http://www.faz.net/-gpf-74adp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.11.2012, 15:47 Uhr

Plagiatsvorwurf Schavan wehrt sich

Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) hat offenbar eine umfassende schriftliche Stellungnahme bei der Universität Düsseldorf eingereicht. Darin wehrt sie sich abermals gegen den Vorwurf, in ihrer Dissertation abgeschrieben zu haben.

von , Berlin
© dapd Stellungnahme in eigener Sache: Bundesbildungsministerin Annette Schavan

In der Auseinandersetzung um ihre Doktorarbeit hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) offenbar eine umfassende schriftliche Stellungnahme bei der Universität Düsseldorf eingereicht. Nach Informationen der „Rheinischen Post“ wehrt sie sich darin abermals gegen den Vorwurf, in ihrer 1980 verfassten Dissertation abgeschrieben zu haben. In der Anfang der vergangenen Woche eingereichten Stellungnahme gebe sie außerdem darüber Auskunft, wie sie ihre Arbeit vor 22 Jahren angefertigt habe, berichtet die Zeitung. An der Abfassung der Stellungnahme sollen Juristen und Wissenschaftler beteiligt gewesen sein.

Heike Schmoll Folgen:

Die Zeitung beruft sich auf Quellen im Umfeld der Ministerin. Weder die Ministerin selbst noch ihr Ministeriumssprecher wollten dazu Stellung nehmen oder den Bericht bestätigen. Die Universität Düsseldorf darf keine Auskunft mehr geben, weil Frau Schavans Anwälte ihr alle öffentlichen Äußerungen zum laufenden Verfahren untersagt hatten.

Universität prüft noch

Seit Mai wird ihre Dissertation „Person und Gewissen“ vom Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf überprüft. Er wird eine Stellungnahme für den Fakultätsrat formulieren, der dann über den Entzug oder Verbleib des Doktortitels zu entscheiden hat. Mitte Oktober war ein erstes vertrauliches Gutachten durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt, in dem der beauftragte Gutachter, der Düsseldorfer Judaist Stefan Rohrbacher, Frau Schavan zahlreiche Zitierfehler und eine Täuschungsabsicht vorwirft. Seither streiten sich vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftler über die Standards ihrer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten.

Nach heftiger öffentlicher Kritik erstattete die Universität Düsseldorf Strafanzeige gegen Unbekannt. Noch hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nicht über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen des vorzeitigen Bekanntwerdens des vertraulichen Gutachtens entschieden. Die Hochschule sei mit Schreiben vom 19. Oktober um weitere Angaben gebeten worden, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Unter anderem solle die Universität die Namen aller Personen benennen, die Kenntnis von dem Gutachten hatten.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Brisantes Gutachten Wie Kultusbehörden den Bildungswettbewerb behindern

Das Schulsystem in Deutschland ist Sache der Länder. Deshalb fallen in den Länderministerien auch spezifische Bildungsdaten an. Ein Gutachten, das der F.A.Z. vorliegt, kritisiert nun, dass diese Daten zurückgehalten würden - mit Absicht. Mehr Von Maja Brankovic

28.04.2016, 03:47 Uhr | Beruf-Chance
Video Internet-Hit: Karateschüler wehrt Angreifer ab

Ein Werbefilm für Vollkontakt-Karate wurde zum Internet-Hit. In dem kurzen Clip entwaffnet ein Karateschüler sehenswert einen Angreifer mit Baseballschläger. Mehr

06.04.2016, 15:21 Uhr | Gesellschaft
Eilantrag vor Gericht Eintracht-Fans ziehen vor Gericht

Die Sperrzone für Frankfurter Fans in der Darmstädter Innenstadt könnte wieder aufgehoben werden. Das Verbot rund um das Derby wird inzwischen von Fans in ganz Deutschland verfolgt. Mehr

28.04.2016, 16:21 Uhr | Sport
Panama Papers Cameron räumt Beteiligung an Briefkastenfirma seines Vaters ein

Das Büro des britischen Premiers hatte nach der Enthüllung der Panama Papers zunächst erklärt, Camerons Investitionen seien Privatsache. Gegen Vorwürfe wehrt sich auch Argentiniens Präsident Macri. Mehr

08.04.2016, 14:22 Uhr | Wirtschaft
Streit um Rennbahn Gerichtstermin um Räumungsklage abgesagt

Die Stadt hatte gegen den Frankfurter Renn-Klub eine Räumungsklage eingereicht, weil der partout nicht die Galopprennbahn aufgeben will. Der erste Verhandlungstermin wurde nun abgesagt. Mehr

22.04.2016, 17:49 Uhr | Rhein-Main

Die AfD ist zurück im 19. Jahrhundert

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Viele haben ein Problem mit der EU, wollen weniger Integration: Die AfD ist mit ihrem Willen auszutreten trotzdem in der Minderheit. Wie geschichtsvergessen kann man sein? Mehr 19 24