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Veröffentlicht: 17.05.2017, 13:30 Uhr

Prozess in Düsseldorf Anklage fordert sechs Jahre Haft für Islamistenführer Sven Lau

Seit acht Monaten wird im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts gegen den Islamisten Sven Lau verhandelt. Nun nähert sich das Verfahren dem Ende. Die Anklage fordert eine jahrelange Haftstrafe.

© dpa Salafistenprediger Lau zum Prozessbeginn in Düsseldorf

Im Prozess gegen den bundesweit bekannten Islamistenführer Sven Lau fordert die Anklage sechseinhalb Jahre Haft. Die Vorwürfe gegen Lau hätten sich „eindrucksvoll bestätigt“, sagte ein Vertreter der Bundesanwaltschaft am Mittwoch in seinem Plädoyer am Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Lau sitzt seit 20 Monaten in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Unterstützung der islamistischen Terrormiliz Jamwa vor. Das Gericht hatte darüber hinausgehend den Hinweis erteilt, dass Lau auch als Terrorist des sogenannten Islamischen Staats verurteilt werden könnte. Lau selbst hatte in dem Prozess hingegen betont, er habe niemandem geholfen, sich in Syrien den Kämpfern anzuschließen: „Die Leute, die überzeugt sind, krieg’ ich nicht abgehalten.“

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Die Tatvorwürfe reichen ins Jahr 2013 zurück. Laut Anklage hat Lau zwei Salafisten aus Deutschland mit Hilfe eines Schleusers in die Reihen Jamwas gelotst. Außerdem soll Lau der Terrormiliz Nachtsichtgeräte und Geld verschafft haben. Sein Verteidiger hatte die Anklage als „juristischen Blindflug“ bezeichnet. Lau gilt auch als Initiator der „Scharia-Polizei“ in Wuppertal.

Der Prozess gegen den ehemaligen Feuerwehrmann aus Mönchengladbach hatte im September vergangenen Jahres begonnen. Dass die Beweisaufnahme in dem Prozess am Mittwoch schon geschlossen werden konnte, kam durchaus überraschend. Prozessbeobachter hatten es für möglich gehalten, dass Laus Verteidiger neue Anträge stellt.

In dem Verfahren war unter anderem auch Wegbegleiter Pierre Vogel als Zeuge gehört worden. Vogel und Lau gehören zu den bekanntesten Gesichtern des radikalen Islam in Deutschland. Im Verfassungsschutzbericht von Nordrhein-Westfalen für 2015 werden die Vertreter der extremistischen salafistischen Szene besonders erwähnt. Mehrere frühere Weggefährten und Aussteiger hatten Lau in ihren Aussagen als Dschihad-Rekrutierer belastet.

Islamwissenschafter hatten nach der Analyse von Laus Internetauftritten betont, Lau habe seine Anhänger dazu aufgerufen, nach Syrien zu gehen. Zwar lasse Lau - vermutlich aus strafrechtlichen Gründen - offen, wem sie sich dort anschließen sollen, aber er richte sich an eine „Zielgruppe, die weiß, was sie daraus zu schließen hat“, sagte etwa der Islamwissenschaftler Ekkehard Rudolph, der für das Landeskriminalamt NRW die islamistische Szene analysiert.

Quelle: wahlrecht.de
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