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Rad-WM Stuttgart hat viel zu verlieren

 ·  „Der Sport soll im Mittelpunkt stehen“, fordert Susanne Eisenmann. Die Stuttgarter Sportbürgermeisterin beschäftigt sich derzeit nur mit einem Thema: Die Doping-Diskussion rund um die Rad-WM. Von Rüdiger Soldt.

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Wenn Susanne Eisenmann öffentlich auftritt, geschieht dies zumeist schnörkellos. Man könnte sagen, die 42 Jahre alte Sportbürgermeisterin Stuttgarts und CDU-Politikerin verkörpere die württembergische Sachlichkeit, die im badischen Landesteil manchmal Anlass für Sottisen ist. Weil man Susanne Eisenmann die Freude am Machen geradezu ansieht, zweifelte auch niemand daran, dass sie die Straßenrad-Weltmeisterschaft abgesagt hätte, wenn der Radsportweltverband UCI die Anti-Doping-Vereinbarung nicht unterschrieben hätte. Das tat er inzwischen.

„Eine Chance auf eine dopingfreie WM haben wir nur, wenn es diese Maßnahmen gibt. Wir haben schon jetzt ein definitives Vermarktungsproblem“, hatte Frau Eisenmann vorher gesagt. Sponsoren wollten abspringen, der Ticketverkauf lief miserabel. Die Stadt wollte dem Radsport noch eine Chance geben, der Gemeinderat hatte einen entsprechenden Beschluss gefasst.

„Der Sport soll im Mittelpunkt stehen“

Die Sportbürgermeisterin wollte alles tun, um einen Imageschaden von der Landeshauptstadt abzuwenden. „Der Sport soll im Mittelpunkt stehen, nicht irgendwelche Razzien.“ Viel wert sind Ehrenerklärungen von Sportlern und Sportverbänden nicht, wie sich in der Vergangenheit mehrfach gezeigt hat. Für die Politiker sind sie aber, wenn es trotz Ehrenerklärungen Doping-Bekenntnisse und Razzien geben sollte, der nicht zu unterschätzende Nachweis, alle Hausaufgaben gemacht zu haben.

Stuttgart hat viel zu verlieren. Seit etwa zehn Jahren bemüht es sich, das Image der Langweilerstadt zwischen Wald und Reben abzustreifen. In diesem Jahr ist Stuttgart europäische Sporthauptstadt. Die Rad-WM ist nur eine von vier Weltmeisterschaften, die in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ausgetragen werden. Die Handball-WM im Frühjahr, die Standardtanz-WM im November und die Turn-Weltmeisterschaft Anfang September sollen eigentlich zu einem positiven Bild beitragen.

Die Grünen fordern Absage der Rad-WM

Das liegt Frau Eisenmann am Herzen. Sie ist in Bad Cannstatt geboren, hat in Stuttgart studiert und war als Büroleiterin des damaligen Fraktionsvorsitzenden Günther Oettinger in der Landespolitik einflussreich. Manche behaupten sogar, die Germanistin, die über den Straßburger Münsterprediger Geiler von Kaysersberg promoviert hat, hätte den Ministerpräsidenten vor mancher Panne bewahren können. Oettinger kennt die Bürgermeisterin aus der gemeinsamen Zeit bei der Jungen Union. Seit 2005 ist die Tochter einer Fremdsprachenkorrespondentin und eines Vertriebsleiters Bürgermeisterin für Sport, Kultur und Schule.

Erfolgreich wehrte sie sich gegen Pläne, die Schauspielschule der Hochschule für Bildende Künste zu einem Anhängsel der Ludwigsburger Theaterakademie zu machen. Früher spielte sie Handball und Tennis, heute joggt sie. Als mögliche Nachfolgerin von Oberbürgermeister Schuster (CDU) wird sie ebenso häufig genannt wie Finanzbürgermeister Michael Föll. Die Grünen forderten zuletzt, die Rad-WM abzusagen; und der sportpolitische Sprecher formulierte ironisch die Frage: „Wie wollen denn die Herren Oettinger, Rau und Schuster diese Rad-WM eröffnen? Wollen sie sich hinstellen und sagen: ,Bitte dopen Sie nicht'. Und weil sie kein Hochdeutsch können, sagen sie dann auf Schwäbisch: ,Mir selber hen au no nie dopt - außer mit Trollinger.“

Quelle: F.A.Z., 27.07.2007, Nr. 172 / Seite 12
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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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