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Plagiate von Professoren Ergebenheit macht Diebe

Professoren, die ihre Mitarbeiter bestehlen, Texte von ihnen unter eigenem Namen veröffentlichen oder Ghostwriter beschäftigen, müssen kaum mit Konsequenzen rechnen. Studenten dagegen müssen mit der Exmatrikulation rechnen.

© Greser & Lenz Vergrößern

Auch wenn die Plagiate von Geisteswissenschaftlern in der Öffentlichkeit weitaus mehr Beachtung finden, sind Datenmanipulationen von Naturwissenschaftlern bei Versuchen und in Laborbüchern die viel häufigere Form wissenschaftlichen Fehlverhaltens. In der vergangenen Woche hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Datenmanipulationen zweier Naturwissenschaftlerinnen geahndet; in einem dritten Fall hat sich der Vorwurf gefälschter Daten nicht erhärtet.

Heike Schmoll Folgen:    

Eines der Verfahren richtete sich gegen die Leiterin der Abteilung Immunologie und Zellbiologie am Forschungszentrum Borstel, Silvia Bulfone-Paus. Schon im Mai 2010 hatte die DFG bekanntgegeben, dass gegen mehrere ihrer Publikationen der Vorwurf der Datenmanipulation erhoben wurde. Die DFG leitete daraufhin ein Verfahren zur Überprüfung der Vorwürfe ein. Mit den Vorwürfen war nicht nur der Hauptausschuss der DFG befasst; auch die Universität Lübeck und die Berliner Charité prüften den Verdacht auf Datenmanipulation, zum Teil sind diese Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Schriftliche Rüge für Fehlverhalten

Die DFG ist insofern besonders betroffen, weil die gefälschten Daten sich in vier Publikationen finden, die durch die DFG gefördert wurden. Dafür seien in erster Linie die Autoren aus ihrer Laborgruppe verantwortlich, doch bei Frau Bulfone-Paus sei eine mangelnde Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht festzustellen, so die externe Untersuchungskommission am Forschungszentrum Borstel. Schon im Februar vergangenen Jahres hat die DFG der Wissenschaftlerin empfohlen, bis zum Abschluss der Untersuchungen kein neues wissenschaftliches Personal in den DFG-geförderten Projekten einzustellen und ihre Projektleitung ruhen zu lassen - zumal die Professorin von sich aus vorgeschlagen hatte, sie für einen bestimmten, von der Forschungsgemeinschaft zu bestimmenden Zeitraum als Gutachterin sowie von der Tätigkeit in ihren Gremien auszuschließen.

Am Ende kam die DFG zu dem Schluss, dass bei Frau Bulfone-Paus eine „grobe Vernachlässigung der Aufsichtspflicht“ als Leiterin der Arbeitsgruppe und somit wissenschaftliches Fehlverhalten gemäß der Verfahrensordnung der DFG vorlag. Die Sanktionen gegen die Professorin fallen vergleichsweise milde aus: Sie wurde schriftlich gerügt und darf drei Jahre lang keine Anträge stellen, als Gutachterin oder in Gremien der DFG tätig sein. Die Zeit, in der sie ihre Ämter von sich aus ruhen ließ, wird angerechnet.

Studenten werden exmatrikuliert

Als hauptverantwortlich für die Manipulation einer Darstellung und Fälschung einer Abbildung wurde die bereits promovierte Mitarbeiterin aus der Arbeitsgruppe der Professorin, Elena Bulanova ausgemacht. Ihr Name wurde in der Autorenliste der betreffenden Publikation als erster genannt und sie war „Corresponding Author“, also Kontaktperson für Rückfragen anderer Wissenschaftler. Auch sie wurde schriftlich gerügt und wird für fünf Jahre vom Antragsverfahren ausgeschlossen. Nicht nachgewiesen werden konnte wissenschaftliches Fehlverhalten hingegen beim Magdeburger Privatdozenten Volker Korz, dem man Datenmanipulationen im Laborbuch, sowie Nichtreproduzierbarkeit von Daten vorgeworfen hatte.

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Veröffentlicht: 10.12.2012, 16:08 Uhr