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Protest an Humboldt-Universität De Maizière kommt nicht zu Wort

 ·  Studenten haben am Mittwochabend einen Vortrag von Thomas de Maizière verhindert. Die Demonstranten skandierten „Nie wieder Deutschland, nie wieder Krieg“ und machten auch vor Universitätspräsident Olbertz nicht Halt.

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© dpa Vergrößern Mittwochabend im Audimax der Humboldt Universität Berlin: Studenten stören den Auftritt des Verteidigungsministers Thomas de Maizière

Das Thema, über das Thomas de Maizière in Berlin sprechen wollte, klang nicht gerade kontrovers. Den Vortrag über die „Armee der Einheit“ und den „Beitrag der Bundeswehr  zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“ aber sollte der Verteidigungsminister am Mittwochabend im Auditorium Maximum der Humboldt-Universität trotzdem nicht halten können.

Mit Sprechchören und Protestplakaten hinderten Studierende de Maizière daran, sich an die interessierten Zuhörer im Saal zu wenden. Nach einer halben Stunde und mehreren Vermittlungsanläufen verließ der Minister den Saal. Die Proteste gingen dennoch weiter. Erinnerungen an Leipzig dürften bei de Maizière wach geworden sein. Dort hatten Studierende seinen Auftritt im Dezember vergangenen Jahres zum Abbruch gebracht.

Besucher: „Wir dachten, das wäre ein Flashmob“

Dabei hatte anfangs alles ganz anders ausgesehen. Als der CDU-Politiker um 18 Uhr das Auditorium betrat, klatschten die Gäste Beifall. Doch der Applaus ebbte nicht ab, als der Verteidigungsminister längst in der ersten Reihe Platz genommen hatte und Universitätspräsident Jan-Hendrik Olbertz auf der Bühne die einleitenden Worte sprechen wollte. „Wir dachten zunächst, das wäre ein Flashmob“, berichtet ein Besucher gegenüber FAZ.NET. Dann setzten Sprechchöre ein, die den Minister verhöhnten. Nach und nach wurden die Chöre von Parolen abgelöst. In einem Youtubevideo ist zu sehen, wie Studierende „Nie wieder Deutschland, nie wieder Krieg“ skandieren.



Augenzeugen berichten, wie Rekor Olbertz nach zehn Minuten versucht habe, die Menge zu beruhigen und den Studierenden anbot, das erste Wort an den Minister zu richten. Ohne Erfolg. Nach zwanzig Minuten sei dann auch Verteidigungsminister de Maizière auf die Bühne gekommen. Der Minister tippte auf der Bühne einen Satz in den Computer, der vom Beamer an die Wand geworfen wurde. „Wer hat Angst davor, ein Argument zu hören?“ Scheinbar viele, denn die Proteste gingen weiter. Nach dreißig Minuten verließ er den Saal. Journalisten zitieren ihn mit den Worten, „Das hat keinen Zweck.“

Demonstrant: „Ich bin Anarchist“

Vor der Veranstaltung hatten Studierendengruppen und Bündnisse wie die Berliner Initiative für eine Zivilklausel und gegen Rüstungs- und Militärforschung zur Teilnahme aufgerufen. Das erklärte Ziel der überwiegenden Zahl der Gruppen ist es, Rüstungsforschung und die Präsenz von Bundeswehrvertretern an Universitäten zu verhindern.

Nachdem Verteidigungsminister de Maizière den Saal verlassen hatte, setzten die Demonstranten ihre Proteste fort, obwohl ihnen der Rektor der Universität die Diskussion anbot. Auf den Einwand des Rektors, dass er demokratisch gewählt sei, antwortete ihm ein Student: „Mit Demokratie habe ich nichts zu tun. Ich bin Anarchist.“

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