechen Herolds, des ehemaligen Chefs des Bundeskriminalamtes, ist bis zum heutigen Tag uneingelöst.

Rüdiger Soldt Folgen:  

1985 verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt wegen gemeinschaftlichen Mordes. Wer aber der Schütze war, der am Gründonnerstag 1977 auf Buback geschossen hat, ist bis heute ungeklärt. Seit Ende September 2010 verhandelt nun das Stuttgarter Oberlandesgericht über die Anklage gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Christiane Becker.

Zunächst fand der Prozess in der alten Mehrzweckhalle in Stuttgart-Stammheim statt. Dort, wo die großen RAF-Prozesse stattgefunden, wo Andreas Baader und Gudrun Ensslin die Richter einst als „Affen“ und „Faschisten“ beschimpft hatten, stand nun wohl zum letzten Mal eine Terroristin der RAF vor Gericht. Erinnerungen an die „bleierne Zeit“ wurden wach - an schwarzweiße Fernsehbilder von entführten Politikern, an die primitiven Parolen der RAF und die Hochrüstung des Staates gegen seine Feinde. Dabei liegt inzwischen sogar die Erklärung, mit der sich die RAF vom „bewaffneten Kampf“ verabschiedete, schon zwanzig Jahre zurück.

„Schützenden Hände“ über Frau Becker

Als „geistig unselbständiges, kontaktbereites Mädchen“ wurde die Angeklagte 1979 von der früheren Leiterin der Frauenvollzugsanstalt Frankfurt-Preungesheim beschrieben. Verena Becker war eines der wenigen RAF-Mitglieder proletarischer Herkunft. Mit Jeansjacke und Sonnenbrille betrat sie zum Auftakt des Prozesses den Saal. Die Justizvollzugsbeamten behandelten die Zuschauer zunächst so, als könnte der Staat immer noch in seinen Grundfesten von der RAF erschüttert werden.

Monika Haas als Zeugin im RAF-Prozess © dapd Vergrößern Verena Becker heute

Die Erwartungen an den Prozess waren groß, das Medieninteresse ebenso. Dazu hatte ein Chemieprofessor aus Göttingen beigetragen: Michael Buback, der Sohn Siegfried Bubacks. In seinem Buch „Der zweite Tod meines Vaters“ hatte Michael Buback im Wesentlichen mit zwei Thesen für Aufsehen gesorgt: Verena Becker sei es gewesen, die vom Sozius des damals schnellsten Motorrads der Welt, einer Suzuki GS 750, auf den Generalbundesanwalt geschossen habe. Diese Umstände der Tat seien bis heute nur unzureichend geklärt, weil der Staat seine „schützenden Hände“ über Frau Becker halte.

Der Staat, so Buback, habe die Terroristin geschützt, weil sie eine Zuträgerin des Verfassungsschutzes gewesen sei, vielleicht sogar schon seit den frühen siebziger Jahren. Der Bürger Buback tritt im Strafprozess als Nebenkläger auf. Die Bundesanwaltschaft hält Frau Becker, die heute 59 Jahre alt ist, nur für eine Mittäterin.

Wahrheit „mit Füßen getreten“

An mehr als 80 Verhandlungstagen ist Michael Buback in den vergangenen anderthalb Jahren, fast immer in Begleitung seiner Frau Elisabeth, von Göttingen nach Stuttgart gereist, hat im Gerichtssaal sein Notebook ausgepackt und als Nebenkläger umfänglich seine Thesen und die dazu passenden Fragen vorgetragen. Sein Aufklärungsinteresse richtet sich auch auf das Vorgehen der Bundesanwaltschaft, nicht selten ist die Stimmung zwischen Buback und der Oberstaatsanwältin Silke Ritzert sowie Bundesanwalt Walter Hemberger ziemlich gereizt. Einmal verlässt der Chemieprofessor den Verhandlungssaal, aufgelöst. An einem anderen Verhandlungstag platzt der Bundesanwältin der Kragen: Der Nebenkläger trage dazu bei, dass die Wahrheit „mit Füßen getreten“ werde.

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Veröffentlicht: 14.04.2012, 19:25 Uhr