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Veröffentlicht: 01.02.2016, 11:07 Uhr

Konservative Christen Die Radikalen

Konservative Katholiken und Evangelikale haben endlich eine politische Kraft gefunden, die zu ihnen passt: die AfD. Sie machen Stimmung gegen Flüchtlinge und den Papst. Die neuen Helden heißen Putin und Orbán. Ein Gastbeitrag.

von Liane Bednarz
© Thomas Fuchs Kampfbereit: Immer mehr konservative Christen fühlen sich von der neuen Rechten angezogen.

In Erfurt bleibt der Dom dunkel, wenn der AfD-Rechtsausleger Björn Höcke spricht. Der katholische Bischof Ulrich Neymeyr lässt die Beleuchtung des Gotteshauses bei den Mittwochs-Kundgebungen der AfD abschalten. Er möchte den Demonstranten „keine prächtige Kulisse bieten“. Für Höcke ist das peinlich. „Es ist nicht der Dom, und es war niemals der Dom der Kirchenfürsten. Es ist der Dom unseres Volkes; das ist unser Dom“, rief er Mitte Januar.

Mit der Domverdunklung verdeutlicht das Bistum Erfurt, dass die demagogischen Parolen Höckes mit dem Christentum nicht vereinbar sind. Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag, hatte seine Auftritte für immer neue Entgleisungen genutzt. Mal rief er „tausend Jahre Deutschland“ an und forderte die Menge auf, in Richtung der Gegendemonstranten „Lumpenpack“ zu skandieren. Oder er verkündete: „Erfurt ist schön deutsch, und schön deutsch soll Erfurt bleiben.“ Es gebe „nur noch 64,5 Millionen Deutsche ohne Migrationshintergrund“, klagte er. Die Stimmung unter den mehreren tausend Anhängern ist immer aggressiver geworden.

Eine Flut von Hassmails

Trotz der bischöflichen Distanzierung gibt es unter gläubigen Christen auch solche, denen derartige Parolen sehr gefallen. Das zeigen die wütenden Reaktionen, die das Bistum auch von Kirchenmitgliedern erhielt. Mit dem Kirchenaustritt wurde gedroht. Dem Erzbistum Köln erging es ähnlich, als der Dompropst anlässlich der Kölner Pegida-Demonstration im Dezember 2014 das Licht ausgeschaltet hatte. Und das Erzbistum Bamberg erhielt eine Flut von Hassmails, nachdem der dortige Erzbischof mit einer Warnung vor Pegida an die Öffentlichkeit getreten war.

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Die Radikalisierung im Bürgertum macht offenkundig vor den Christen nicht halt. Konservative Katholiken und Evangelikale erweisen sich sogar als besonders anfällig. In diesen Milieus ist es in den letzten Jahren zu einer Spaltung in einen moderaten und einen sich ideologisch verhärtenden Teil gekommen. Die Spaltung der AfD, die Pegida-Bewegung, der Streit über die „Homo-Ehe“ und die Flüchtlinge haben diesen Prozess beschleunigt. Von Anfang an zeigten Christen, die sich „konservativ“ geben, aber längst rechtspopulistisch sind, Sympathien für Pegida. Kein Wunder, denn auch sie pflegen seit Jahren Ressentiments gegenüber der etablierten Politik und der Qualitätspresse. Und sie neigen dazu, die pluralistische Demokratie in Deutschland als diktaturähnliches System zu verunglimpfen, gegen das sich das „Volk“ zur Wehr setzen müsse.

Nicht einmal das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ ist gegen diese Entwicklung immun. Auf dem letztjährigen „Internationalen Kongress“ der Organisation gab es ein Podium mit dem Titel „Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“. Zudem wird in Rundbriefen und Publikationen der radikalen Christen die Gefahr einer Christenverfolgung in Deutschland beschworen.

Widerspruch unerwünscht

Widerspruch ist in diesen Kreisen unerwünscht. Externe Kritiker werden als „undemokratisch“ gebrandmarkt, interne als Nestbeschmutzer und Renegaten. Der katholische Publizist Matthias Matussek nannte die Kritik von Bundeskanzlerin Merkel an der Pegida-Bewegung noch im Oktober 2015 „überraschend undemokratisch“. Bereits am zweiten Weihnachtstag 2014 hatte er den Pegida-kritischen Stimmen in „Politik und Presse“ die „Gesinnung von HJ-Pöbel“ unterstellt. Alexander Kissler, Kulturredakteur der Zeitschrift „Cicero“, zweifelte die „demokratische Reife“ des Pegida-kritischen Vollblutparlamentariers Wolfgang Bosbach an. Der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels, Chefredakteur der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, sprach abfällig von „der medialen Großoffensive gegen die Protestbewegung Pegida“ und von einer „moribunden Presse“. Angeblich können die Medien „ihren Hass auf den Teufel Wladimir Putin kaum noch zügeln“.

Auch die Aufforderung zum „Widerstand“ hat sich inzwischen ins rhetorische Arsenal der radikalen Christen eingeschlichen. Der katholische Journalist und Blogger Peter Winnemöller behauptete im Mai 2015, die Ausübung des Widerstandsrechts nach Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes sei die „moralische Pflicht für alle, die den freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat nicht auf dem Altar einer Selbstanpassung und politischen Korrektheit geopfert sehen wollen“.

Kundgebung der AfD Thüringen © dpa Vergrößern Im Dunkeln: AfD-Demonstranten protestieren vor dem Erfurter Dom, nachdem ihn die Kirchenoberen verdunkelt haben.

Wie können Christen auf solche Abwege geraten? Der katholische Publizist Andreas Püttmann macht dafür ein lange verinnerlichtes Freund-Feind-Denken verantwortlich - und die Neigung, sich selbst als Opfer zu bemitleiden: „Geistlose Gesinnungsmilitanz, demagogische Vereinfachung und die charakterliche Herabsetzung von ,Abweichlern‘ stoßen differenziertere Gläubige ab. Sie führen zu einem ,Siebungseffekt‘, der gröbere Kräfte zunehmend tonangebend macht.“ Unter Rechtskatholiken und -evangelikalen herrscht jene Haltung vor, die sie den verhassten „politisch Korrekten“ und „Blockwarten“ ankreiden. Sie selbst fordern absolute Linientreue und beklatschen Thilo Sarrazins weinerliche Rede vom „Tugendterror“.

Ihr Einfluss im vorpolitischen Raum ist nicht zu unterschätzen, auch wenn sie innerkirchlich eine kleine Minderheit sind. Als Menschen, die besonders fromm und moralisch auftreten, genießen sie bei vielen einen Vertrauensvorschuss. So können sie ihr Gedankengut leichter in die Mitte der Gesellschaft transportieren. Wer in das rechtskatholische oder -evangelikale Milieu hineinwächst, übernimmt nicht selten unkritisch auch die dort üblichen politischen Ansichten.

Einblicke in eine Parallelwelt

Zu deren Verbreitung tragen besonders die Publizisten der Szene bei, zu denen auch Birgit Kelle und Gabriele Kuby, Kuratoriumsmitglied des „Forums Deutscher Katholiken“, zählen. Um sie herum hat sich besonders im katholischen Bereich eine Bloggerszene herausgebildet, die gut vernetzt ist und auch Treffen veranstaltet. Hinzu kommen diverse Milieu-Medien mit Rechtsdrall wie etwa das private Internetportal kath.net, das evangelikale „Medrum“ und das etwas gemäßigtere „idea spektrum“, das Teil der Nachrichtenagentur „idea“ ist, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland derzeit mit institutionellen Zuweisungen von jährlich 132.000 Euro unterstützt wird. Viele der rechtschristlichen Autoren und Blogger veröffentlichen zudem regelmäßig in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die in AfD-Kreisen den Ruf einer inoffiziellen Parteizeitung genießt, sowie im rechtslibertären „eigentümlich frei“, dessen Herausgeber André Lichtschlag demokratische Politiker abfällig als „Herrscherkaste“ tituliert.

Wer die Texte und Leserkommentare in den entsprechenden Internetforen liest, blickt in eine Parallelwelt. Beständig werden rechtspopulistische Feindbilder bedient. Ganz oben rangieren die „Homo-Lobby“, der „Genderwahn“ und inzwischen auch Angela Merkel; darunter die EU, der öffentlich-rechtliche Rundfunk („GEZ-Medien“) sowie die sonstigen „Mainstreammedien“, die „Asylindustrie“ und die „Islamisierung“ des Abendlands. Alexander Kissler behauptete im Frühjahr 2014, die Zeitungskrise habe ihre Ursache darin, dass die Medien „an den Lesern vorbeischreiben“. Als Belege dienten ihm die „Russlandberichterstattung“ und „der Umgang mit Akif Pirinçci“, dessen Buch „Deutschland von Sinnen“ gerade erschienen war. Wörtlich: „Die Entfremdung macht Fortschritte. Leser an Medium: du lügst, es ist ganz anders. Medium an Leser: Schnauze.“ Das ist nah an den heutigen „Lügenpresse“-Rufen. Auch beim Feindbild EU ist Kissler nicht zimperlich. Schon vor Jahren nannte er sie im „European“ einen „Diktator“ und „Apparat“, der „Menschenfleisch“ brauche.

Vor diesem Hintergrund verwundert nicht, dass die AfD mit ihrer Parole „Mut zur Wahrheit“ wie ein Magnet auf radikale Christen wirkt. Nicht nur Mitglieder der früheren katholischen Kleinpartei „AUF“, die sich inzwischen mit der „Partei bibeltreuer Christen“ vereinigt hat, und radikale Abtreibungsgegner, sondern auch viele christlich-konservative CDU-Wähler, die schon lange mit der Aufgabe klassischer konservativer Positionen in der Merkel-CDU hadern, empfinden die AfD als Stern am Himmel. Gleichwohl tragen einige Protagonisten der Szene ihre CDU-Mitgliedschaft vor sich her. Die tatsächliche CDU-Bindung darf durchaus bezweifelt werden. So bekannte Klaus Kelle, der Ehemann von Birgit Kelle, im Sommer 2015 auf seinem Blog: „Früher habe ich oft ,kleinere Übel‘ gewählt. Das mache ich heute nicht mehr.“ Loyalität zur eigenen Partei klingt anders. Auch gibt es unter den radikalen Christen immer wieder Versuche, Vertreter der Unionsparteien unter Druck zu setzen. Hierbei stößt man auf verblüffende Allianzen zwischen CDU- und AfD-Mitgliedern, etwa zwischen der betont katholischen Hedwig Freifrau von Beverfoerde, CDU-Mitglied, und der evangelischen AfD-Politikerin Beatrix von Storch.

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Konzertierte Aktionen der radikalen Christen

Beverfoerde war, bis von Storch diese Position im Oktober 2015 von ihr übernahm, Sprecherin der „Initiative Familienschutz“, deren Träger der Verein „Zivile Koalition“ ist. Der Vorstand dieses Vereins besteht aus Beatrix von Storch und ihrem Ehemann Sven von Storch. Bis März 2015 war die „Initiative Familienschutz“ Veranstalter der „Demo für Alle“ in Stuttgart - da geht es gegen die Frühsexualisierung von Schulkindern und die „Ehe für alle“. Inzwischen wurde die Organisation der „Demo für Alle“ zwar rechtlich von der „Initiative Familienschutz“ getrennt, jedoch tritt die Initiative weiterhin öffentlich als Unterstützerin der Stuttgarter Versammlungen auf. Beverfoerde gehört außerdem dem Redaktionsbeirat des Blogs „Freie Welt“ an, einer Art Hofberichterstattungsorgan für die AfD, dessen Herausgeber Sven von Storch ist. Die Facebook-Seite Beverfoerdes wirkt bisweilen wie ein Forum zugunsten von Beatrix von Storch. Zwischen Anfang 2014 und Ende 2015 finden sich diverse Einträge in diesem Sinne, darunter Videos mit der AfD-Europaabgeordneten sowie begeisterte Äußerungen wie: „Hammer-Bericht über den Gender-Ausschuss (!) vom Ausschussmitglied Beatrix von Storch !!!“, „Beatrix von Storch voll in Fahrt“, „Go, Beatrix, GO!!“ oder „Danke, Beatrix“. Ihr Kalkül offenbarte Beverfoerde beim Kongress „Freude am Glauben“ des Forums deutscher Katholiken im Mai 2015. Abgeordnete bürgerlicher Parteien ließen sich von Protest beeindrucken, wenn er in Form von Briefen, Anrufen in Abgeordnetenbüros oder Sammelpetitionen nur laut genug und konzertiert vorgetragen werde, sagte sie. Regelmäßig rufen die radikalen Christen per Rundmail zum Protest auf. Oftmals werden die Textbausteine gleich mitgeliefert. Diejenigen, die noch Mitglied der CDU sind, nutzen die AfD überdies als Drohkulisse, um ihre Ziele zu erreichen. So behauptete die von Mechthild Löhr angeführte Gruppierung „Christdemokraten für das Leben“, die CDU bevorzuge Schwule und Lesben gegenüber den Lebensschützern. Sie beschwerte sich bei Generalsekretär Peter Tauber darüber, dass die „Christdemokraten für das Leben“ nicht in den drei Zukunftskommissionen der Partei vertreten seien. Drohend fügte Löhr hinzu: „Einige von uns sind auch schon zur AfD gegangen.“

Martina Kempf, Mitglied des Bundesvorstands der Vereinigung „Christen in der AfD“, bekannte Anfang Dezember in einem Leserbrief an die katholische „Tagespost“ freimütig, die „Christdemokraten für das Leben“ in Baden-Württemberg und „AfD-Christen“ hätten „in enger Zusammenarbeit“ durch eine Demonstration die „Schließung der landesgrößten Abtreibungsklinik erreicht“. Kempf zählt zu den Mitgründern des AfD-nahen christlichen „Pforzheimer Kreises“, der im Dezember 2014 forderte, dass „Christen aller Konfessionen bei Pegida mitmachen“ müssten.

Typische Feindbilder: Islam, Feminismus und Flüchtlinge

Bei der „Demo für Alle“ laufen die Fäden der radikalen Christen zusammen. Beverfoerde sagte, so könnten „konservative, normale Bürger“ zeigen, dass sie „ihren Politikern nicht mehr zutrauen, die Probleme lösen zu wollen oder zu können“. Als Erfolg konnte sie einen Gesprächstermin mit dem baden-württembergischen Fraktionsvorsitzenden und CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf verbuchen. Mit David Bendels trat auf der letzten „Demo für Alle“ der Co-Sprecher des „Konservativen Aufbruchs“ auf, einer privat organisierten Gruppe innerhalb der CSU. Bendels behauptete, „die Unterstützung der CSU“ sei „sicher“. CSU-Bundestagsabgeordnete winken jedoch ab: „Der Konservative Aufbruch nimmt sich wichtiger, als er ist, und gaukelt eine Bedeutung vor, die er gar nicht hat.“ Massenbeschwerdemails radikaler Christen landeten bei den meisten Abgeordneten im Spam-Filter.

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In der AfD verfügen diejenigen, die im Namen Gottes einen strammen nationalen Kurs vertreten, mit der betont christlich auftretenden, innerparteilich einflussreichen Vizevorsitzenden von Storch über eine eigene Galionsfigur. Die Gruppierung „Christen in der AfD“, die im Oktober unter Anwesenheit von Storchs in Darmstadt eine Grundsatzerklärung verabschiedet hat, pflegt in ihren Facebook- und Twitter-Beiträgen typische Feindbilder: Islam, Flüchtlingspolitik, „Genderwahn“. Seit Luckes Austritt verkörpert von Storch den Mainstream der AfD, rechts von ihr steht nur noch der Flügel um Höcke.

Gegen den „Plapperpapst“

Starke Überschneidungen zwischen AfD-Positionen und radikalen Christen gibt es auch in der Flüchtlingsdebatte. Das Gebot der Nächstenliebe wird durch ausgeprägte Vorbehalte überlagert. Auf Twitter treten Recht(s)gläubige ohne Unterlass Gewalttaten breit, die von Flüchtlingen ausgehen. Von Empörung und Entsetzen über die vielen Anschläge auf Asylbewerberheime ist hingegen wenig zu sehen. Lieber regt man sich auf, wenn Turnhallen vorübergehend zu Flüchtlingsunterkünften umgewidmet werden. Hubert Windisch, emeritierter Pastoraltheologe an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, klagte unter dem Titel „Deutschland kaputt“ auf „kath.net“, dass es sich bei der Flüchtlingskrise in Wahrheit um eine „humanitär kaschierte Selbstzerstörung Deutschlands“ handele.

Die mitfühlende Haltung von Papst Franziskus gegenüber Bürgerkriegsflüchtlingen passt da natürlich nicht ins Weltbild. Ohnehin wird der Pontifex von den früher betont „Papsttreuen“ schon seit langem als „Plapperpapst“ diffamiert. Beliebt ist die Parole „Not my pope“. Über Kleriker wie den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, äußern sich die radikalen Christen häufig hämisch und abfällig. Das sonst in diesen Kreisen so betonte Festhalten an einer strengen Kirchenhierarchie währt nur so lange, wie die Hirten dem eigenen ultrakonservativen Weltbild entsprechen.

Autoritäre Sehnsucht

Konvergenzen zwischen der AfD und vielen, wenn auch nicht allen radikalen Christen - insbesondere katholischen - gibt es auch in der Haltung gegenüber autoritären, sich christlich gebenden Regimen wie Putins Russland, Orbáns Ungarn und Kaczynskis Polen. Die Publizistin Gabriele Kuby nahm im Herbst 2014, auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise, als Rednerin an einem Propagandakongress im Kreml zum Thema „Große Familien und die Zukunft der Menschheit“ teil, zusammen mit westlichen Rechtsextremisten und Rechtspopulisten von der FPÖ und dem Front National. Kuby warnte in ihrem Vortrag die mittel- und osteuropäischen Staaten davor, dass die Mitgliedschaft in der EU eine Zerstörung des eigenen Wertesystems mit sich bringe. Putin geißelte in seinem Grußwort eine „Erosion moralischer Werte“. Passend dazu behauptete ein orthodoxer Redner, der „Bürgerkrieg“ in der Ukraine sei ausgebrochen, weil die neuen Machthaber in Kiew die „religiösen Werte“ des Landes verraten und eine Gay-Pride-Parade erlaubt hätten.

Vielfach sind auch eklatante Widersprüche zu beobachten: Dieselben Leute, die den hiesigen Medien „Selbstzensur“ und „innere Selbstgleichschaltung“ unterstellen, zeigen nicht das geringste Problem mit der Einschränkung der Pressefreiheit in Russland, Ungarn und Polen. Die Maßnahmen des türkischen Premierministers Erdogan gegen die freie Presse werden hingegen verurteilt, denn der passt ins islamfeindliche Schema. Auch thematisiert die Szene fast ausschließlich muslimischen Antisemitismus, während sie zu rechtsradikaler Judenfeindlichkeit, die es auch unter AfD-Anhängern gibt, regelmäßig schweigt.

Liane Bednarz ist Juristin. Sie hat Bücher über die AfD und die „neue Rechte“ geschrieben.

Quelle: F.A.S.

 

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