Home
http://www.faz.net/-gpg-76by2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Plagiatsverfahren Schavans Doktortitel aberkannt

Die Universität Düsseldorf hat Bildungsministerin Annette Schavan den Doktortitel aberkannt. Es gilt als ausgeschlossen, dass die Ministerin weiter im Amt bleiben kann.

© dpa Vergrößern „Vorsätzliche Täuschung durch Plagiat“: Bundesbildungsministerin Annette Schavan, hier im Bundestag

Der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel wegen „vorsätzlicher Täuschung durch Plagiat“ bei ihrer Dissertation aberkannt. Nach sechsstündiger Beratung stimmten zwölf Mitglieder für die Aberkennung und zwei dagegen; einer der 15 Stimmberechtigten enthielt sich. Grundlagen der Beratungen waren der Vorbericht des Promotionsausschusses sowie die Stellungnahme Frau Schavans, zu der auch zwei beigefügte erziehungswissenschaftliche Stellungnahmen gehören.

Heike Schmoll Folgen:    

Dieses Material sei in den vergangenen zwei Wochen den Mitgliedern des Fakultätsrats zugänglich gewesen und sei von ihnen eingehend geprüft worden, teilte der Dekan der Fakultät, der Althistoriker Bruno Bleckmann, mit. Es sei festzuhalten, dass die Zitierstandards der Erziehungswissenschaft zum Entstehungszeitpunkt der Arbeit die gleichen waren wie die in der übrigen philosophischen Fakultät.

Die Häufung und Konstruktion wörtlicher Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis hätten nach Überzeugung des Fakultätsrats das Gesamtbild ergeben, „dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte“, heißt es in der Begründung. Die Entgegnungen von Frau Schavan hätten dieses Bild nicht entkräftet. Die Universität Düsseldorf hatte die Dissertation zehn Monate geprüft. Vor zwei Wochen war der Fakultätsrat als entscheidendes Gremium der Empfehlung des Promotionsausschusses gefolgt, das Hauptverfahren zur Aberkennung des Doktorgrades einzuleiten.

© reuters, Reuters Vergrößern Plagiatsvorwürfe: Universität Düsseldorf erkennt Annette Schavan Doktorgrad ab

Die Bundesbildungsministerin befindet sich noch bis Freitag zu bilateralen Gesprächen in Südafrika. Ihre Anwälte bekräftigten eine frühere Ankündigung der Ministerin, dass diese gegen eine Aberkennung des Doktorgrades vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf klagen werde. „Die Entscheidung ist in einem fehlerhaften Verfahren zustande gekommen und sie ist auch materiell rechtswidrig“, teilten die Anwälte mit. Die Vertraulichkeit des Verwaltungsverfahrens sei mehrfach durch selektive Information der Öffentlichkeit verletzt worden.

Frau Schavan, eine enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel, hatte kürzlich Flüchtigkeitsfehler in ihrer Dissertation eingestanden, den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber zurückgewiesen. In Berlin gilt es als ausgeschlossen, dass sie nach der Aberkennung des Titels im Amt bleiben kann.

Dissertation von Annette Schavan © dpa Vergrößern Eine Ausgabe der Dissertation von Annette Schavan

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anklage gegen Arzt Doping vom Fachmann?

Seine Dissertation verfasste er zu Langzeitschäden in Folge mehrjähriger Einnahme von anabolen Steroiden. Nun muss sich der frühere Olympiastützpunkt-Arzt vor Gericht verantworten, weil er verbotene Mittel an Sportler weitergegeben haben soll. Mehr

20.11.2014, 17:23 Uhr | Sport
Kolumne Nine to five All die tollen jungen Doktoren

Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt sich ohne ihr: Manch einer der promoviert hat, trägt seinen Doktortitel gerne vor sich her. Anderen hingegen ist das hochnotpeinlich. Mehr Von Ursula Kals

27.11.2014, 14:00 Uhr | Beruf-Chance
Skandal in Australien Akademischer Betrug als Start-Up

Ob das auch als Sharing Economy gilt? Viele, die ohne ausreichende Englischkenntnisse an Australiens Unis studieren, haben ihre Hausarbeiten gegen Bezahlung fremdvergeben. Eine Website auf Chinesisch machte das ganz einfach. Mehr Von Christoph Hein, Singapur

13.11.2014, 05:57 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.02.2013, 20:24 Uhr