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Plagiatsaffäre Schavan Cui bono?

Fast schien das Schicksal Annette Schavans besiegelt. Aber sie entschied sich zu kämpfen. Die Forschungsgemeinde steht ihrer Ministerin in der Plagiatsaffäre bei.

© dapd Bedrängt, unterstützt: Annette Schavan im Bundestag

Ein wenig bleich sah sie aus und ein wenig müde. Das knallrote Jackett signalisierte, was sie zuvor angekündigt hatte: Sie kämpft. Als sie zum Rednerpult ging, war ihr nichts anzumerken. Zweimal sprach Bildungsministerin Annette Schavan am Donnerstag im Bundestag. Zwei routinierte viertelstündige Beiträge, kompetent und eloquent wie immer. Ein bemerkenswert souveräner Auftritt für eine Ministerin, deren Stuhl Anfang der Woche heftig gewackelt hatte. Da nämlich war ein Papier des Vorsitzenden des Promotionsausschusses der Universität Düsseldorf bekanntgeworden, in dem im Zusammenhang mit der Doktorarbeit der Forschungsministerin von einer „leitenden Täuschungsabsicht“ die Rede ist. Seit im Mai ein anonymer Plagiatsjäger im Internet Vorwürfe gegen die Dissertation Schavans erhoben hatte, hatte der Judaist Stefan Rohrbacher im Auftrag der Universität die Doktorarbeit der Forschungsministerin einer sorgfältigen Prüfung unterzogen. Er war zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei insgesamt sechzig inkriminierten Textstellen nicht um handwerkliche Fehler, sondern um bewusste Täuschung handeln müsse.

Eine Bildungsministerin, die in ihrer Doktorarbeit betrügt? Fast schien das Schicksal Annette Schavans besiegelt. Aber sie entschied sich zu kämpfen. Und sie kämpft gut. „Sehr geschickt“ sei sie vorgegangen, sagen in der CDU selbst diejenigen, die ihr wenig wohlgesinnt sind. Am Pranger steht inzwischen nicht mehr die Ministerin, sondern die Universität Düsseldorf und der Promotionsausschuss, aus dessen Reihen das Papier an die Öffentlichkeit gelangte. Der berechtigten Kritik an „Durchstechereien“ folgten Beanstandungen des Verfahrens: Die Beklagte selbst müsse gehört werden, es bedürfe weiterer Stellungnahmen von Vertretern ihres Faches, der Erziehungswissenschaft. Die Universität entschuldigte sich wortreich bei der Ministerin. Außerdem erstattete sie Strafanzeige wegen unrechtmäßiger Weitergabe von Informationen. Alles deutet darauf hin, dass es nicht bei dem Votum Rohrbachers bleiben wird. Mindestens eine weitere Prüfung solle es geben. Genaueres weiß man nicht, da sich die Universität Düsseldorf inzwischen nicht mehr äußern darf. Dafür haben die Anwälte der Ministerin gesorgt.

Die Ministerin kämpft nicht allein. An ihrer Seite steht geschlossen die Führung der Union. Unionsfraktionschef Volker Kauder, ein alter Weggefährte, ging in seiner Unterstützung weit über die bekannten Floskeln hinaus und verlangte, das Verfahren müsse „wegen Befangenheit und schwerer Verfahrensfehler“ eingestellt und neu begonnen werden. Von der Kanzlerin kam zunächst nur die übliche Formel vom „vollsten Vertrauen“ in die Ministerin. Aber während der Bundestagsdebatte am Donnerstag suchte sie auch mehrfach demonstrativ die Nähe zu Annette Schavan. Für mehrere Minuten setzte sie sich gar in die zweite Kabinettsreihe neben die Ministerin zu einem vertrauten Plausch.

Die baden-württembergische Landesgruppe im Bundestag hatte der bedrängten Ministerin schon auf ihrer Sitzung am Montag den Rücken gestärkt. „Die Runde sprach ihr Mut zu und äußerte die Erwartung, dass sie sich in ihrer Auffassung, sich zu wehren, bestätigt sehen werde“, sagt ein Teilnehmer. Was vielleicht noch wichtiger ist als die Rückendeckung: Die Gegner im eigenen Lager schweigen. Aus ihrem Kreisverband Alb-Donau/Ulm, von dem sich Frau Schavan so entfremdet hatte, dass er sie im vergangenen Jahr nicht als Parteitagsdelegierte nominierte, kamen diese Woche keine Querschläger. Auch der Landesverband, wo man der Ministerin wegen ihres bildungspolitischen Überraschungsangriffs zur Abschaffung der Hauptschule grollt, hielt sich bedeckt. Denn niemand hat im Moment ein Interesse daran, die Ministerin stürzen zu sehen. Rechtzeitig hatte Frau Schavan Mitte August angekündigt, auf dem im November anstehenden CDU-Parteitag auf eine weitere Kandidatur für den stellvertretenden Parteivorsitz zu verzichten, und damit für den Landesvorsitzenden Thomas Strobl den Weg in die Parteispitze frei gemacht. Jetzt will der Landesverband vor allem den Ministerposten behalten. Und da man selbst keinen naheliegenden Nachfolgekandidaten aufzubieten hätte, erscheint es vielen das Beste, die Bundestagswahl abzuwarten. „Danach ist sie sowieso weg“, heißt es. Allerdings steht Anfang Januar noch die Kandidatenaufstellung in Schavans Wahlkreis an.

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