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Präimplantationsdiagnostik : Der PID-Pionier und die Grenzen des Gesetzes

  • -Aktualisiert am

Bei der Präimplantationsdiagnostik findet eine Selektierung der befruchteten Eizellen statt Bild: dapd

Im Juli sprach der Bundesgerichtshof Matthias Bloechle frei. Der Berliner Arzt hatte bei einem Paar die Präimplantationsdiagnostik angewandt und sich dann selbst angezeigt. Nun hofft er, dass der Bundestag das Verfahren erlaubt.

          Matthias Bloechle ist Anfang Vierzig, Vater von fünf Kindern. Wenn er sich überhaupt einer Religion nahe fühlt, dann dem Buddhismus. Sein Sprechzimmer ist funktional: Tisch, Computer, Behandlungsliege, Untersuchungsgeräte. Jahrelang war der Mediziner bei seiner Arbeit in der Berliner Kinderwunschklinik an Grenzen gestoßen: „Ein Arzt möchte den bestmöglichen Heilerfolg für seine Patienten – ich konnte manchen nicht helfen“, sagt Bloechle.

          2005 kam ein Paar zu ihm, das sich ein gesundes Kind wünschte. Es hatte bereits eine schwerbehinderte Tochter, und die Chance, auf natürliche Weise ein gesundes Kind zu bekommen, war aufgrund der Erbanlagen der Partner sehr gering. Bloechle hatte für solche Paare bis dato zwei Vorschläge: eine künstliche Befruchtung mit dem Risiko, ein behindertes Kind zu zeugen, oder der Verweis auf eine Behandlung im Ausland. Diesen Patienten aber bot er ein dritte Option an.

          „Ich habe dem Paar gesagt, dass ich für sie die Präimplantationsdiagnostik durchführen würde, dass sie damit die ersten in Deutschland wären, und dass ich mich daraufhin selbst anzeigen würde.“ Das Paar willigte ein. Bloechle hatte sich diesen Vorschlag gut überlegt und dazu einen Behandlungsplan ausgearbeitet, den er für rechtskonform hielt. Diese Einschätzung bestätigte ihm eine befreundete Juristin. Kollegen warnten ihn – sie hielten das Risiko für zu groß.

          Der Arzt Bloechle bei seiner Arbeit am Mikroskop

          Auswählen des Embryos erfolgte durch die Mutter

          Bloechle befruchtete drei Eizellen. Später entnahm er den drei Blastozysten – einem frühen Embryonalstadium – Zellen und untersuchte sie. Die Ergebnisse zeigte er der Patientin. „Die Frau hat dann selbst entschieden, den Embryo nehme ich und diese nicht – das ist mir ganz wichtig“, sagt Bloechle. Die zwei überzähligen Embryonen setzte er nicht ein. Sie starben in der Petrischale. Anderes sei gar nicht möglich gewesen: „Das Embryonenschutzgesetz verbietet es dem Arzt, einen Embryo gegen den Willen einer Frau einzusetzen“, argumentiert Bloechle. Dabei lässt der Arzt zunächst unerwähnt, dass dieser Passus im Embryonenschutzgesetz mit einer anderen Vorschrift im selben Gesetzestext kollidiert, die besagt, dass generell bei einer künstlichen Befruchtung nur so viele Eizellen befruchtet werden dürfen, wie der Frau später auch eingesetzt werden. Die Möglichkeit, dass sich eine Frau weigert, die Eizellen einsetzen zu lassen, nachdem diese schon befruchtet sind, wird im Gesetz nicht beschrieben.

          In der Urteilsbegründung hatte der Bundesgerichtshof entschieden, eine Einpflanzung habe der Arzt nicht mehr vornehmen müssen, weil das ursprüngliche Ziel, die Herbeiführung einer Schwangerschaft, nicht mehr erfolgreich durchzuführen gewesen sei. Warum? „Weil das Kind die Schwangerschaft in solchen Fällen aufgrund einer Krankheit entweder nicht überlebt oder weil es abgetrieben wird“, vermutet der Arzt. Diese Überlegung ist eines der Hauptargumente des Arztes für die PID: „Das ist die Absurdität, die wir haben: Wir lassen den Schwangerschaftsabbruch beim ungeborenen Kind zu – unter nicht sehr harten juristischen Regelungen. Umso mehr muss das dann doch schon zu dem Zeitpunkt möglich sein, wo es noch gar kein ungeborenes Kind gibt. Wo es einen Embryo gibt, der noch nicht mal in die Gebärmutter eingenistet ist – der nur die Potenz hat, sich möglicherweise einzunisten.“

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