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Räumung im Hambacher Forst : Unter Zwillenbeschuss

Mit einem Hubwagen versuchen die Polizisten einen Umweltaktivisten vom Baum zu holen. Bild: dpa

Im Hambacher Forst ist der Tag X für die Aktivisten früher gekommen als erwartet. Die Landesvorsitzende der Grünen spricht von „fadenscheinigen Argumenten“ für die Räumung. Die Vertriebenen greifen indes zur Böllern und Zwillen.

          Diesmal ist alles anders im Hambacher Forst. In langen Kolonnen fahren die Kleinbusse der Bereitschaftspolizei durch die Orte am Rand des Braunkohletagebaus Hambach zwischen Köln und Aachen. Dort, wo die alte Landstraße einige hundert Meter vor der Abbruchkante endet, haben sich am frühen Donnerstagmorgen die Hundertschaften gesammelt, die aus ganz Nordrhein-Westfalen und aus mehreren anderen Bundesländern angefordert wurden, auch die Bundespolizei hat Kräfte geschickt. Es ist einer der größten Polizeieinsätze in der jüngeren Geschichte Nordrhein-Westfalens. Wie gefährlich die Verantwortlichen die Lage einschätzen, wird schon auf dem Wirtschaftsweg zum Wald deutlich: Auch ein Zug der Berufsfeuerwehr Aachen hält sich bereit und ein halbes Dutzend Rettungswagen. Wie die Polizisten und die Feuerwehrleute tragen auch die Sanitäter schwere Schutzkleidung und Helme. Sicher ist sicher.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seit sechs Jahren besetzen Umweltaktivisten in wechselnder Besetzung den Hambacher Wald. Mehrere Hüttensiedlungen und rund 60 Baumhäuser haben die Aktivisten mittlerweile gebaut. Die Braunkohlegegner wollen verhindern, dass das Energieunternehmen RWE den Wald rodet. Schon seit einiger Zeit radikalisiert sich ein Teil der Besetzerszene. Regelmäßig greifen selbsternannte Klimaschützer Mitarbeiter des RWE-Werksschutzes und Polizeibeamte mit Böllern, Steinen und Molotowcocktails an. Seit Jahren geht das nun schon so. In diesem Herbst aber scheint sich die Lage zu einem Schlusskampf zuzuspitzen. Das hat damit zu tun, dass der Tagebau mittlerweile auf Sichtweite an den Wald herangerückt ist. Gut 3900 der einst 4100 Hektar hat RWE in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt abgeholzt. Das Unternehmen verweist darauf, dass es die Kohle unter dem Wald für seine Braunkohlekraftwerke braucht.

          RWE hat das Recht auf seiner Seite. Zuletzt hat das Kölner Verwaltungsgericht eine Klage des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) abgewiesen. Den gesamten Tagebau Hambach wiederum hat erst 2016 die damalige rot-grüne Landesregierung in einer sogenannten Leitentscheidung bestätigt. Seitdem ist die Sache eigentlich besiegelt. Doch die Braunkohlegegner glauben, einen neuen Hebel entdeckt zu haben. Solange die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ im Auftrag der Bundesregierung in Berlin auslotet, wie schnell ein sowohl sozial- als auch wirtschaftsverträglicher Ausstieg aus der Kohleverstromung gelingen kann, dürfe der Hambacher Forst nicht gerodet werden. Die anarchistischen Waldbesetzer argumentieren so, aber auch bürgerliche Protestgruppen aus der Region wie die Initiative Buirer für Buir, die großen Umweltverbände wie der BUND, Greenpeace – und auch die Grünen.

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