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Politischer Aschermittwoch : „Schwarz-Gelb ist so beliebt wie eine Blinddarm-Entzündung“

  • Aktualisiert am

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: „Schwarz-Gelb ist so beliebt wie Blinddarm-Entzündung und Wurzelbehandlung auf einmal.“ Bild: dpa

Die Parteien treffen sich zum Politischen Aschermittwoch, dabei bekommt jeder sein Fett weg. Steinbrück lästert über Seehofer, Stoiber über Berlusconi und Trittin über den Zynismus im Lande.

          Die SPD hat beim alljährlichen Politischen Aschermittwochs-Duell zum ersten Mal in fünfzig Jahren den Sieg über die CSU beansprucht. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und der bayerische Spitzenkandidat Christian Ude sagten vor geschätzt 4000 bis 4500 Zuschauern in Vilshofen, die SPD habe die größere Kundgebung. Beide bekräftigten ihr Ziel eines Doppelsiegs bei Bundes- und bayerischer Landtagswahl im September. Steinbrück wehrte Spekulationen über eine Neuauflage der großen Koalition in Berlin ab: „Ich spiele nicht auf Platz, ich setze auf Sieg, und ich beschäftige mich mit keinem anderen Szenario“, sagte der frühere Bundesfinanzminister. Steinbrück kündigte in seiner umjubelten Rede eine harten, aber faire Auseinandersetzung an: „Wir werden keinen Wellness-Wahlkampf machen.“

          Schwarz-Gelb beliebt wie Blinddarm-Entzündung

          Über die Regierung sagte Steinbrück: „Schwarz-Gelb ist so beliebt wie Blinddarm-Entzündung und Wurzelbehandlung auf einmal.“ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe in den Jahren der großen Koalition nur wegen der SPD-Minister eine gute Figur gemacht. Heute sitze da „eine Gurkenriege“. „Die sind nervös, sie wissen, wir können sie packen.“ Er bekräftigte, dass die SPD die Steuern für Wohlhabende erhöhen wolle - Steinbrück nannte Spitzensteuersatz, Kapitaleinkünfte und private Vermögen.

          Steinbrück forderte seine Parteifreunde im Publikum auf, auch in Bayern mit allen Kräften für den Regierungswechsel zu kämpfen. „Das, was in Baden-Württemberg möglich ist, muss endlich auch in Bayern klappen.“ In Umfragen liegt die SPD sowohl im Bund als auch in Bayern allerdings weit hinter CDU und CSU. Steinbrück rief die Zuschauer auf, sich davon nicht beirren zu lassen. Auf die Angriffe der Union gegen seine Person und seine Nebeneinkünfte ging Steinbrück nur sehr indirekt ein: „Ihr wollt keinen öligen und geölten Politprofi haben als Kanzlerkandidaten.“

          SPD attackiert Seehofer

          Als Hauptangriffsfläche der CSU hat die SPD Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Kurswechsel vom Atomausstieg über Donau-Ausbau bis zu den Studiengebühren entdeckt. „Die größte lose Kanone auf dem politischem Deck Deutschlands“, nannte ihn Steinbrück.

          Christian Ude (SPD): „Heute zittert die CSU wie Espenlaub“ Bilderstrecke
          Christian Ude (SPD): „Heute zittert die CSU wie Espenlaub“ :

          Ude forderte bei seinem Auftritt die Zuschauer auf, für den Regierungswechsel in Bayern zu kämpfen. „Heute zittert die CSU wie Espenlaub“, rief Ude - und beschloss seine Rede mit dem Appell: „Bitte feiert nicht nur, dass es hier so schön ist, arbeitet auch.“ Bayern sei nicht „der Erbhof und das Besitztum einer arrogant gewordenen politischen Partei“.

          CSU attackiert Steinbrück

          Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und der Ehrenvorsitzende der CSU, Edmund Stoiber, attackierten auf dem Politischen Aschermittwoch der CSU den SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und den Spitzenkandidaten der bayerischen Sozialdemokraten Christian Ude scharf. Steinbrück habe in seiner aktiven Zeit vor allem Schulden hinterlassen. „Steinbrück ist kein Finanzfachmann. Er ist der Schuldenkönig von Deutschland“, rief Seehofer seinen Anhängern zu. Und im Gegensatz zu Steinbrück spreche er garantiert honorarfrei, lästerte der CSU-Chef weiter. „Sein Lebensmotto ist offensichtlich: Jedem das Seine und mir das Meiste“, sagte Seehofer mit Blick auf die Redehonorare für Steinbrück.

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