Home
http://www.faz.net/-gpg-y67i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg Übersetzt, gelöscht, vertuscht

 ·  Fehlende Quellen, versteckte Übersetzungen, verschwundene Initialen von Autoren: Je mehr Plagiatstellen in der Guttenberg-Dissertation auftauchen, desto sicherer sind sich seine Kritiker: Von Fahrlässigkeit kann keine Rede sein. Mittlerweile ist von über 80 Stellen die Rede.

Artikel Bilder (12) Video (1) Lesermeinungen (57)

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

1 2 3  
Lesermeinungssuche (gesamt):
Sortieren nach
Frank Garbe

immenser Schade

Wer diese ganze Sache herunterspielt, dem ist nicht klar was hier für ein Schaden für die deutsche Wissenschaft im Allgemeinen, Politik und die Uni Bayreuth im Besonderen, angerichtet wurde. Jeder der einmal studiert hat oder eine Fortbildung zum Technik und Ähnlichem gemacht hat, weiß daß die Zitier- und Indizierungsregeln in einer wissenschaftlichen Arbeit unbedingt einzuhalten sind. Natürlich können Fehler geschehen und der Inhalt sollte letztlich immer höher gewichtet werden als die Form, doch gerade hier liegt der Fauxpas bei einem Juristen. Für ihn gehören Sprache und Form zum wesentlichen Handwerkszeug. Selbst wenn es sich nur um Fehler gehandelt haben sollte, kann solche Arbeit nicht mehr für summe cum laude genügen, ich wage zu behaupten, nicht einmal für ein Bestehen. Bedenklich ist ihr auch das vermeintliche Irren der Prüfer. Wie konnte es ihnen entgehen, daß bei einer Vielzahl von Passagen aus relativ aktuellen Vorträgen, Artikeln etc. die Kennzeichnung fehlte? Im besten Falle zeugt dies von einer mangelnden Bereitschaft sich auf dem Laufenden zu halten.

Empfehlen
Gerhard Dünnhaupt

Verantwortungslosigkeit der Professoren

Betrugsversuche gab es zu allen Zeiten im akademischen Betrieb, doch wurden sie meist sofort von den zuständigen Professoren entlarvt. Beim fränkischen Adel nimmt man es in Bayreuth offenbar nicht so genau. Man sollte die zuständigen Professoren jetzt nicht von ihrer Verantwortung entbinden, die mit ihrer Unterschrift die Echtheit und Solidität dieser plumpen Fälschung garantiert haben.

Empfehlen
dieter wolf
dieter wolf (diwoccs) - 19.02.2011 13:56 Uhr

deutsche Titelsucht

Baner/Domberger:
Herr Baner hat recht: diese DoKTOR-Sucht mit Eintrag im Pass gibt es nur im deutschsprachigen Raum: ob im Ausland deutsche Dr. oder Dipl.Ing. besonders
anerkannt sind, hat mit der vTitelsucht nichts zu tun. Im uebrigen, gute Frau,habe ich da so meine Zweifel.
Der strafrechtliche Schutz des Dr.-Titels stammt aus braunen Zeiten.
Was macht nun Herr vuz Guttenberg ? Er muss ja auch seinen Pass aendern lassen....
und was macht der Guttenbergsche Doktorvater ? Geht der in Pension weil er offensichtlich nicht in der Lage war,eine Dissertation zu lesen ?

Empfehlen
Ellen Schreiber

@ Herbert Nau

Sie schreiben: "Sehr geehrte Frau Schreiber, nachdenken ist immer gut. Dann würden Sie allerdings als Auslöser für die mediale Aufregung nicht die Medien verantwortlich machen, sondern eine fragwürdige Dissertation"
...
Sehr geehrter Herr Nau,
denken Sie doch bitte erst mal selber darüber nach, was der Begriff "Auslöser" bedeutet. Wenn Ihnen die Semantik nicht klar ist, dann ist eine Diskussion müßig.

Empfehlen
Franz Muller
Franz Muller (fmuller) - 19.02.2011 13:36 Uhr

Findet die Presse keine wichtigeren Themen?

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Nicht nur durch die politische Klasse als ganzes, werden hierzulande ständig Informationen weggelassen, falsch zitiert, verdreht und unterdrückt. Warum verschwendet die Presse derart viel Raum für ein paar Fussnoten? Stellen Sie sich lieber die Frage, wie es dazu kommen kann, dass die Welt auch in neuerer Zeit von derart vielen kriminellen Egomanen beherrscht wurde und wird. Angefangen von der Antike bis heute zu G. W. Bush (Kriege), Putin (Krieg), Gaddaffi, Ali, Netanjahu (Krieg), Lieberman, Berlusconi, Cheney, Mubarak, Kim-II sung, Mao, Greenspan, Blankfein und viele andere. Warum existieren keine psychologischen Eignungstests für Personen in solchen Schlüsselfunktionen, in welchen man grösste Schäden anrichten kann? Es geht doch im Grunde um einen riesigen Mangel an investigativem Journalismus und um das `Hinterhecheln` relativ belangloser Tagesthemen. Beschäftiget Euch besser mit Frau Merkel und dem Rettungsschirm für den Euro, welcher noch lange katastrophale Auswirkungen haben kann, als mit früheren Schlampereien eines Herrn Guttenberg bei einer Doktorarbeit. Ob Dr.-Titel oder nicht, ausschlaggebend ist doch die Qualität seiner Arbeit und sein Einsatz heute.

Empfehlen
Theo Schönburg

summa cum laude aus bayreuth für den freiherrn aus franken...

wenn das mal nicht zu der feststellung verleitet, daß der plagiatsvorwurf zugleich auch ein eklat des bayerischen hochschulsystems und der ausbildung bzw. förderung von eliten im freistaat ist.
hätte guttenberg seine texte ordentlich zitiert, dann wäre es vielleicht ein magna cum laude geworden und niemand hätte anstoß an seiner diss. genommen, denn welcher doktorand ist schon so versiert, jede formulierung und jeden gedanken vollständig und vor allem unabhängig zu entwickeln. es hat schon sehr viel mit nachlässigkeit, aber auch mit denkfaulheit zu tun, wenn ein wissenschaftler komplette textpassagen anderer autoren übernimmt, doch dann muß er ordentlich zitieren und nicht den eindruck vermitteln, als wäre es sein geistiges produkt. das ist nun mal geistiger diebstahl, und betrug, und ein minister, der davon gebrauch macht, eigentlich untragbar.
bisher hatte ich von guttenberg einen positiven eindruck, sein politischer stil, seine unabhängigkeit, sein reformerischer mut aber auch seine virtuosität im umgang mit den medien haben mir gefallen, obwohl mich manche leute vom gegenteil überzeugen wollten... "ich mag den nicht, bei dem ist alles fassade", meinte kürzlich eine bekannte... es wird schon was dran sein

Empfehlen
sonja domberger

@Baner: Unsinn! Weshalb sind denn dann deutsche Diplomingenieure und Doktoren,

aller möglicher Disziplinen, auf der ganzen Welt so heiß begehrt; ganz sicher nicht wegen des Papiers auf dem die Urkunde gedruckt wird!
Doktorwahn eine rein deutsche Krankheit [<10]
Ernst Baner (kesselstadt)

Empfehlen
Ellen Schreiber

@Kevin Bond - Die Bürger haben den ihnen vorgeworfenen Brocken geschluckt

Ich verstehe Sie schon. Nur, was bringt diese Fleißarbeit denn? Das Thema lenkt ab von wichtigen Themen und Problemen, die wir haben. Allen voran das Thema Merkel selbst. Und genau das ist gewollt. Die Bürger haben den Brocken, den Ihnen die Medien vorgeworfen haben, geschluckt. Und das "Beste" ist, die Kampagne ging, wie man lesen kann, von einem Linken aus. Da überlege ich mir schon, ob ich als vernünftiger Bürger einem solchen Lager Schützenhilfe leisten möchte.
...
Haben Sie sich schon mal überlegt, daß es auch Merkel vielleicht sogar in den Kram passen könnte, was jetzt mit zu Guttenberg passiert? Auf ihn könnte Sie sicher genauso verzichten wie auf Weber, Köhler und die anderen, die ihr gefährlich wurden. Es wäre besser, wenn die Medien anfangen würden, Merkel ins Visier zu nehmen. Aber die lassen sich von ihr ja einen Maulkorb anlegen. Stichwort: Angela Merkel nötigt deutsche Chefredakteure mehrmals-nicht die Wahrheit zu berichten. - Einfach mal guugeln!
Intelligenz bedeutet, analysieren und strategisch handeln zu können.

Empfehlen
Sophia Orti
Sophia Orti (rum) - 19.02.2011 12:47 Uhr

Schäuble, ein ehrbarer Kaufmann wie Dr. Freiherr von und zu Guttenberg

>>Berlin (dpa) – Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in der Plagiats- Affäre in Schutz genommen. Jedem passiere auch mal vielleicht ein Fehler, sagte Schäuble im Deutschlandfunk. Er selbst habe die Arbeit einmal gelesen. Vieles halte er für eine typische Übertreibung der Medien. Der CDU-Politiker empfiehlt seinem Kabinettskollegen aber: «So rasch wie möglich Klarheit schaffen.» Auf die Frage, ob Guttenberg nun zurücktreten müsse, sagte Schäuble, man müsse erst einmal den Sachverhalt aufklären.<<

Empfehlen
Peter Kronenberger

"Dünnbrettbohrer: aus den Dissertationen unserer Elite"

So hieß ein Büchlein, daß Ende der 80er Jahre dem Publikum vor Augen führte, mit welch seichten Plattitüden man in Deutschland Doktor wird - sofern man in einer "demokratischen Partei" gut verankert ist, politisches Wohlwollen wie ein Weichzeichner auf den kritischen Blick der Gutachter wirkt. Dem Büchlein ist ein einleitendes Kapitel "Der Doktormacher" vorangestellt - das Bekenntnis eines professionellen ghostwriters, dessen Auffliegen in den 80ern gewisse Furore machte. Es verdeutlicht, daß eine Disseration keineswegs eine "eigenständige wissenschaftliche Leistung" sein soll, wie in den Promotionsordnungen einhellig beschworen wird, sondern ein tausendfacher Kotau vor der akademischen Oligarchie. Doktorvater und Zweitgutachter, Dekane und Prodekane, die Stars der Fakultät und des Faches in nationaler und internationaler Hinsicht sind entsprechend "zu würdigen", die Wahr- und Richtigkeit ihrer Meinungen tapfer gegen kritische Angriffe zu verteidigen. Die hypertrophe Eitelkeit dieser neuzeitlichen Hofmarschälle ist es dann auch, die solche fakes so einfach macht. Man sollte weniger auf Guttenberg schauen, als auf das, was diese Affaire über den korrupten akademischen Betrieb erkennen lässt.

Empfehlen
Michael Haus
Michael Haus (mhaus) - 19.02.2011 12:08 Uhr

@ Frau Reichart-Dreyer

Liebe Frau Reichart-Dreyer,
da muss ich Ihnen widersprechen. Die Erklärung, eine Arbeit "selbständig verfasst" zu haben, bezieht sich auch auf sprachliche Formulierungen. Natürlich brauche ich für allgemein anerkannte Befunde und Tatsachen keine Belegquellen anzuführen - aber ich muss mir schon die Mühe machen, sie selbständig darzustellen.
Übrigens finde ich die Passage mit dem Europäischen Gerichtshof gar nicht so "harmlos" - denn es ist (jenseits plakativer Gesamtwerte) wissenschaftlich ja durchaus umstritten, wie stark das Gewicht europäischer Rechtsetzungsakte für nationale Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung tatsächlich einzuschätzen ist.
Aber davon abgesehen: Wissenschaftliche Arbeiten sind selbständig zu verfassen und wörtliche Zitate als solche kenntlich zu machen. Wer Textpassagen von anderen kopiert und als seine eigenen ausgibt, plagiiert. Wenn eine Arbeit zu einem wesentlichen Anteil aus plagiierten Stellen besteht, ist sie insgesamt als Plagiat zu bewerten. Das ist der Standard, der an den mir bekannten Universitäten auch Studierenden vermittelt wird. Wer die Angst vor dem "weißen Blatt Papier" kennt, weiß, dass wir unseren Studierenden damit einiges abverlangen.
Prof. Dr. Michael Haus

Empfehlen
Kai Schraube

Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole, mein persönliches Ehrenwort...

...daß ich nicht weiß, wer die Anführungszeichen und die Fußnoten in meiner Dissertation vergessen hat. Der Minister zeigt von Tag zu Tag mehr Größe.
.
Berlin verkriecht sich, eine bayerische Provinzuniversität soll's jetzt richten. Also die Böcke zu Gärtnern machen. Das hat auch Stil!

Empfehlen
Michael Boden

erpressbar?

wenn ein Ghostwriter existiert dann haben wir spaetestens seit dem gestrigen Interview einen erpressbaren Verteidigungsminister. . .

Empfehlen
Ernst Baner

Doktorwahn eine rein deutsche Krankheit

Eigenartigerweise schaut hier, weder die FAZ Autoren noch die Kommentatoren, niemand über den deutschen Tellerrand.
Der Doktorwahn ist ausserhalb des deutschsprachigen Raumes (oder vielleicht eher der Grenzen des heiligen römischen Reiches deutscher Nation) unbekannt, niemand schmückt sich demonstrativ mit "Dr." in anderen Ländern.
Abschaffen sollte man die Dissertation (und die Habilitation gleich mit).
Sie stammt aus der Zeit des Hofs, des Königtums, des Dreiklassenwahlrechts.
Die Strukturen, die das Anreizsystem Dissertation schafft, sind undemokratisch, betrugsfördernd, gehorsamsfördernd usw.
Jeder, der den deutschen Unibetrieb von innen kennt, weiss es.
Fast jeder, der die Dienerjahre als Assistent während der Diss. übersteht und danach mit dem Titel "belohnt" wird, schweigt bedrückt über die "Zustände".
Die Qualität vieler Diss. in Deutschland ist schlecht.
Diss. der Mediziner und Juristen sind in der überwiegenden Zahl Massenware, wissenschaftlich wertlos.
Selbst an den sogenannten Eliteunis fördern die selbstverliebten Professoren die Doktoranden, die kriecherisch das Denken "des Alten" leicht modifiziert fortführen.
Die Arbeit von Guttenberg ist sicherlich noch überdurchschnittlich gut.

Empfehlen
Herbert Nau

@Ellen Schreiber - Schwarmintelligenz

Sehr geehrte Frau Schreiber,
nachdenken ist immer gut. Dann würden Sie allerdings als Auslöser für die mediale Aufregung nicht die Medien verantwortlich machen, sondern eine fragwürdige Dissertation zur Erlangung einer Doktorwürde, mit der sich Herr zu Guttenberg gerne geschmückt hat. Auch seine bisherigen Erklärungen und die dafür verwendete Form haben ihm die Medien nicht vorgegeben.

Empfehlen
Otto Fragender

@Morten Petersen / Szenario: Selbst Erlebtes

Lieber Herr Petersen,
ja, da kann ich was beisteuern: Eigene Dissertationsarbeit vom 28. bis zum 34. Lebensjahr (in der DDR - nach meinem Studium - durfte ich nicht promovieren, da politisch angeeckt), verheiratet, ein Kind, Arbeit - freilich an einem Institut , aber hauptberuflich an einem sog. Verbundprojekt (großes Forschungsprojekt), Schreiben über lange Strecken in der Freizeit, am Wochenende, im Urlaub, mit zwei Zeitverträgen (3 + 2 Jahre) im Nacken, die auch tatsächlich vor Ende des Promotionsverfahrens ausliefen. Habe dann meine Promotion auf der nächsten Stelle (= 3. Zeitvertrag, in einer anderen Einrichtung) fertiggestellt. Fazit: Ein hartes Brot, aber genossen aus Liebe zur Erkenntnis und zur Wissenschaft...
Die geschilderten Umstände würden jedoch NIEMALS wiss. Fehlverhalten á la Guttenberg (~80 ungekennzeichnete Zitate!) rechtfertigen. Guttenberg sollte auf den Titel ganz verzichten bzw. die Uni Bayreuth - auch aus Selbstachtung! - den Titel aberkennen. Alles andere wäre ein nicht wieder gut zu machender Schaden für den Forschungsstandort D.
Gruß, O. Fragender

Empfehlen
diup (diup) - 19.02.2011 08:45 Uhr

Denken statt Reproduktion

Bei einer Dissertation - noch viel intensiver wie bei einer Magisterarbeit - denkt man nicht an einem Thema, man verschmilzt mit ihr. Es ist ein ständiges Denken, das nicht erst am Schreibtisch beginnt, sondern sich über die ganze Phase des Produktionsprozesses zieht. Gleichzeitig ist man selbst die höchste Autorität über dem Objekt, da erst mein Denken es formt. Bei G war das nicht der Fall, ihm blieb sein Promotionsthema immer fremd, daher war er oder sein Ghostwriter gezwungen andere Texte zu reproduzieren.
(Und bitte entschuldigen sie: als linksautonomer Anarchist meine ich dieses Muster auch in G's politischen Handeln wiederzuerkennen: G denkt nicht, er reproduziert die herrschenden Verhältnisse und das kann er eben sehr gut. Mir dünkt, bei Juristen und BWL'ern ist das sehr häufig der Fall. Es bedürfte Geisteswissenschaftlern damit der nachhinkende Überbau, die weit vorausgeeilte ökonomische Basis einholt - doch die werden augenblicklich vom Kapital wegrationalisiert. Die G's werden in dieser Gesellschaft immer mehr, denkende Individuen immer weniger.)

Empfehlen
Heiko Gebhardt

Wer zitiert des Freiherrn Werk?

Wie steht es eigentlich mit dem wissenschaftlichen Gehalt dieser gutten Arbeit?
Wo wird sie zitiert und wie häufig?
An einer mit summ-cum-laude bewerteten Arbeit kann doch kaum jemand vorbeigehen.
Wer prüft auf fremdsprachliche Zitate und wie macht man das?

Empfehlen
ulrich wessinger

fachmaennischer einbau

Wenn man schon unbedingt die gedanken eines anderen uebernehmen moechte ohne diesen anderen zu nennen, dann muss man dessen gedanken so in seine eigenen einbauen, dass sie wie die eigenen daher kommen und als fremde nur noch schwer zu erkennen sind. Aber das was herr guttenberg hier vorlegt ist uebelstes zusammengekleistere aus "copy" und "einfuegen", wobei am wortlaut der ungenannten zitate nur minimale aenderungen vorgenommen worden sind. Dafuer gibt es nur zwei erklaerungen: Der ghostwriter hat sehr schlecht gearbeitet und weil der auftraggeber keine zeit hatte, sich tiefer in die materie einzuarbeiten konnte er das auch nicht ueberpruefen und ueberhaupt bemerken. Sonst haette er nicht schon den anfang mit einem ungenannten zitat beginnen lassen, dafuer ist er zu klug. Und die gefahr dass dies aufgedeckt wird, zu gross.
Oder herr guttenberg dachte, da kommt doch keine sau drauf, wer kuemmert sich um eine dissertation an der uni bayreuth bei einem alten mann, der noch nicht mal mails schreiben kann, weil computer fuer ihn eine unbekannte welt sind.
In jedem falle war das zu leichtsinnig und luegen haben zum glueck oft kurze beine.

Empfehlen
Lutz Grellmann
Lutz Grellmann (Lumi1) - 19.02.2011 01:46 Uhr

@Morten Petersen : Organisatorisches Chaos des Genies ?

Doch Herr Petersen, hier haben viele eine solche Arbeit schon geschrieben. Das von Ihnen beschriebene Szenario des „entschuldbaren Organisationschaos des Genies“ entspricht nicht dem praktischen Werdegang aktueller Dissertationen :
Seitdem Kopiergeräte und die Tastenkombination „copy->paste“ existiert können zitierwürdige Texte leicht und perfekt im Originalformat aufbewahrt werden. Dies muß bei 1000+ Zitaten und Querverweisen auch stringent organisiert werden und ist für sich genommen schon eine wissenschaftliche Fähigkeit organisatorischen Vorgehens. Zur spontanen Dokumentation origineller eigener Gedanken benötigt es ggf. ein Blatt Papier und einen Bleistift.
Der technische Fortschrittes verringert die Möglichkeit der unbeabsichtigten Verwechslung von fremden mit eigenen Gedanken aufgrund organisatorischer Fehler. Organisatorisches Versehen ist äusserst unwahrscheinlich .

Empfehlen
Weitersagen

Jahrgang 1977, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

Jüngste Beiträge